Bremer Literaturredakteur geht gen Ruhestand Michael Augustin sagt „Bye Bye Radio“

Beruf und Berufung aufs Schönste vereinen konnte seit 1979 der Radio-Bremen-Redakteur und satirisch gestimmte Dichter Michael Augustin. An diesem Dienstag sagt er dem Sender Bremen Zwei Farewell.
28.01.2019, 16:02
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Michael Augustin sagt „Bye Bye Radio“
Von Hendrik Werner

Die Einladung zu seinem Ausstand im Sender ist gleichermaßen gewitzt wie gelehrt: „Bye-Bye Radio!“ prangt neben Orts- und Zeitangabe auf einem Plakat, das den 55-fachen Radioredner Thomas Mann („Deutsche Hörer!“) in dezenter Schnösel-Pose zeigt. Nicht ohne Ironie ist dieses Arrangement auch deshalb, weil Mann bekanntlich länglichen Texten zuneigte. Michael Augustin hingegen, der mit dem Literaturnobelpreisträger den Geburtsort Lübeck gemein hat, schätzt und hegt, zumindest als launiger Lyriker und Facebook-Aktivist, vorwiegend die kurze Form.

Die von ihm publizierten Bände mit espritdrallen Miniaturen tragen so inspirierende Titel wie „Der Chinese aus Stockelsdorf“ (2005) und „Denkmal für Baby Schiller“ (2015). Auch an diesem Dienstag, wenn sich der 65-jährige Bremen-Zwei-Redakteur gen Ruhestand verabschiedet, wird er mutmaßlich keine großen Worte machen. Vielleicht, wer weiß, zitiert er ja aus gegebenem Abgang-Anlass immerhin jenen Gottfried-Benn-Vierzeiler, der sein Profil auf der Website des Bremer Literaturhauses ziert: „Das Krächzen der Raben / ist auch ein Stück – / dumm sein und Arbeit haben: / das ist das Glück.“

Ein Mann für alle Tonarten

Als Radiofeuilletonist ist Michael Augustin, der seit 1988 mit der Dichterin Sujata Bhatt verheiratet ist – das Paar hat eine Tochter –, ein Mann für alle Tonarten. Das merkt man der von ihm gestalteten Sendung an, dem formidablen Format „Fundsachen“, in dem er alle 14 Tage literarische Radio-Antiquitäten präsentiert. Informativ und unterhaltsam, wie es seine Art ist – und die seiner Anstaltsabteilung, das vormalige Nordwestradio.

Akademisch belehren ließ sich Augustin in Kiel und Dublin. Auf Anglistik, anglo-irische Literatur, Volkskunde und Irish Folklore fiel seine Fächerwahl. Im Alter von gerade mal 23 Jahren verdingte er sich als freier Mitarbeiter von Radio Bremen und Raidió Teilifís Éireann, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Irlands. In diese Zeit, Mitte der 70er-Jahre, fielen auch erste literarische Veröffentlichungen.

Enorme Belesenheit und nimmermüde Neugierde zeichnen seine Beiträge aus

1979 wurde er Rundfunkredakteur bei der kleinsten deutschen Sendeanstalt; in seinen Zuständigkeitsbereich fiel zuletzt neben den „Fundsachen“ das sonntägliche Radiofeature. Ob Texte zu Heinrich Böll oder Beat-Club, Paula Modersohn-Becker oder eidgenössischem Kabarett: enorme Belesenheit, nimmermüde Neugierde und eine ungeheure Eloquenz zeichnen seine Beiträge aus.

Augustin hat es als dichtender Radiomacher und passionierter Reisender vermocht, Brotberuf und Berufung weithin in Einklang zu bringen. So war er Writer in Residence und Gastprofessor am Dickinson College/USA, Writer in Residence an der Universität Bath/England sowie im Heinrich-Böll-Cottage in Irland. Dass der scheidende Redakteur mit den weltweiten Dichterkontakten dem Bremer Lyrikfestival „Poetry on the Road“, dessen Ko-Direktor er ist, dem Vernehmen nach die Treue hält, ist eine schöne wie tröstliche Nachricht.

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