Geburtshilfe unter Druck Mehr Hebammen für Gröpelingen

Gröpelingen bekommt 2019 ein Hebammenzentrum, das hat die Bürgerschaft beschlossen. Abgeordnete forderten, mehr Druck auf Niedersachsen auszuüben. Jede dritte Schwangere, die in Bremen entbinde, komme von dort.
27.02.2019, 19:32
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Hebammen für Gröpelingen
Von Sabine Doll

In Gröpelingen soll noch in diesem Jahr ein Hebammenzentrum eröffnen. Das hat am Mittwoch die Bürgerschaft einstimmig beschlossen. Die Fraktion der Linken hatte dies in einem Dringlichkeitsantrag gefordert. Vor allem in sogenannten sozial benachteiligten Quartieren finden Schwangere deutlich häufiger keine Hebamme, wie eine Studie der Universität Bremen zeigt.

In dem Zentrum sollen mehrere Hebammen im Team arbeiten und dadurch mehr Familien vor und nach der Geburt betreuen können. Im Juni hatte die Deputation für Gesundheit auf Basis eines CDU-Antrags ein Paket beschlossen, das eine bessere Versorgung mit Hebammen vorsieht – ein Bestandteil des Konzepts sind die Hebammenzentren in Stadtteilen mit besonders großem Bedarf.

Immer größerer Engpass

„Wir steuern sowohl in der stationären Geburtshilfe als auch in der ambulanten Versorgung durch Hebammenleistungen auf einen immer größeren Engpass zu. Stadtteile wie Gröpelingen, die bereits heute hinterher hängen, benötigen dringend ein solches niedrigschwelliges Angebot für die Beratung und Versorgung von Schwangeren und Wöchnerinnen“, betonte die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Claudia Bernhard.

Für den Aufbau des Zentrums im Bremer Westen wird eine Stelle für die Projektleitung aus Landesmitteln finanziert. Außerdem soll Bremerhaven bei der Einrichtung eines Hebammenzentrums unterstützt werden. Das Hebammen-Paket umfasst neben den geplanten Zentren auch ein mehrsprachiges Online-Portal zur Vermittlung von Hebammen, das bereits scharf geschaltet ist (www.hebammensuche-bremen.de) sowie eine Telefonsprechstunde.

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„Das ist alles richtig und wichtig, bringt aber wenig, wenn es nicht ausreichend Hebammen gibt“, betonte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Magnus Buhlert. In Bremen geht laut der Uni-Studie in den nächsten zehn bis 15 Jahren rund die Hälfte der Hebammen in Ruhestand, unter anderem durch die hohen Versicherungsprämien haben sich die Bedingungen für freiberufliche Hebammen zunehmend verschlechtert.

Auch in den Kreißsälen der Geburtskliniken herrscht Notstand: Fast 20 Stellen sind seit Monaten unbesetzt, Kliniken limitieren die Geburtsanmeldungen, das St.-Joseph-Stift musste seinen Kreißsaal in der vergangenen Woche einen Tag schließen. Bundesweit herrscht Hebammenmangel. Bremen stehe zusätzlich unter Druck, jede dritte Schwangere, die in der Hansestadt entbinde, komme bereits aus Niedersachsen, betonte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Nima Pirooznia: „Es muss Gespräche mit Niedersachsen geben.“

Druck nimmt weiter zu

Viele kleinere Geburtskliniken im Umland seien geschlossen worden, das fange Bremen auf. Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, forderte Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) auf: „Es muss endlich eine gemeinsame Landeskrankenhausplanung geben, insbesondere in der Geburtshilfe.“ Auch die FDP sprach sich für mehr Druck aus: „Niedersachsen tut, was es will“, sagte Buhlert.

Die Vorsitzende des Hebammenlandesverbands, Heike Schiffling, geht davon aus, dass der Druck auf die Bremer Geburtskliniken weiter zunimmt: „Das Ende ist noch nicht erreicht, mit weiteren Klinikschließungen ist zu rechnen. Wir brauchen eine Koordination mit Niedersachsen, ansonsten kann Bremen auf diese Entwicklung immer nur reagieren.“ Wie die Linken forderte auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Steffi Dehne, bei den Arbeitsbedingungen der Hebammen anzusetzen, um den Beruf attraktiver zu machen: „Dafür muss noch einiges getan werden.“

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Senatorin Quante-Brandt sieht vor allem auch Kostenträger wie die Krankenkassen in der Pflicht: „Für eine Geburt muss es mehr Geld geben, um Angebote, die wir brauchen, verwirklichen zu können.“ Dazu gehöre etwa die Eins-zu-Eins-Betreuung von Schwangeren durch Hebammen. Mit dem Studiengang Hebammenwissenschaft ab 2020 würden künftig pro Jahr 20 Hebammen ausgebildet. „Das ist eine Verdreifachung der Kapazitäten“, betonte die Senatorin.

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