Bremen Kurdenprotest gegen türkische Regierung

Rund 450 Menschen haben am Montag in Bremen gegen das Vorgehen der türkischen Armee demonstriert und ein Ende der Angriffe auf Stellungen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Irak verlangt.
03.08.2015, 15:52
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Kurdenprotest gegen türkische Regierung
Von Jan Raudszus

„Freiheit für Rojava“, rufen die Demonstranten, während sie langsam den Dobben entlangziehen. Rojava nennen sie die kurdischen Gebiete in Syrien. Muskulöse Männer mit Sonnenbrillen, Mütter mit Kindern, ältere Damen und Herren mit Gehstöcken – rund 450 Kurden demonstrieren gegen das Vorgehen der türkischen Armee, verlangen ein Ende der Angriffe auf Stellungen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Irak.

Die Demonstranten schwenken kurdische Flaggen und tragen Plakate, auf denen sie humanitäre Hilfe für Opfer des Islamischen Staats fordern. Ihre Sympathie für die, auch in Deutschland als Terrororganisation verbotene, PKK verbergen sie nicht.

Der Konflikt zwischen der PKK und der türkischen Regierung ist in den vergangenen Wochen wieder massiv aufgeflammt. Die türkische Armee bombardiert Stellungen der PKK im Nordirak, und die PKK greift Sicherheitskräfte im Südosten der Türkei an. Noch vor einigen Wochen sah es aus, als könnte ein Friedensprozess den jahrzehntealten Konflikt lösen – davon ist wenig übrig.

„Shingal ist nicht alleine. Wir alle sind Shingal“

Diese aktuellen Ereignisse beeinflussen auch die Demonstration in Bremen, aber eigentlich war der Anlass ein anderer: Vor einem Jahr drangen Kämpfer des Islamischen Staats in die jesidische Stadt Shingal ein – die Jesiden sind eine überwiegend kurdische, religiöse Minderheit in Syrien. Viele Menschen wurden getötet, Frauen vergewaltigt und verschleppt; die Demon-stranten sprechen von einem Völkermord. Auf ihren Transparenten steht deshalb auch „Shingal ist nicht alleine. Wir alle sind Shingal“. Trennen lässt sich das für sie nicht vom Krieg zwischen der Türkei und der PKK. Ein Konflikt, der auch in Bremen Anlass für Auseinandersetzungen sein könnte.

Trotzdem erwartete Polizeieinsatzführer Gerd Eweg vor der Demonstration keine Probleme, zumindest nicht von den Teilnehmern: „Der veranstaltende Verein Birati demonstriert ein paar Mal pro Jahr. Man kennt sich inzwischen ganz gut.“ Nur wenn die Demonstranten provoziert würden, könne es Konflikte geben. Birati ist laut Landesamt für Verfassungsschutz „das regionale Ausführungsorgan der PKK“. Der Demonstrationszug hatte sich vom Ziegenmarkt aus in Bewegung gesetzt. Über den Dobben und den Breitenweg geht es bis in die Bürgermeister-Smidt-Straße, wo der Zug in die Obernstraße einbiegt. Die Demonstration endet mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz.

Vor dem Haus schmilzt der Demonstrationszug auf vielleicht 100 Menschen zusammen. Während der Abschlusskundgebung unterstreichen die Sprecher die Forderungen der Veranstalter. Dazu gehören ein Ende der militärischen Unterstützung der türkischen Regierung durch Deutschland und ein Ende der Militäroperationen der Türkei gegen die PKK. Auch das Verbot der Organisation in Deutschland wird kritisiert.

Zu den Sprechern gehört der Bundestagabgeordnete der Linken aus Osterholz-Scharmbeck, Herbert Behrens, der zusammen mit seiner Bremer Kollegin Birgit Menz an dem Protest teilnahm. Auch Behrens fordert ein Ende der deutschen Unterstützung für die Türkei.

Die Demonstration bleibt bis zum Ende friedlich. Einige Demonstranten hätten Flaggen mit einem Bild von PKK-Führer Abdullah Öcalan gezeigt sowie Parolen gerufen und damit die Auflagen verletzt, sagt Polizeieinsatzführer Eweg. Doch der Veranstalter habe das schnell unterbunden. Gegen 19.30 Uhr endet die Kundgebung.

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