„Hurricane“, „Wacken“ und „Rock am Ring“

Der Traum vom Festival-Sommer 2021

Die Infektionszahlen sind hoch, Virusmutationen sorgen für Unsicherheit. Schaut man sich an, was in der Welt passiert, ist an Festivals kaum zu denken. Veranstalter und Fans hoffen dennoch auf den Sommer.
28.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jenny Tobien

Deutschlands Traditionsfestivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ hatten letztes Jahr eigentlich ihre Jubiläumsausgaben geplant. Doch dann kam Corona und alle Großveranstaltungen wurden gestrichen. Die Lage hat sich seitdem allerdings kaum verbessert, im Gegenteil. Deutschland befindet sich mitten im Lockdown, und Festivals mit Zehntausenden feiernden Menschen sind zur Zeit eine eher absurde Vorstellung. Die Sehnsucht ist dennoch enorm, und viele Fans fragen sich: Ist da noch eine Chance auf einen Festival-Sommer 2021?

„Es gibt noch viele Fragezeichen“, sagt Stephan Thanscheidt vom Veranstalter FKP Scorpio. „Wir müssen auch abwarten, wie sich die Infektionszahlen und die Verfügbarkeit der Impfstoffe entwickeln.“ Der Veranstalter organisiert das „Hurricane“ in Scheeßel und das „Southside“ in Baden-Württemberg. Dieses Jahr soll das Zwillingsfestival eigentlich vom 18. bis 20. Juni stattfinden. „Für konkrete Ansagen ist es noch zu früh. In vier bis sechs Wochen können wir sicher mehr sagen“, meint Thanscheidt.

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Bereits eine Woche früher, am zweiten Juniwochenende, ist die 35. Ausgabe von „Rock am Ring“ am Nürburgring und das 25. „Rock im Park“ in Nürnberg geplant. Auftritte der Headliner wie Green Day, System Of A Down und Volbeat wurden vom vergangenen Jahr auf 2021 verlegt. Und auch mehr als 130.000 Besucher haben ihre Tickets von 2020 auf dieses Jahr umgetauscht. Auch hier heißt es, man wolle „die konkreten Entwicklungen“ abwarten. „Deshalb ist eine Aussage über das Stattfinden erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich“, teilten die Veranstalter mit.

Unklar ist auch die Lage im schleswig-holsteinischen Wacken. Normalerweise strömen alljährlich im Hochsommer Zehntausende Metal-Fans aus aller Welt in die norddeutsche Provinz, um beim „Wacken Open Air“ zu feiern. Letztes Jahr blieb es ungewohnt still in dem beschaulichen Dorf. Werden in diesem Jahr wieder Bässe auf den Wiesen und Kuhweiden wummern? Auf der Festivalseite läuft zumindest der Countdown. Angekündigt ist unter anderem Rammstein-Sänger Till Lindemann mit seiner ersten Solo-Festivalshow. „Die aktuellen Planungen sind trotz Kurzarbeit in vollem Gange, und wir hoffen, dass die staatlichen Maßnahmen greifen und eine Rückkehr zu Live-Events im Sommer möglich sein wird“, sagt Mitbegründer Thomas Jensen. Die Gesundheit und Sicherheit stünden dabei an erster Stelle, betont er.

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„Es herrscht derzeit große Unsicherheit“, erklärt der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. „So lange Abstandsregeln erforderlich sind, lassen sich allenfalls sehr kleine Veranstaltungen wirtschaftlich durchführen.“ Und: „Für die Sommerfestivals werden wir spätestens bis Mitte März Entscheidungen benötigen, in welcher Form sie stattfinden können, weil sie eine Mindestzeit zur Vorbereitung benötigen.“ Laut Michow hat die Branche den Herbst und Winter genutzt, um mögliche Konzepte zu erstellen.

Seiner Einschätzung nach werden umfassende Infektionsschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Schnelltests, erst einmal Voraussetzung sein für den Veranstaltungsbesuch. Er hofft hier auch auf Unterstützung seitens der Politik. Inwiefern bei großen Festivals Schnelltests bei „derart vielen Menschen durchgeführt werden können, wird noch zu prüfen sein“. Das nächste Problem sei das internationale Booking, so sei völlig unklar, ob etwa Bands und Künstler aus England oder den USA nach Deutschland kommen könnten.

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Die Live-Branche ist ein Wirtschaftszweig, der besonders hart von Corona getroffen wurde. Seit März ist das Geschäft quasi stillgelegt. Betroffen sind nicht nur die Musiker, sondern auch die Leute hinter den Kulissen – ob Tontechniker, Bühnenbauer, Caterer, Beleuchter oder Busfahrer. Auch der Deutsche Eventverband wies kürzlich auf die „weiterhin dramatische Lage“ der Branche hin.

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Zur Sache

Wie steht es um die Breminale?

Wenn es in diesem Jahr eine Breminale gibt, dann nur mit Einschränkungen. Das macht Festivalleiterin Esther Siwinski gleich zu Beginn deutlich: „Für uns ist klar, eine ganz normale Breminale, wie alle sie kennen und lieben, wird es nicht geben in 2021.“ Man habe schon früh damit begonnen, ein coronataugliches Konzept vorzubereiten. Alles müsse 2021 kleiner und dezentraler geplant werden, so Siwinski. Was die Details angeht, stecke man noch in den Verhandlungen mit den Behörden. „Vieles steht noch in den Sternen.“ Darum habe sich die gesamte Planung bisher auch nur auf das „pandemietaugliche Grundgerüst“ bezogen und noch gar nicht auf das Programm. „Die Künstler warten aber ja auch darauf, gebucht zu werden“, sagt Siwinski. Sie und ihre Kollegen gehen davon aus, dass in zwei bis drei Wochen feststeht, ob man das erarbeitete Konzept im Sommer umsetzen kann oder nicht. „Das hängt natürlich auch von den finanziellen Mitteln ab und davon, was in der Welt so los ist“, sagt Siwinski. „Aktuell fühlt sich das alles an, wie ein zähes Kaugummi.“

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