Jugendliche malen riesiges Wandbild

Huchting bekommt einen Leuchtturm

Sechs Wochen haben Schüler Entwürfe gezeichnet, ein achtstöckiges Wohnhaus sollte bunter und schöner werden. Der Siegerentwurf wird ab diesem Montag umgesetzt: Huchting bekommt einen Leuchtturm.
18.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Huchting bekommt einen Leuchtturm
Von Sara Sundermann

Sechs Wochen haben Schüler Entwürfe gezeichnet, ein achtstöckiges Wohnhaus sollte bunter und schöner werden. Der Siegerentwurf wird ab diesem Montag umgesetzt: Huchting bekommt einen Leuchtturm.

Die Wellen brechen sich an den Balkonen: Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule für Gestaltung haben ein Wandbild entworfen, das nun als riesiges Graffiti-Gemälde auf ein Hochhaus in Huchting aufgetragen wird. Das achtstöckige Wohngebäude liegt gegenüber der Wilhelm-Wagenfeld-Schule. Es hat eine besondere Architektur: Ein Teil des 20 Meter hohen Gebäudes umgibt die Wohnungen wie ein großer Rahmen. Bislang ist dieser Beton-Rahmen orangefarben gestrichen. Künftig soll hier meterhohe Meeresbrandung zu sehen sein, ein norddeutsches Küstenmotiv mit Leuchtturm.

Ab diesem Montag wird gemalt: Mitarbeiter der Gestaltungs-Agentur Lucky Walls wollen zusammen mit einem Schüler aus der Gestaltungsklasse auf die Hebebühne klettern und zu den Sprühflaschen greifen. Das Wandbild wird auf mehr als 400 Quadratmetern aufgetragen – von Hand. Sechs Wochen soll durchgesprüht werden, hunderte Farbdosen stehen bereit, erzählt Peter Stöckel von Lucky Walls. „Dafür wird ein großes Raster auf das Gebäude gezeichnet“, erklärt der 31-jährige Mediendesigner.

Stöckel war früher selbst Schüler der Fachoberschule für Gestaltung, später betätigte er sich als Sprayer. Inzwischen ist er Chef der Bremer Gestaltungsagentur, die sich auf Wandbilder spezialisiert hat und oft Jugendliche und Anwohner einbezieht. „Wir sitzen nicht auf unserem Wissen, wir wollen die Menschen in den Stadtteilen beteiligen“, sagt Stöckel. Künstlerische und soziale Aspekte sollen bei den Wandbildern zusammengeführt werden.

Beton-Graffiti in ärmeren Stadtteilen

Immer mehr Hochhäuser in Bremen wurden in den vergangenen Jahren großflächig besprüht: Drei Wohnblöcke der Gewoba in Kattenturm und Bremen-Nord und ein Hochhaus der Brebau haben die Gestalter von Lucky Walls schon bemalt. Oft entstehen die Beton-Graffiti in ärmeren Stadtteilen oder sozialen Brennpunkten und sollen dort auch für ein freundlicheres Gesicht der Quartiere sorgen: Zum Beispiel ist ein 13-stöckiges Hochhaus am Lüssumer Ring zur Leinwand für eine überdimensionierte Pusteblume geworden.

In dem Hochhaus in Huchting, das nun besprüht wird, gibt es 48 Wohnungen. Dort wohnen junge und alte Leute, Familien und Alleinerziehende, sagt Hans-Hermann Schrader von der Gewoba. „Das Wandbild stiftet Identifikation mit dem Quartier, viele Leute sind beteiligt und dann später stolz darauf, was dort entstanden ist“, sagt Schrader. „Unsere Erfahrung mit Wandbildern in anderen Stadtteilen hat außerdem gezeigt, dass der Vandalismus dadurch gegen Null geht.“ Niemand übermale die Wandbilder mutwillig: „Da gibt es offenbar eine Art Ehrenkodex in der Sprayerszene.“

Gewoba zahlt die Hälfte

Die 60.000 Euro, die das Wandbild kostet, werden zur Hälfte von der Gewoba übernommen, die andere Hälfte wird aus Mitteln der Programme „Soziale Stadt“ und „Wohnen in Nachbarschaften“ (WIN) finanziert. Auch Huchtings Quartiersmanagerin Inga Neumann saß mit in der Jury, die über die Entwürfe abstimmte. Im September soll das fertige Bild mit einer Einweihungsparty gemeinsam mit den Anwohnern, Mediengestaltern und Schülern gefeiert werden.

Sechs Wochen lang haben die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse an den Entwürfen für das Huchtinger Hochhaus gearbeitet, gemeinsam mit Mediendesigner Peter Stöckel und mit ihren Lehrern Henning Krauspe und David Rusek. Um die Bewohner mit einzubeziehen, entwickelten die Jugendlichen Fragebögen, die sie im Hochhaus verteilten. Die Bewohner konnten außerdem später die Entwürfe der Schüler im Rahmen einer Ausstellung in der nahen Schule ansehen und als Teil der Jury mit abstimmen, welches Motiv ausgewählt wird.

Wünsche der Bewohner

„Viele Bewohner haben sich ein farbenfrohes, freundliches Bild gewünscht, das an Urlaub oder Natur erinnert“, erzählt Schülerin Ida-Marie Ahlers. Der Entwurf ihrer Gruppe zeigt ein Kind, das Seifenblasen in den Himmel schickt und belegte den dritten Platz. Auch der Gewinner-Entwurf von Mara Harjes, Lackyscha Schilling, Henri Giesing und Nils Monsees greift den Vorschlag einer Bewohnerin auf. „Eine Frau hat das Thema Nordsee als Sehnsuchtsort vorgeschlagen“, sagt Lehrer Henning Krauspe. Als Inspiration dienten den Jugendlichen japanische Druckgrafiken, erzählt Lehrer David Rusek, zum Beispiel ein berühmtes Wellen-Bild des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai.

Für die Schüler war es spannend, ein Bild zu entwerfen, das künftig überlebensgroß direkt neben ihrer Schule zu sehen sein wird: „Wir gucken von unserem Klassenraum direkt auf das Hochhaus“, erzählt Ida-Marie Ahlers. Bis zuletzt konnten die Jugendlichen nicht ganz glauben, dass ihr Entwurf tatsächlich umgesetzt wird. „Wir wussten schon, dass es so gemacht werden soll, aber trotzdem war es uns nicht richtig bewusst, dass es wirklich so kommt“, sagt die 18-Jährige. „Es hätte ja sein können, dass die Jury unsere Entwürfe alle schlecht findet.“

Auch die kleine Grünfläche vor dem Hochhaus soll nun im Zuge der Fassadenbemalung umgestaltet werden. „Die Bewohner haben uns den Tipp mitgegeben, dass sie gerne Sitzgelegenheiten dort hätten“, sagt Schrader von der Gewoba. Laut Peter Stöckel könnte es dort thematisch passend zum Beispiel Liegestühle oder Strandkörbe geben, von denen aus man auf die haushohen Wellen des Wandbilds blickt.

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