Gericht will Schlussstrich ziehen

Kein weiterer Prozess um Bremer Bunkermord

Mehr als 15 Jahre nach dem grausamen Bremer Bunkermord hat das Landgericht die Eröffnung eines Hauptverfahrens wegen Beihilfe gegen vier Männer abgelehnt. Eine Verurteilung sei nicht wahrscheinlich, heißt es.
22.01.2015, 15:52
Lesedauer: 1 Min
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Kein weiterer Prozess um Bremer Bunkermord
Von Christian Weth
Kein weiterer Prozess um Bremer Bunkermord

Der Bunker Valentin in Bremen-Nord

Janina Rahn

Vermutet wurde es schon länger, jetzt ist es amtlich: Das Landgericht lehnt ein Hauptverfahren wegen Beihilfe im sogenannten Bunkermord-Prozess ab. Die Entscheidung wird damit begründet, dass eine Verurteilung der vier Beschuldigten unwahrscheinlich wäre. Der Vorwurf der Beihilfe ließe sich aus heutiger Sicht nicht hinreichend belegen, wie Gerichtssprecher Thorsten Prange am Donnerstag auf Nachfrage mitteilte.

Gegen den Beschluss kann die Staatsanwaltschaft innerhalb einer Woche Beschwerde einlegen. Macht sie das nicht, wird nach 14 Jahren endgültig ein Schlussstrich unter die Akten des Beihilfe-Falls gezogen. So lange ist es her, dass die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hatte und die Ordner beim Landgericht unbearbeitet geblieben waren. Präsidentin Karin Goldmann hatte sich deshalb vor dem Rechtsausschuss der Bürgerschaft erklären müssen. Nach ihren Angaben hatte es am Landgericht nur noch einen Richter gegeben, der mit dem Fall vertraut war. Er sei wegen neuer Fälle aber nicht dazu gekommen, die 70 Akten der Staatsanwaltschaft zum Bunkermord zu sichten.

Die drei Hauptbeschuldigten, die der kurdischen Arbeiterpartei PKK angehört haben sollen, waren in zwei Verfahren ein beziehungsweise vier Jahre nach der Tat verurteilt worden. Das Gericht hatte sie für schuldig befunden, Ayse Dizim und Serif Alpsozman, am Bunker Valentin ermordet zu haben. Die Frau und der Mann hatten ein ungeschriebenes Gesetz der PKK gebrochen: sich verbotenerweise geliebt. Vier weitere Beschuldigte sollen bei der Ausübung der Tat geholfen haben. Darum hatte die Staatsanwaltschaft seinerzeit Anklage gegen sie erhoben.

Nach Angaben von Gerichtssprecher Prange ist es nach Sichtung der Akten jedoch unwahrscheinlich, dass die Beschuldigten zur Tatzeit gewusst hätten, Beihilfe für einem Mord zu leisten. Sie sollen den Tätern Wohnung und Wagen zur Verfügung gestellt haben. Weil die Männer sechs Monate in Haft verbracht hatten, will das Gericht eine Entschädigung gewähren. Sie sollen einen Geldbetrag für die Zeit hinter Gittern erhalten. Dem Vernehmen nach acht Euro pro Tag.

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