Warten auf ein Happy End Bremer Kinos in der Corona-Krise

Wann und unter welchen Auflagen die Kinos in Deutschland wieder öffnen dürfen, weiß aktuell niemand. Der Kinoverband HDF warnt vor einer Insolvenzwelle. In Bremen bleiben die meisten Betreiber optimistisch.
30.04.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Kinos in der Corona-Krise
Von Alexandra Knief

Seit Mitte März bleiben die Vorhänge vor den Kinoleinwänden geschlossen. Die Projektoren bleiben aus, die Lautsprecher schweigen, keine Trailer, keine Blockbuster, kein Arthouse. Niemand krümelt mehr die Sitze voll, denn auch den Popcornmaschinen wurde der Stecker gezogen. Den meisten zumindest. Gunnar Burmester, Geschäftsführer des Cineplex-Cinespace in der Waterfront, bietet am Wochenende einen Popcorn-Lieferservice für Kinoabende auf dem heimischen Sofa an. „Geld verdienen wir da nicht viel mit, es geht vielmehr darum, dass wir nicht vergessen werden“, sagt er.

Seine Kinomitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, 450-Euro-Kräfte musste Burmester vorerst entlassen. Allerdings mit dem Versprechen, dass sie nach dem Shutdown weiterarbeiten können. Zudem hat das Kino eine Soforthilfe in Höhe von 20 000 Euro erhalten. „Wir können noch eine Weile finanziell durchhalten“, so Burmester. Und der Kinobetreiber war in den vergangenen Wochen nicht untätig. Er gehört zu den Initiatoren des Autokinos in Brinkum.

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Aktuell ist er in Gesprächen mit der Stadt, weil er ein weiteres Autokino auf dem Gelände hinter der Waterfront eröffnen will. Das Alternativangebot könne die Verluste zwar nicht ausgleichen, „aber es macht Spaß und ist ansteckungsfrei“, sagt er. Eine Wiedereröffnung der Kinosäle sei in seinen Augen ab Mitte Juni denkbar. Thomas Settje vom Cinema Ostertor ist da etwas pessimistischer: „Ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr nicht mehr viel passiert und die Kinos frühestens im September wieder öffnen dürfen“, sagt er.

Und das auch nur, wenn auch die Einschränkungen in anderen Kulturbereichen weiter gelockert würden. Für Settje ist eins wichtig: Vorlauf. Denn nicht nur in den Kinos herrscht aktuell Stille, auch die meisten Verleiher haben ihre Filmstarts verschoben. Ein frühzeitiges Signal, wann es weitergehen könne, sei deshalb für alle Beteiligten wichtig. Denn wem nütze ein Kino, wenn darin keine neuen Filme gezeigt werden?

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Sorge um mögliche Auflagen

Das Cinema Ostertor sei bisher gut durch die Krise gekommen. Settje hat Soforthilfe beantragt, die bisher allerdings noch nicht ausgezahlt worden sei. Auch die Freunde des Cinemas seien bisher eine große Unterstützung gewesen. Mehrere 1000 Euro habe das Kino durch den Kauf von Gutscheinen und durch Spenden erhalten. „Das ist sehr berührend, weil man sieht, dass die Arbeit, die man macht, von den Leuten geschätzt und honoriert wird“, sagt Settje und bedankt sich im gleichen Atemzug. Eine Öffnung unter Berücksichtigung der aktuellen Abstandsregeln hält er im Cinema für möglich.

„Wir sind klein und geschmeidig“, sagt er. „Schön ist das alles zwar nicht, aber wir können das durchhalten. Uns wird es auch nach der Krise noch geben!“ Für Manfred Brocki, Betreiber der Bremer Filmkunsttheater, ist eine Wiedereröffnung mit Einschränkungen nicht so leicht vorstellbar. Für die Schauburg würde das nach aktuellen Abstandsregeln bedeuten: Maximal 80 Besucher im großen, 20 im kleinen Saal. „Da ist die Frage, ob sich das lohnt“, sagt er. Zumal man ja auch noch nicht wisse, ob die Besucher Masken tragen müssten und somit auch der Verzehr von Snacks und der Betrieb der zu den Kinos gehörenden Cafés wegfalle.

„Das bringt nicht viel, wenn man nebenbei keine Getränke verkaufen darf“, sagt Brocki. Auch er hat auf Kurzarbeit umgestellt, auch er hat finanzielle Hilfe beantragt, auf die er noch wartet, und auch für die Bremer Filmkunsttheater haben die Menschen in den vergangenen Wochen große Solidarität gezeigt und Gutscheine gekauft. Dennoch wird das Geld auf dem Konto stetig weniger, so Brocki besorgt. Er hoffe, dass es im August oder September für die Kinos weitergeht – ohne strenge Auflagen. Allerdings geht er davon aus, das anfangs vor allem kleinere, deutsche Produktionen anlaufen werden. „Die großen Anbieter werden ihre Filme erst rausbringen, wenn sie auch in anderen Ländern wieder gezeigt werden können“, prognostiziert Brocki.

Kinoverband warnt

Volkhard Lammers, Theaterleiter CineStar Kristall-Palast am Weserpark, rechnet mit einer Wiedereröffnung im Juli und freut sich schon auf die Zeit nach dem Shutdown: „Aufgrund der Vielzahl an angekündigten Blockbustern rechnen wir in der Kinosaison Herbst/Winter 2020 mit einem großen Zuspruch“, sagt er. Dennoch sei die aktuelle Lage nicht leicht, zumal das Kino mit mehr als sieben Sälen „durch sämtliche Förderungsraster“ falle.

Der Kinoverband HDF, dem mit dem Cinemaxx, dem Cinestar und dem Cineplex-Cinespace alle drei großen Kinos in Bremen angehören, bundesweit aber auch viele kleine Lichtspielhäuser und Filmkunsttheater, warnt vor einer Insolvenzwelle, sollte nicht bald etwas passieren. Die Interessengemeinschaft fordert von der Politik weitere Fördermaßnahmen sowie einen Fahrplan für eine Wiedereröffnung bis spätestens Juli. Einen Maßnahmenplan zur Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln habe man der Politik schon vergangene Woche vorgelegt. In den großen Bremer Kinos arbeite man bereits an individuellen Umsetzungsmaßnahmen.

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