Service für Schwangere

Bremerinnen können online nach Hebammen suchen

Spätestens im Februar soll die Internetadresse freigeschaltet sein: Dann können Schwangere gezielt nach Hebammen mit freien Kapazitäten in ihrem Stadtteil suchen. Das kündigt die Gesundheitsbehörde an.
06.01.2019, 19:24
Lesedauer: 3 Min
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Bremerinnen können online nach Hebammen suchen
Von Sabine Doll
Bremerinnen können online nach Hebammen suchen

Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys ab. Für viele Schwangere ist es aber schwierig, eine Hebamme zu finden.

Uli Deck /dpa

Frauen, die auf der Suche nach einer Hebamme sind, müssen demnächst nicht mehr möglichst viele Telefonnummern abklappern und Nachrichten auf Anrufbeantwortern hinterlassen – in der Hoffnung, dass eine der Hebammen noch freie Kapazitäten hat. Spätestens im Februar sollen dafür ein paar Klicks im Internet reichen.

Spätestens dann soll die neue Internetseite www.hebammensuchebremenbremerhaven.de scharf geschaltet sein, wie Christina Selzer, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) dem WESER-KURIER bestätigt. „Hintergrund ist, dass viele Frauen vergebens eine Hebamme gesucht und viele Absagen am Telefon bekommen haben“, so die Sprecherin.

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Im Mai hatte die Bürgerschaft ein „Hebammen-Paket“ beschlossen, das die Versorgung von Schwangeren rund um die Geburt verbessern soll. Es basiert auf einem Antrag der CDU-Fraktion vom November 2017. Als erster Teil aus diesem Konzept geht nun die Online-Plattform zur Hebammensuche an den Start.

Chaos bei der Suche soll geordnet werden

Die Vorsitzende des Hebammenlandesverbands, Heike Schiffling, ist optimistisch, dass das Angebot bei Schwangeren gut ankommt. „Das ordnet ein wenig das Chaos bei der Suche und bringt den Frauen sicher Erleichterung“, sagt sie. Den großen Vorteil des Portals sieht Schiffling vor allem darin, dass Schwangere gezielt nach Hebammen in ihren Stadtteilen und konkreten Zeiträumen suchen können und die Ergebnisse gleich geliefert bekommen.

„Man gibt beispielsweise die Postleitzahl und den Entbindungstermin ein, in der Ergebnisliste erscheinen dann die Einträge von Hebammen, die in diesem Postleitzahlenbereich rund um das angegebene Datum Kapazitäten haben.“ Als nächstes könne die jeweilige Hebamme angeklickt werden, auf einer Profilseite seien zusätzliche Informationen angegeben.

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Schiffling: „Das liegt bei den Hebammen selbst, was sie dort eintragen. Neben der Postanschrift, Mailadresse und Telefonnummer können das auch Angaben zu Sprachen sein.“ Zusätzlich zu dem Suchprofil sollen auch Kurse, die von Hebammen gegeben werden – etwa zur Rückbildungsgymnastik nach der Geburt – in dem Portal aufgelistet werden. Rund 160 freiberufliche Hebammen gebe es in Bremen, nicht alle arbeiten in Vollzeit.

Die Teilnahme an dem Angebot sei freiwillig. Laut Behördensprecherin Selzer soll parallel zu der Online-Suche außerdem eine Hebammensprechstunde für Frauen, die noch keine Hebamme gefunden haben, angeboten werden.

Einrichtung von quartiersnahen Hebammenzentren

Weiterer Teil des Pakets, das die Bürgerschaft beschlossen hat, sind sogenannte „Quartiersnahe Hebammenzentren“. „Die Zentren können in den Stadtteilen gezielt Angebote machen. Dort arbeiten Hebammen im Team und betreuen dadurch mehr Familien. Die Frauen und ihre Familien werden im Stadtteil direkt angesprochen, dabei können die Angebote passgenau für Zielgruppen wie Migrantinnen, Alleinerziehende oder Teenager-Mütter entwickelt werden“, beschrieb die Senatorin das Konzept im Juni im WESER-KURIER.

Ziel der Zentren sei auch eine bessere Vernetzung mit anderen Angeboten im Quartier wie Familienbildungsstätten, gynäkologischen Praxen, Selbsthilfegruppen oder Sozialzentren.

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Das erste Zentrum soll aller Voraussicht nach in Gröpelingen eröffnen. Dafür sind laut Behördensprecherin Selzer erste Schritte umgesetzt: Ein Workshop sei eingerichtet, nähere Planungen sollen folgen. „Selzer: „Die Universität Bremen unterstützt das Vorhaben außerdem mit einem Forschungsprojekt.“

Immer mehr Hebammen geben ihren Beruf auf

Die Versorgung mit Hebammen ist in den vergangenen Jahren immer lückenhafter geworden – das ist eine bundesweite Entwicklung. Angesichts steigender Haftpflichtprämien geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf. Mit der Folge, dass Frauen Schwierigkeiten haben, eine Betreuung vor und nach der Geburt zu finden. Vor allem in sozial benachteiligten Stadtteilen das ein Problem.

Das bestätigt auch eine Studie der Universität Bremen: „In den meisten innenstadtnahen Bezirken, großen Teilen der Neustadt sowie Obervieland und Horn-Lehe stellt sich die Versorgung deutlich besser dar, als im Osten, dem Norden, Walle, Gröpelingen und Huchting“, heißt es darin. 27 Prozent der Hebammen gaben an, fast täglich Anfragen ablehnen zu müssen. Sie nannten Versorgungsengpässe in Gröpelingen und insgesamt eine schlechtere Versorgungslage für Frauen mit Migrationshintergrund, weil es zu wenige Hebammen mit Fremdsprachenkenntnissen gebe.

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