Sparkassen-Areal

Libeskind bringt New York nach Bremen

Daniel Libeskind erzählte bei seiner Präsentation von der Zeit, als Bremen noch eine Stadt mit Skyline war. Genau da will der Architekt wieder hin.
05.04.2019, 20:58
Lesedauer: 3 Min
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Libeskind bringt New York nach Bremen
Von Jürgen Hinrichs

Daniel Libeskind holt weit aus und geht zurück in ferne Jahrhunderte, als die Hanse stark war und Bremen spürbarer als heute auf der Weltkarte der Kaufleute stand. Der Architekt zeigt Bilder von der Stadt, wie sie mal ausgesehen hat, mit ihren vielen Kirchtürmen und den imposanten Gebäuden zum Beispiel vom Norddeutschen Lloyd, das an einer Ecke spitz aufragte. „Die Innenstadt war damals vertikal, sie hatte eine Skyline“, erklärt Libeskind.

Und genau da will er wieder hin. Vier Türme auf dem Sparkassengelände am Brill, der höchste misst 98 Meter. Das ist sein Plan. Und als der Architekt am Freitag fertig ist mit seiner Präsentation, brandet Beifall auf. Niemand unter den Parlamentariern, Behördenleuten und Beiratsmitgliedern, der sich negativ äußert. Bedenken schon, aber die zielen nicht auf die geplanten Bauten, sondern auf ihre Nutzung und darauf, ob so viel Geschossfläche an der Stelle praktikabel ist.

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Die Entwürfe waren geheim gehalten worden, nachdem es Mitte Februar im Rathaus ein erstes Treffen von Investor, Architekt und Senat gegeben hatte. So geheim, dass selbst solche Kreise, die in Bremen normalerweise gut informiert sind, wochenlang im Nebel stocherten. Bekannt wurde lediglich, dass es neben weiteren Neubauten auf dem 11 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Brill, Hankenstraße, Jakobistraße und Bürgermeister-Smidt-Straße vier Hochhäuser geben soll. Eines davon reicht an den Bremer Dom heran. Der niedrigste Turm erreicht eine Höhe von 64 Metern.

Ein städtebaulicher Wettbewerb

Einer, der mehr schon nicht mehr wissen musste, ist der Landesdenkmalpfleger. Für Georg Skalecki sind die Turmbauten indiskutabel. „Man kann dort gerne spektakulär bauen, aber bestimmt nicht so hoch“, sagte Skalecki dem WESER-KURIER. Das Sparkassengelände liege wie ein großer Teil der Altstadt und sowieso der Dom auf der Bremer Düne. Ein Sakrileg, findet der Denkmalpfleger, im Dunstkreis des Weltkulturerbes Rathaus und Roland himmelstürmende Häuser zu bauen. Er wird sein Veto einlegen, das ist gewiss.

Im vergangenen Jahr hatte es für das Areal an der Nahtstelle zwischen City und Stephaniviertel einen städtebaulichen Wettbewerb gegeben. Der Sieger, ein Architekturbüro aus Berlin, spielt jetzt freilich keine Rolle mehr. So wenig wie offenbar auch die Vorgabe der Stadt, sich an ein bestimmtes Bauvolumen zu halten. Ursprünglich sollten dem Investor, die Brüder Pinchas und Samuel Schapira aus Israel, maximal 40 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zugestanden werden. Später wurde noch einmal drauf gesattelt, da waren es 47 000 Quadratmeter. Doch jetzt planen die Schapiras plötzlich mit 75 000 Quadratmetern und organisieren sich diese Fläche mit hohen Gebäuden.

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Bei der Präsentation ist das kein Thema. Gesprochen wird stattdessen über den Beteiligungsprozess, der jetzt in Gang kommen muss. Viel Zeit ist dafür nicht, geht es nach den Vorstellungen des Investors. Er will möglichst sofort, nachdem die Sparkasse das Gelände Ende 2020 geräumt hat und zur Universität umzieht, mit dem Bauen beginnen. Bis dahin müsste von der Bürgerschaft ein neuer Bebauungsplan verabschiedet und der Bauantrag genehmigt worden sein. Ein halbes Jahr, meinen die Schapiras, die sich bei der Veranstaltung von ihren Projektleitern vertreten lassen. Nach dieser Frist sollte klar sein, wie genau die Entwürfe umgesetzt werden können. Klappt das nicht, klappt überhaupt nichts, bleibt der Investor auf der sicheren Seite. Die Sparkasse hat ihm bis Ende 2020 das Recht eingeräumt, vom Kauf zurückzutreten.

"Wir können gut zuhören"

Bremen hat mit den Schapiras vereinbart, für das Projekt einen Gestaltungsbeirat zu gründen. Beteiligt werden sollen unter anderen Vertreter des Beirats Mitte, die Senatsbaudirektorin, die Architektenkammer, Vertreter des Investors und der Landesdenkmalpfleger. Für die breite Öffentlichkeit, da sind sich in der Diskussion alle einig, müssen andere Foren gefunden werden.

„Wir können gut zuhören“, verspricht Nina Libeskind, die mit angereist ist. Sie ist die Frau von Daniel Libeskind und seine Partnerin im Architekturbüro. Nichts an den Plänen sei in Stein gemeißelt. „In China würden die Häuser in zwei Jahren fertig sein. Das ist aber nicht das, was wir wollen, wir leben in einer Demokratie“, so die Planerin. Was sie und ihr Mann vorgelegt hätten, sei eine Vision, eine Idee. „Ob es genauso kommt, ist noch nicht entschieden.“

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Nina Libeskind hebt hervor, wie unterschiedlich das Gelände und die Häuser genutzt werden sollen. Das gefällt ihr besonders, „sonst wären wir nicht hier“. Sie zählt auf, was der Mix ist: Wohnungen für Studenten, für Senioren, möblierte Appartements, Läden, Hotels, vielleicht ein Museum, öffentliche Plätze, Cafés. Was sie nicht erwähnt, sind die superteuren Wohnungen, die weit oben in den Türmen geplant sind. Ein Quartier, das sozial gemischt ist.

In gut einer Woche wollen sich die Stadt und die Abgesandten des Investors wieder zusammensetzen. Das Ehepaar Libeskind wird nicht jedes Mal dabei sein können. Es ist auch an diesem Tag in Eile, zurück nach New York, wo ganz andere Türme stehen und 98 Meter gerade einmal als mittelhoch durchgehen.

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