Bremer CDU über Kanzlerkandidaten

„Die Bürger wollen keinen Eiertanz“

Armin Laschet oder Markus Söder? Die Bremer CDU-Basis diskutiert über den Kanzlerkandidaten der Union. Kein einheitliches Bild erkennbar.
11.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Die Bürger wollen keinen Eiertanz“
Von Tobias Hensel

Der Franke Markus Söder oder doch der Rheinländer Armin Laschet? Noch immer ist nicht klar, ob die CSU oder die CDU den Kanzlerkandidaten stellt. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bundestagswahl am 26. September nicht wieder antritt, ist schon länger klar. Doch wen die Union ins Rennen um die Kanzlerschaft schickt, ist weiterhin unklar. Und wird auch an der Bremer CDU-Basis leidenschaftlich diskutiert.

„Ich bekomme die Diskussionen in der Frauen-Union mit. Dort scheint es eine Präferenz für Markus Söder zu geben“, sagt Kerstin Eckardt, die im Beirat Walle die CDU-Fraktion führt. „Söder ist in der Lage, die Pandemie und die nötigen Maßnahmen gut zu erklären. Er findet häufig die richtigen Worte“, stellt Eckardt fest. Denn in ihren Augen sei die Partei gegenwärtig von zwei Seiten überrumpelt. Einerseits würden die Coronapolitik und das Ringen um den richtigen Weg die Partei beschäftigen. Andererseits sei die Partei aufgrund der diversen Masken-Affären im Innern erschüttert. Einige Bundestagsabgeordnete hatten dabei durch Deals mit Masken hohe Nebeneinkünfte erlangt.

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Für Eckardt sei Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident und Vorsitzende der Schwesterpartei CSU, der richtige Mann, weil er bereits gezeigt habe, dass er mit der Corona-Krise umzugehen weiß. Aber sie schränkt auch ein: „Es wäre ungeschickt, sich schon jetzt festzulegen.“ Das Problem dabei: Eigentlich, meint Eckert, liege der richtige Zeitpunkt für die Kanzler-Entscheidung erst nach dem Ende der Pandemie. Der Wahltermin käme also eigentlich zu früh für die Kanzler-Frage.

Theresa Gröninger sitzt für die CDU in der Gesundheitsdeputation und glaubt an einen glücklichen Dritten: „Norbert Röttgen wäre der geeignete Kandidat“, sagt sie. Denn die beiden Unionsparteien hätten momentan viel Arbeit mit der eigenen Modernisierung. „Es wäre klug, Laschet und Söder ihre Parteien managen und einen Dritten die Bundesregierung führen zu lassen“. Röttgen sei in ihren Augen deshalb der geeignete Kandidat, weil er sich im Vorfeld der Wahl zum Bundesvorsitzenden einen Namen gemacht habe und außerdem über ein klares politisches Profil verfüge, insbesondere in der Außenpolitik. Partei und Fraktion seien im Moment Baustellen, weshalb es dort Kapazitäten brauche.

Cornelia Renken, CDU-Beiratssprecherin aus Strom, hätte sich Jens Spahn als Merkel-Nachfolger gewünscht. „Aber die vergangenen Monate haben das Blatt gewendet.“ Auch sie hat eine Präferenz für Söder: „Er wirkt sehr seriös und staatsmännisch, chapeau.“

Torsten Bullmahn, CDU-Beiratssprecher aus Vegesack, glaubt nicht, dass das Fass um die Kanzlerkandidatur noch mal geöffnet wird und ein dritter Kandidat ins Spiel kommt. „Wir diskutieren doch nun schon seit mehreren Monaten, und Laschet und Söder sind im Grunde die einzigen, die noch kandidieren können.“ Es sei die Aufgabe der beiden Schwesterparteien, sich nun zu einigen, wer von den Beiden ins Rennen geschickt wird. „Wichtig ist doch, dass die Partei dabei auch immer ein Ohr in der Bevölkerung hat.“ Als Volkspartei müsse man die Meinung der Bevölkerung auch bei der Frage um die Spitzenkandidatur berücksichtigen. „Wenn die Union es nicht schafft, sich zu einigen, dann könnte dies das endgültige Ende der Volksparteien bedeuten“, befürchtet Bullmahn. „Die Bundesbürger wollen keinen Eiertanz, sondern klare Worte.“ Denn gerade die nächsten Jahre würden einen entschlossenen Kurs benötigen.

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