Senatorin weist Vorwürfe zurück Linnert: Niemand hat eine Schuld

Die Bremer Landesbank leidet unter faulen Schiffskrediten und steht deshalb kurz vor Übernahme – die Schuld will die Aufsichtsratsvorsitzende Linnert weder sich selbst noch anderen in der Bank zuschreiben.
16.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Bremer Landesbank leidet unter faulen Schiffskrediten und steht deshalb kurz vor Übernahme – die Schuld will die Aufsichtsratsvorsitzende Linnert weder sich selbst noch anderen in der Bank zuschreiben.

Die Bremer Landesbank (BLB) leidet unter faulen Schiffskrediten und steht deshalb kurz vor der Übernahme – die Schuld daran will die Aufsichtsratsvorsitzende Karoline Linnert (Grüne) weder sich selbst noch anderen in der Bank zuschreiben. „In dieser Situation zwanghaft nach Schuldigen zu suchen, hilft nicht“, sagte Linnert im Interview mit dem WESER-KURIER. Aus jetziger Sicht sei es sicher falsch gewesen, mit den Schiffsfinanzierungen ein so hohes Risiko aufzubauen. „Das konnte damals aber niemand ahnen.“ Linnert will in den Verhandlungen mit Niedersachsen auf ein möglichst hohes Maß an Eigenständigkeit der BLB unter dem Dach der NordLB in Hannover drängen. Es könnte aber auch zu einem Verkauf der Anteile kommen. Dann wäre Bremen ganz draußen.

Keine Kritik am Vorstand

„Man macht es sich sehr leicht, mit dem heutigen Wissen zu urteilen“, sagte Linnert, die am Dienstag von CDU, FDP und Linken zum Rücktritt aufgefordert worden war. Die Geschäfte mit den Schiffen seien bei der BLB lange Zeit gut gelaufen. „Es gab deshalb keinen Korrekturbedarf, das haben alle in den zuständigen Gremien genauso gesehen.“ Eine Sicht, die von der Opposition im Bremer Parlament nicht geteilt wird. Für diesen Donnerstag hat die CDU-Fraktion eine Aktuelle Stunde betragt. Das Thema: „Millionenverluste bei der Landesbank – Finanzsenatorin muss Verantwortung übernehmen.“

Kritik am Vorstand übt Linnert nicht. „Er handelt ja nicht allein“, sagte die Finanzsenatorin. Auch die NordLB, Mehrheitseigentümerin der BLB, stellt sich im Kern hinter das Führungspersonal, allerdings mit einer Einschränkung: „Vielleicht war der Vorstand etwas zu optimistisch“, sagte der NordLB-Aufsichtsratsvorsitzende Peter-Jürgen Schneider in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Schiffsfinanzierungen sollen Schuld sein

Schneider betonte noch einmal, dass die BLB vollständig unter das Dach der NordLB müsse. In welcher Form, müsse die Bremer Politik entscheiden. „Bringen die Bremer ihren Anteil in Höhe von 41 Prozent in die NordLB ein, dürften sie mit sechs bis sieben Prozent am Konzern beteiligt sein“, so der Aufsichtsratschef. Sollten sie verkaufen wollen, dürfte sich der Preis im mittleren dreistelligen Millionenbereich bewegen. So oder so werde bei der BLB Personal abgebaut. Als Größenordnung nannte Schneider zehn Prozent. Die BLB hat rund 1000 Angestellte, 700 in Bremen und 300 in Oldenburg.

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Wer Schuld an der dramatischen Schieflage der BLB hat, dafür hat zumindest einer eine Erklärung: Stephan-Andreas Kaulvers, der seit 2006 Chef der Bremer Landesbank ist.„Im Nachhinein betrachtet haben wir in den Jahren 2003 bis 2006 zu viel Schiffsfinanzierung gemacht“, hatte er vor zwei Wochen im Interview mit dem WESER-KURIER gesagt.

Irrtümliche Einschätzung

Wie wenig die Experten zu Beginn der Schifffahrtskrise auch nur im Ansatz ahnten, was auf die Branche zukommen wird, zeigt sich im Geschäftsbericht der BLB für das Jahr 2008. Dort heißt es unter anderem: Aufgrund der Finanzmarktkrise und reduzierter Handelsströme sind die Charterraten im zweiten Halbjahr in einzelnen Schiffssegmenten deutlich gesunken. Für den zyklischen Abschwung in der Schifffahrt – ausgehend von einem historisch hohen Niveau – sieht sich das Geschäftsfeld mit den nachhaltigen Finanzierungsstrukturen als ordentlich vorbereitet an. Das Segment geht mittelfristig von einer Markterholung im Schiffsfinanzierungsgeschäft aus.

Diese Einschätzung war ein Irrtum, wie sich jetzt zeigt: Die Schifffahrtskrise hält immer noch an, und die BLB kann sich nur noch mit Hilfe des Mutterkonzerns NordLB retten. Das Ziel der NordLB ist klar: Sie will sich die BLB komplett einverleiben – als hundertprozentige Tochter. Knapp 55 Prozent hält sie bereits, den Rest will sie entweder durch Kauf oder Übertragung der Bremer BLB-Anteile von derzeit 41 Prozent dazu holen. Die Hansestadt würde dadurch ihren Einfluss auf die BLB vollständig oder ganz überwiegend verlieren – und damit auch auf die Unternehmen, an denen die BLB in Bremen beteiligt ist. Die Bremer Ängste davor halten sie bei der NordLB aber für unbegründet. „Die Beteiligungsverhältnisse haben sich doch immer wieder gewandelt“, betont ein Banker in Hannover. „Die BLB gehört seit langem zu uns.“

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