Bremer Wahrzeichen mit sechs Buchstaben Musenküsse, Heimarbeit, Schwedenrätsel

"Müßiggang" heißt die Sonntagskolumne von Chefreporter Hendrik Werner. Die neue Folge beschäftigt sich mit unter anderem mit dem immensen Lust- und Erkenntnisgewinn, den Kreuzworträtsel bieten.
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Musenküsse, Heimarbeit, Schwedenrätsel
Von Hendrik Werner

Um sonntags der Muße zu frönen, bedarf es keines Ganges. Vielmehr ist es nach Tagen des Hetzens ratsam, müde Beine hochzulegen und geschundene Füße stillzuhalten, auf dass das Blut und die Gedanken fluffiger fließen mögen. Doch gilt Nichtstun nicht jedem als süß, weil es als unproduktiv verschrien ist. Dabei lehrt die Kulturgeschichte, dass Däumchendrehen und Wandanstarren der Kreativität dienen können: Der Philosoph René Descartes hatte die besten Einfälle im Bett (16 Stunden täglich). Isaac Newton kam die Gravitationstheorie laut Legende im elterlichen Garten, als er den Fall eines Apfels beobachtete.

Bei Künstlern kann es eine lange Weile dauern, bis die Muse sie küsst. Neun der kunstsinnigen Kreaturen zeugten Schwerenöter Zeus und Mnemosyne, Göttin der Erinnerung, in neun Nächten. Apropos Horizontale: Neben Künstlern wie Marcel Proust und Truman Capote („Ohne mich hinzulegen, kann ich nicht denken“) nutzte auch der Mathematiker Thomas Hobbes sein Schlafzimmer als Homeoffice. Täglich soll er sein Laken mit Formeln und Figuren verziert haben. Vorbildlich, unerreicht. Nicht von ungefähr schrieb der Denker Blaise Pascal, das Unglück der Menschen rühre daher, dass sie nicht still in einem Zimmer zu bleiben vermögen. „In der Ruhe liegt die Kraft“, sagt meine Oma.

Leichter gesagt als getan. Pflichterfüllungsparanoia, Arbeitsverdichtung und der – vermeintliche – Zwang zur ständigen Kommunikation sind Symptome unserer nervösen Beschleunigungsgesellschaft. Sie erschweren es, der Ruhe Einkehr und der Auszeit ein Quantum Weisheit abzulauschen. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob eine entspannte Existenz erlernbar ist, so lange wir uns schwer damit tun, eine nicht verplante Stunde als erfüllt wertzuschätzen. Dabei gibt es zwischen Aktivität und Apathie allerlei attraktive Zwischenstufen, etwa den sogenannten Zeitvertreib, auch als Zerstreuung bekannt.

Wochentag mit sieben Buchstaben (vierter ein n)? Prima, geht doch. Bremer Wahrzeichen mit sechs Buchstaben (fünfter ein n)? Nein, Sieling ist falsch. Jetzt nicht hudeln; rechnen Sie in Ruhe nach. 1913 erschien in New York das erste Kreuzworträtsel. In der Weihnachtsbeilage einer Zeitung. Schöne Bescherung, friedvolle Freizeitbeschäftigung! Obwohl dem sogenannten Schwedenrätsel an diesem Wahlsonntag eine neue Bedeutung zuwächst.

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