Neues Hilfsangebot

Bremen bekommt Trauma-Ambulanzen für Minderjährige

Kinder und Jugendliche, die schwere Gewalt erlebt haben oder Zeugen bei Straftaten waren, haben einen Rechtsanspruch auf psychologische Hilfe. Für sie gibt es nun in Bremen zwei Trauma-Ambulanzen.
20.03.2021, 14:48
Lesedauer: 2 Min
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Bremen bekommt Trauma-Ambulanzen für Minderjährige
Von Nina Willborn
Bremen bekommt Trauma-Ambulanzen für Minderjährige

Schwere Gewalt oder Kapitalverbrechen: Wenn Kinder Opfer oder Zeugen von Gewalt werden, können sie psychologische Hilfe bekommen.

Patrick Pleul / dpa

Für Kinder und Jugendliche, die Opfer oder Zeugen von schwerer Gewalt geworden sind, gibt es nun in Form von zwei Trauma-Ambulanzen ein neues Hilfsangebot im Rahmen des Gesundheitsnetzwerkes. Damit setzt Bremen einen neuen rechtlichen Anspruch auf diese Art von Unterstützung um. Anlaufstellen sind die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bremen-Ost und die sozialpsychiatrische Kinder- und Jugendpraxis von Carsten Edert und Andreas Hahn im Fesenfeld.

Sinn der Ambulanzen ist, dass minderjährige Gewaltopfer beziehungsweise diejenigen, die Mord, Totschlag oder andere Kapitalverbrechen mit ansehen mussten, „möglichst schnell und einfach psychotherapeutische Unterstützung erhalten“, wie es in einer Vorlage für den Jugendhilfeausschuss heißt. Die Traumatisierten können dort bis zu acht Therapie-Stunden erhalten, eine Verlängerung auf zehn Stunden ist möglich. Die Kosten übernimmt das Amt für Versorgung und Integration. Für erwachsene Opfer von Gewalttaten gibt es Trauma-Ambulanzen in Bremen bereits seit 2014.

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„Die Trauma-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche sind ein sinnvolles weiteres Mosaiksteinchen in dem Netz von Anlaufstellen, das es bereits gibt“, sagt Frank Forstreuter, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bremen-Ost. Dazu gehören unter anderem auch die Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle und Institutsambulanz und die auf Hilfe nach sexuellem Missbrauch spezialisierte Beratungsstelle „Schattenriss“. „Gerade die unmittelbare Zeit nach dem Trauma ist für viele sehr belastend“, sagt Sahhanim Görgü-Philipp, sozial- und jugendpolitische Sprecherin der Grünen. „In den Ambulanzen werden die Minderjährigen durch eine hochwertige psychotherapeutische Unterstützung und Beratung aufgefangen und Symptome wie Ängste, Albträume oder Flashbacks frühzeitig aufgegriffen.“ Das betont auch Carsten Eder, der darüber hinaus auch die Doppelstruktur von Klinik und Arzt-Praxis für sinnvoll hält. „Die Schwelle, sich Hilfe zu holen, muss möglichst niedrig sein“, sagt der Kinderpsychologe. Ein anderer Aspekt der Neuerung sei, dass Kontakte und Verbindungen im bestehenden Trauma-Netzwerk neu geknüpft werden könnten.

Die Trauma-Ambulanzen sollen einerseits für die Betroffenen auch Vermittlungsstellen sein, die über längerfristige Therapien aufklären und Betroffene über das Netzwerk informieren können. Andererseits sei es wichtig, sagen die beiden Kinderpsychologen, dass Einsatzkräfte bei Polizei und Feuerwehr von ihrer Existenz wissen. In wie vielen Fällen die Trauma-Ambulanzen voraussichtlich in Anspruch genommen werden, lässt sich laut Frank Forstreuter nicht sagen. In Bremerhaven gibt es über die Initiative Jugendhilfe bereits seit einigen Jahren ein solches Angebot. Dort seien es rund fünf Fälle im Jahr, sagt Forstreuter.

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