Bremer Auszeichnung für Aufklärungsarbeit über Neo-Nazis

Kultur- und Friedenspreis für Christine Kröger

Bremen. Besondere Ehre für den WESER-KURIER: Christine Kröger, Leiterin des Niedersachsen-Ressorts, wurde mit dem 28. Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon „für ihre jahrelange mutige und professionelle Aufklärungsarbeit über die neuen Nazis in Deutschland“ ausgezeichnet.
13.03.2010, 18:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

Bremen. Besondere Ehre für den WESER-KURIER: Christine Kröger, Leiterin des Niedersachsen-Ressorts, wurde am Sonnabend mit dem 28. Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon „für ihre jahrelange mutige und professionelle Aufklärungsarbeit über die neuen Nazis in Deutschland“, so die Begründung der Jury, ausgezeichnet.

Grund zur Freude auch für Ulrich Hackmack, Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG, und Chefredakteur Lars Haider. Bei ihnen und bei ihren anwesenden Kolleginnen und Kollegen bedankte sich die Redakteurin, die seit 1999 für den Verlag tätig ist, verlegen und sichtlich bewegt für die Unterstützung ihrer Arbeit.

„Es ist schon ein beeindruckendes Oeuvre, das Christine Kröger als unbestechliche Chronistin der dunklen Seite unserer Gesellschaft vorlegen kann und für das sie hier heute geehrt wird.“ Das sagte Ex-„Stern“-Reporter Gerhard Kromschröder in seiner Laudatio. Der Glanz dieses 28. Kultur- und Friedenspreises der Villa Ichon strahle auch aus auf den WESER-KURIER und die BREMER NACHRICHTEN, ihren Arbeitgeber, „der sie über die Jahre mit Engagement unterstützt hat bei ihrer ambitionierten Aufklärungsarbeit“. Das gelte auch für die Kolleginnen und Kollegen von Christine Kröger, „an erster Stelle ihren Mentor Hans-Günther Thiele“, so Kromschröder, der anstelle des erkrankten, früheren stellvertretenden Chefredakteurs des WESER-KURIER die Laudatio hielt.

Als Reporter des „Stern“ machte sich Kromschröder einen Namen als investigativer Journalist mit seinen verdeckten Recherchen, unter anderem unter Neonazis und Skinheads. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er aus eigenen Erfahrung heraus versichert: „Wer sich mit denen einlässt, wer ihnen auf den Fersen bleibt, der mutet sich einiges zu. Das zehrt an den Nerven, und am Ende kann man froh sein, wenn man da mit heiler Haut und klarem Kopf rausgekommen ist“.

So würdigte Kromschröder Krögers „schnörkellose und grundsolide Recherchearbeit“, für die sie stets mutig mit dem eigenen Namen einstehe. Er fügte hinzu: „All’ das hat Christine auf ihre schmalen Schultern geladen. Aber darunter schlägt das Herz einer Löwin.“ Sein Appell an Christine Kröger: „Öffne uns mit Deinen Artikeln auch künftig ein Fenster in die dunkle Welt unter der glatten Oberfläche unserer Gesellschaft“.

„Kein Randgruppen-Phänomen“

Denn neonazistische Gedanken seien kein Phänomen von Randgruppen mehr, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen. Kromschröder lobte, Christine Kröger habe diesen schleichenden Übergang etwa prägnant dargestellt am Beispiel von Frank Hanebuth, dem Deutschland-Boss der Hell’s Angels. Dem sei es in Hannover gelungen, „mit seinem Rockerclub ein komplettes Stadtviertel zu übernehmen. Frank Hanebuth gibt auch gern mal im Anzug den Geschäftsmann und rühmt sich bester Kontakte zu Behörden und Parteien. Und niemand fand etwas an dieser Allianz – bis Christine Kröger sie öffentlich machte“, so der Laudator.

Er monierte, dass die Innenministerien viel zu spät „auf diese explosive Mischung aus organisierter Kriminalität und brauner Soße“ reagierten, nämlich erst anderthalb Jahre, nachdem im WESER-KURIER darüber berichtet worden war. „Man trifft sie ja gerade jetzt vermehrt, die Nazis im Nadelstreifen, die Sarrazins und Westerwelles, mit ihrem rassistischen Gebrabbel und ihren populistischen Hartz IV-Tiraden“, nahm Kromschröder kein Blatt vor den Mund.

Viel Feind, viel Ehr’, dieses geflügelte Wort trifft auch auf Christine Kröger zu, die bei Ermittlungsbehörden und Pressestellen als hartnäckig, unbequem und streitbar gilt. Sie und die Nahost- und speziell Bagdad-erprobte Reporterlegende Kromschröder verkörpern für die Jury Journalismus, wie er sein sollte: Unabhängig, unbestechlich, aufklärerisch und transparent – klassische Tugenden des kritischen, investigativen Journalismus, die sich, wie Kromschröder kritisierte, in der schönen, neuen Welt von „Infotainment und Party-Journalismus“ auf dem Rückzug befänden.

Christine Kröger sei mit ihrem hohen Qualitätsanspruch zu einer Ausnahme-Erscheinung im immer flacher und seichter erscheinenden journalistischen Metier geworden. Ihre Artikel, so der Laudator, „ haben stets wesentlich mehr Karat als vieles im Bereich der veröffentlichten Meinung – was ihr auch schon den renommierten Theodor-Wolff-Preis der deutschen Tageszeitungen eingebracht hat“.

Nicht nur die Auszeichnung und die Unterstützung von Seiten des Hausherrn der Villa Ichon, Klaus Hübotter, berührte die Journalistin sichtlich, sondern auch die Musik von Willy Schwarz. Der Sänger, der mit seinem Akkordeon gegen die in Deutschland weit verbreitete Unkultur des Wegsehens und des Nichteinmischens opponiert, wird der nächste Kultur- und Friedenspreis-Träger sein.

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