Objekte im öffentlichen Raum Neue Kunst hat Seltenheitswert in Bremen-Nord

Kunst im öffentlichen Raum hat das Potenzial, das Gesicht eines Stadtteils zu prägen. In Blumenthal. Vegesack und Burglesum werden indes immer seltener neue Objekte installiert.
24.04.2015, 00:00
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Neue Kunst hat Seltenheitswert in Bremen-Nord
Von Jörn Hüttmann

Abstrakte Formen, Gedenksteine, bunte Bilder – im öffentlichen Raum gibt es viele Kunstwerke. Auch wenn man sie nicht immer auf den ersten Blick erkennt, prägen sie doch das Bild ihrer Stadtteile. In der Nachkriegszeit kamen in Bremen-Nord jedes Jahr neue hinzu – aber das ist selten geworden.

Ein Wegweiser – auf den ersten Blick scheint klar, was da in der Grünanlage am Anfang der Gerhard-Rohlfs-Straße steht. Nur zeigt er nirgendwo hin. Und erst der zweite Blick offenbart: Es ist Kunst im öffentlichen Raum. Ein Denkmal für den Afrikaforscher, nach dem die Haupteinkaufsstraße Vegesacks benannt ist. Die viereinhalb Meter hohe Bronzesäule des Bremer Bildhauers Paul Halbhuber erinnert an den 1831 in Vegesack geborenen Rohlfs und zeigt sechs Stationen seines Lebens in Reliefs.

Es ist eines von circa 140 öffentlichen Kunstwerken, die in Bremen-Nord registriert sind. Mit rund 70 verfügt Vegesack über die meisten, gefolgt von Lesum mit knapp 50 und Blumenthal mit gut 20 Ausstellungsstücken. Das geht aus einer Datenbank der Kulturbehörde hervor, die unter www.kunst-im-oeffentlichen-raum-bremen.de einsehbar ist. Einige waren nur temporär und sind mittlerweile abgebaut. Etwa die zwölf Werke des Projektes „Strandgut“, die von Mai bis September 1992 an der Weserpromenade zu sehen waren. Aber die meisten stehen immer noch auf den Straßen und Plätzen Bremen-Nords.

In Blumenthal ist „Sir Charles“ eines der bekanntesten Kunststücke. Der steinerne Schafbock, der an die Ära der Bremer Woll-Kämmerei erinnert, steht derzeit noch am Bahnhof Blumenthal. „Der muss da aber weg, weil der Busbahnhof umgebaut wird“, sagt der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowak. Die Baubehörde will den Verkehrsknoten benutzerfreundlicher gestalten. Dafür sollen die Bussteige näher an den Bahnhof rücken und eine Straße verlegt werden. In diesem Zuge wird auch für den Steinwidder ein neuer Platz gesucht. „Da gibt es auch schon einige Interessenten.“ Im Gespräch seien das Gelände der Bremer Woll-Kämmerei und Wätjens Park. „Aber das hat noch Zeit“, sagt Nowak.

Im Vergleich zu den Nachkriegsjahren ist es um Kunst im öffentlichen Raum heute deutlich ruhiger geworden. So entstanden in den 50er- und 60er-Jahren eine Reihen von Werken auf öffentlichen Plätzen und Schulhöfen, etwa „Der Flötenspieler“ auf dem Gelände der Schule an der Kerschensteinerstraße oder der Beton-Brunnen des Schulverbunds Lesum. Und noch einige Jahre danach kamen in allen drei Ortsteilen fast jährlich neue Kunstwerke hinzu, teilweise auch mehrere in einem Jahr.

In diese besseren Zeiten fiel auch die Entstehung des Reliefs „Regatta“ von Heinz Lilienthal am Lesumer Sperrwerk. 1973 wurde das 20 mal viereinhalb Meter große Kunstwerk eingeweiht. Es zeigt abstrakte Formen, die an Segel, aufsteigende Luftblasen und vorbeiziehende Fischschwärme erinnern.

Doch wie entsteht neue Kunst auf Bremen-Nords Straßen? Dafür ist die Abteilung Bildende Kunst und Künstlerförderung im Kulturressort zuständig. Die Experten sollen auf Grundlage der Ideen von Künstlern, Beiräten und privaten Initiativen arbeiten. Nach erster Prüfung werden die Projekte dem Landesbeirat für Kunst im öffentlichen Raum vorgelegt.

Das Gremium berät die Behörde bei allen neuen Projekten und legt für jedes ein maßgeschneidertes Bewertungsverfahren fest, bei dem meist Fachjurys aus Experten, Beiratsvertretern und Nutzern eingesetzt werden. Zusammen mit den Stellungnahmen der Beiräte, liefern sie schließlich die Grundlage für die endgültige Entscheidung, die bei der Kulturbehörde liegt.

Allerdings stehen für neue Kunstprojekte nur begrenzte Mittel zur Verfügung. In den wirtschaftlich starken 70er-Jahren sei die Finanzierung noch direkt über die Kulturbehörde gelaufen, teilt Sprecherin Alexandra Albrecht mit. In der Wirtschaftsflaute der 80er-Jahre wurden die Mittel gekürzt und die Zuständigkeit an die Stiftung Wohnliche Stadt übergeben, die sich aus Steuergeldern und aus den Einnahmen der Bremer Spielbank finanziert.

Die Stiftung Wohnliche Stadt verfügt laut Alexandra Albrecht für die Förderung von öffentlicher Kunst im Doppelhaushalt 2014/2015 insgesamt über 63.000 Euro. Mit der gleichen Summe werde die Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Bremen unterstützt. Hinzukommen noch einmal 30.000 Euro aus den Kassen der Kulturbehörde. Die Beiräte haben selber keine festen Kulturfördertöpfe. Sie können lediglich die Globalmittel selber verteilen, die in allen drei Nordbremer Beiräten schon für die Förderung sonstiger Projekte und Vereine knapp bemessen sind.

„Es ist deutlich zu erkennen, dass die Zahl der neuen Kunstwerke rückläufig ist“, sagt Florian Boehlke, Ortsamtsleiter aus Lesum. In Blumenthal wurde sogar schon 1992 an der Landrat-Christians-Straße das letzte Kunstwerk aufgestellt – eine Sandsteinskulptur von Rainer Höding. In Lesum ist die bronzene Gräfin Emma auf dem Marktplatz das jüngste Objekt. Für das Denkmal hatten Beirat, Stiftung Wohnliche Stadt, Vereine und private Spender etwa 43.000 Euro gesammelt.

Die Lesumer Wohltäterin soll der Legende nach, 1032 der Stadt Bremen so viel Land geschenkt haben, wie ein Krüppel von Sonnenaufgang bis -untergang umrunden konnte. So erzählt es die märchenhafte Sage zur Entstehung des heutigen Bürgerparks. In Vegesack wurde zuletzt 2009 das Mahnmal für die am 10. November 1938 von den Nazis zerstörte Aumunder Synagoge eingeweiht.

In Lesum sind aktuell keine weiteren Kunstobjekte in Planung, sagt Florian Boehlke. Zwar sei Kunst im öffentlichen Raum eine Möglichkeit, Identifikationspunkte für die Stadtteile zu setzen. „Aber heute sagt man eher: ,Die beschränkten Gelder, die man hat, fließen in pragmatischere Projekte. Etwas was dem Stadtteil direkt nützt.‘“ In Blumenthal werden hingegen auch aktuell Kunstprojekte diskutiert. Das BWK-Gelände sei ein geeigneter Ort für neue Werke, sagt Ortsamtsleiter Peter Nowak. Auch für die Finanzierung hat man neue Ideen: „Es wird über die Einführung eines Kulturgroschens für die Unternehmen auf dem BWK-Gelände diskutiert“, sagt Peter Nowak. „Aber das ist bisher nur eine Idee.“

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