Galerie Waller zeigt Aquarelle und Lithografien von Jobst von Harsdorf Kleine Retrospektive aus 40 Jahren

St. Magnus. Tauben steigen auf, scheinen wie aufgeschreckt, grafische Muster im Hintergrund des Bildes begleiten die Szenerie – und dann immer wieder Gondeln, Brücken, Menschen, die Kathedrale und der Markusplatz in vielen weiteren Bildern. Es sind Ansichten aus Venedig, außerdem aus der Provence und dem privaten Garten, die die aktuelle Ausstellung mit Arbeiten von Jobst von Harsdorf in der Galerie Waller präsentiert: eine kleine Retrospektive mit Aquarellen und Lithografien.
15.07.2016, 00:00
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Von Doris Friedrichs

St. Magnus. Tauben steigen auf, scheinen wie aufgeschreckt, grafische Muster im Hintergrund des Bildes begleiten die Szenerie – und dann immer wieder Gondeln, Brücken, Menschen, die Kathedrale und der Markusplatz in vielen weiteren Bildern. Es sind Ansichten aus Venedig, außerdem aus der Provence und dem privaten Garten, die die aktuelle Ausstellung mit Arbeiten von Jobst von Harsdorf in der Galerie Waller präsentiert: eine kleine Retrospektive mit Aquarellen und Lithografien.

„Bedenkt man die Anstrengungen der Menschen in Jahrhunderten, sich ein Bild von der Welt zu machen – bedenkt man die globale Bilderflut und den Bilderschub der Moderne des 20. Jahrhunderts – und damit verbunden die Innovationen digitaler Grafik-Programme und Bildgebungsverfahren, so könnte der Weg eines über 80-jährigen, mit Feder, Pinsel und Druckstock Arbeitenden als überholt erscheinen“, schrieb der Journalist Rainer B. Schossig in seinem Vorwort zum Buch „Unterwegs“ über Jobst von Harsdorf. „Unterwegs“ heißt auch die derzeitige Ausstellung des mittlerweile 92-Jährigen, die Aquarelle und Lithografien zeigt, die von den 1970er-Jahren bis etwa 2012 entstanden sind.

Da sind zum Beispiel kleine Aquarelle, die die Blumen und Pflanzenwelt im Garten von Ehefrau und Künstlerin Lotte von Harsdorf in Platjenwerbe vermitteln, nicht in der exakten Wiedergabe von Hortensien, Rosen und mehr, sondern in weich fließenden Formen und teils pastelligen Tönen. Das, was doch eigentlich vertraut ist, wandelt sich zu freien Flächen, lässt erahnen, erkennen und befremdet zugleich. Farbverläufe setzen Grenzen und lösen sich wieder auf. Flirrende, fliegende Tauben und die Architektur Venedigs sind vielfacher Teil der Lithografien ebenso Olivenhaine in der Provence im Spiel von Licht und Schatten.

Jobst von Harsdorf, 1924 in Wilhelmshaven geboren, arbeitete nach dem Studium der Grafik an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart als selbstständiger Grafiker. Schwerpunkt waren Illustration und Buchgestaltung. Ab 1961 hatte er an der heutigen Hochschule für Künste in Bremen einen Lehrstuhl für Verlagsgrafik inne. Angefangen habe er mit Buchillu­strationen, sagt Galeristin Birgit Waller. Später habe er seine eigene Lithografie-Werkstatt eingerichtet. „Er war ein unglaublich guter Lehrer. Heute noch schwärmen ehemalige Studenten von ihm als Professor und von seinen Studienreisen, die seit 1984 jährlich nach Venedig führten.“

Von Harsdorf sei in erster Linie Zeichner und immer mit seinem Skizzenblock unterwegs gewesen. Seine Skizzen, zu denen er kleine begleitende Texte geschrieben habe, seien die Vorlagen für seine Lithografien gewesen. Für die Aquarelle habe er immer einen Aquarellblock dabei gehabt. „Jobst von Harsdorf ist Rosenliebhaber und sehr naturverbunden“, erklärt Birgit Waller. „Die meiste Zeit ist er draußen und zeichnet. Er liebt Landschaften, Pflanzen, Tiere, aber auch die Architektur.“

Die Lithografie entstehe auf Kalksteinen, die ganz glatt geschliffen werden, beschreibt die Galeristin den Arbeitsprozess. Anschließend werde der Stein mit einer Tinktur nachbehandelt und gewachst. „Dann kann mit einem Ölkreidestift oder Öltusche darauf gearbeitet werden. Von Harsdorf verwendet beides. Er ist einer der besten Lithografen europaweit.“ Die Lithografie ist ein altes Handwerk, schon Künstler wie Dali und Matisse haben damit gearbeitet. Inzwischen sterbe sie aber aus, so Waller.

Die Ausstellung „Unterwegs“ mit Aquarellen und Lithografien von Jobst von Harsdorf zeigt die Galerie Waller, Villa Lesmona, Am Kapellenberg 5, noch bis zum 31. Juli. Öffnungszeiten: montags bis mittwochs von 11 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 04 21 / 62 16 66 oder per E-Mail an info@villa-lesmona.de.
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