Corona-Krise in Bremen

Hilfsaktion für Risikogruppen: Einkaufshelfer aus der Firma

Die Freiwilligen-Agentur und der WESER-KURIER tun sich zusammen, um Menschen zu helfen, die in diesen Tagen dringend auf Hilfe beim Einkaufen angewiesen sind, aber niemanden haben, der das übernehmen kann.
18.03.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hilfsaktion für Risikogruppen: Einkaufshelfer aus der Firma
Von Silke Hellwig
Hilfsaktion für Risikogruppen: Einkaufshelfer aus der Firma

Lena Blum, Geschäftsführerin der Freiwilligen-Agentur Bremen, und der WESER-KURIER kooperieren, um älteren und kranken isolierten Menschen zu helfen.

Frank Thomas Koch

Dieser Tage ist Rücksichtnahme gefragt, im eigenen Interesse und in dem anderer. Das gilt nicht nur für die Minimierung des Ansteckungsrisikos, sondern auch für Menschen, die Unterstützung beim Einkaufen, beim Ausführen vom Hund oder beim Einlösen von Rezepten brauchen, weil sie sich nicht allein versorgen können. Um hier praktische Hilfe zu leisten, haben sich die Mitarbeiter des WESER-KURIER mit der Freiwilligen-Agentur Bremen zusammengetan. „Jetzt schlägt die Stunde der Nachbarschaftshilfe“, sagt Lena Blum, Geschäftsführerin der Freiwilligen-Agentur. „Wir müssen nicht nur zusehen, dass es unserer Familie und uns gut geht, sondern auch den Menschen in unserer Nachbarschaft.“

Unter der Rufnummer der Freiwilligen-Agentur können sich diejenigen melden, die zu einer der Risikogruppen zählen, das Haus hüten sollen und nicht auf die Unterstützung von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn hoffen können. Hier wollen Mitarbeiter des WESER-KURIER und der Freiwilligen-Agentur einspringen, die bei der Agentur registriert sind. Die Freiwilligen-Agentur wird die Kontakte vermitteln, an einem Verfahren zur kontaktlosen Übergabe wird gearbeitet. „Wir wollen ein gemeinsam Zeichen setzen und hoffen auch, dass sich weitere Unternehmen dieser Initiative anschließen“, sagt Blum.

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Unter dem Schlagwort und Hashtag #NachbarschaftsChallenge gibt es in und um Bremen schon eine Reihe ähnlicher Initiativen von Vereinen, Organisationen und Privatleuten. Dazu zählen Familien, die im Hausflur von Mehrfamilienhäusern Unterstützung anbieten.

Dazu gehört die Kneipe Taubenschlag: Der Geschäftsbetrieb ist ausgesetzt, der Inhaber Kim Döhling, seine Freundin und Mitarbeiter bieten ihre Zeit an: für Einkäufe, für Botenfahrten und Ähnliches. „Wir sind betroffen von der Zwangsschließung und haben spontan überlegt, dass wir was tun wollen“, sagt Döhling. „Für uns ist das auch ein Statement nach außen, dass wir nicht großartig klagen, obwohl wir auch von den Einschränkungen betroffen sind, sondern auch etwas Positives ausstrahlen.“

Ältere und Risikomenschen schützen

In der Facebook-Gruppe „Coronahilfe Freie Hansestadt Bremen“ haben sich an die 1400 Abonnenten zusammengetan, damit „die Jüngeren helfen, Ältere und Risikomenschen zu schützen“. Auch auf Nebenan.de wird Hilfe vermittelt. Dort gibt es unter anderem Aushänge für den Hausflur zum Download.

Ein Hindernis, auf das diese großherzigen Aktivitäten stoßen: Über die Aktionen wird in erster Linie in den sozialen Netzwerken informiert; ein Teil älterer Menschen kann nicht erreicht werden. Außerdem, sagt Lena Blum, müsse überdacht werden, wie für die Zuverlässigkeit und Seriosität der Helferinnen und Helfer garantiert werden könne. Es sei die absolute Ausnahme, aber es gebe Menschen, die die derzeitige Situation ausnutzen könnten. „Deshalb ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen eine gute Idee. Es wäre ganz wunderbar, wenn weitere Unternehmen dem Beispiel des WESER-KURIER folgen. Das gäbe sicher vielen Menschen, die Hilfe brauchen, eine gewisse Sicherheit.“

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„Wir haben schon eine Weile überlegt, wie wir uns den vielen Initiativen anschließen können. Wir haben selbst ungefähr 500 Freiwillige, von denen altersbedingt etwa 60 bis 70 Prozent zur Risikogruppe gehören. Nun ist es an uns, älteren Engagierten auch wieder etwas zurückzugeben.“ Die Aktion mit dem WESER-KURIER und bestenfalls anderen Firmen sei auch als Impuls zu verstehen, anderen beizustehen.

Vermutlich gebe es noch eine ganze Reihe von Menschen, die ebenfalls gerne mit anpacken möchten. „Wichtig ist, dass alle, die helfen wollen, erst einmal versuchen, dies in ihrem eigenen Umkreis zu tun.“ Um das Hilfsangebot zu verbreiten, könnten persönliche Netzwerken wie Vereinsverteiler oder Whats-App-Gruppen genutzt werden.

„Wenn da alle versorgt sind, können sie sich bei uns melden, um die zu unterstützen, die kein Netzwerk haben.“ Positive Gesten, Zeichen von Zusammenhalt seien derzeit ungemein wichtig, sagt Lena Blum. „Das kann vielen Menschen in diesen unsicheren Zeiten Hoffnung und Stabilität geben.“

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Weitere Informationen

Menschen, die zu den Risikogruppen gehören und dringend Hilfe benötigen, können sich montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr bei der Freiwilligen-Agentur Bremen unter Telefon 04 21 / 34 20 80 melden.

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