Informatik-Studenten

Bremer Katastrophen-Frühwarnsystem geht in Laos an den Start

Eine Gruppe Bremer Informatik-Studenten hat ein Katastrophen-Frühwanrsystem entwickelt, das nun in Laos an den Start geht. Es basiert auf der Smartphone-App mobile4D und einer dazugehörigen Internetseite.
22.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Alexandra Knief
Bremer Katastrophen-Frühwarnsystem geht in Laos an den Start

Mehr als 20 Studenten haben an der Katastrophenwarn-App gearbeitet.

JOERG SARBACH

Krankheiten von Mensch und Tier, Brände und große Fluten – für die Menschen im südostasiatischen Laos ist die Angst um ihre Ernten, ihre Wohnungen und ihre ganze Existenz ein ständiger Begleiter. Vor allem, weil vorhandene Kommunikationswege es den Behörden vor Ort in den meisten Fällen nicht möglich machen, die Bevölkerung bei drohenden Katastrophen rechtzeitig zu warnen.

Vor etwa zweieinhalb Jahren krempelte eine Gruppe Bremer Informatikstudenten die Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit, um dies zu ändern. Mit Hilfe der Smartphone-App mobile4D und einer dazugehörigen Internetseite wollte das junge Team gemeinsam mit ihren Projektleitern Lutz Frommberger und Falko Schmid dafür sorgen, dass die Menschen in Laos frühzeitig gewarnt werden können.

„Ich war 2012 während eines Projekts in Laos, in dem es um eine Informationsplattform für die Landwirtschaft ging“, erinnert sich Frommberger. „Als darüber diskutiert wurde, wie man diese Plattform erweitern könnte, kam von den Nutzern der Wunsch, dass man ein System zur Katastrophenwarnung entwickelt. Das haben wir dann gemacht.“

Circa zwei Jahre lang arbeiteten mehr als 20 Studenten an dem Frühwarnsystem, flogen mit einer kleinen Gruppe nach Laos, um ihr System einem ersten Feldtest zu unterziehen. Außerdem lud das Bremer Team Mitarbeiter des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft in Laos nach Deutschland ein, um sich auszutauschen und die Anwendung besser an die Bedürfnisse des Landes anpassen zu können. Entstanden ist eine App, mit der Behörden in Laos Warnungen an die Smartphones der Bevölkerung senden. Genauso können die Nutzer Krankheiten, Brände, Fluten und Ähnliches melden und diese sogar über Facebook oder Twitter mit Menschen teilen, die die mobile4D-App nicht nutzen.

Vergangenen Monat konnten erste Pilotversionen in den Provinzen Attapeu, Salavan und Sekong im Süden von Laos installiert werden. Rund drei Wochen war ein Team aus Bremen vor Ort. „Wir haben Schulungen mit Ministeriumsvertretern, den Provinzverwaltungen und weiteren Partnern durchgeführt, damit die Menschen vor Ort auch mit der Anwendung umgehen können“, sagt Schmid. „Obwohl es auf fast jedem Reisfeld eine Internetverbindung gibt und auch Smartphones sehr verbreitet sind, hatten viele unserer Teilnehmer aus den ländlichen Gebieten vorher noch nie eins in der Hand.“ Im Frühjahr will eines der Teammitglieder erneut nach Laos reisen, um zu überprüfen, wie die App genutzt wird und welche Veränderungen noch notwendig sind.

Aktuell steht das mobile4D-Team vor dem Problem der weiteren Finanzierung. Mehr als 30 000 Euro Reise- und Materialkosten, finanziert durch Projektmittel der Universität, das Bundesforschungsministerium und Spenden, wurden bisher in die Umsetzung gesteckt. „Um das Warnsystem in weiteren Teilen des Landes und über die Landesgrenzen hinweg, einzuführen, brauchen wir eine langfristige Finanzierung “, so Frommberger.

Ziel der Projektleiter ist es, weitere Schulungen durchzuführen. Es gäbe bereits Anfragen aus anderen Regionen und Nachbarländern, die Interesse an dem System hätten. „Dafür fehlen uns jedoch die finanziellen Mittel“, so Frommberger. „Aktuell suchen wir weitere Partner vor Ort, die das Projekt weiter voranbringen uns bei der Ausbreitung des Systems unterstützen.“

Das System kommerzialisieren will das Team fürs Erste nicht. „Uns ging es vor allem darum, ein nachhaltiges Studienprojekt zu schaffen, welches nicht nur Theorie bleibt, sondern auch umgesetzt wird“, so die Projektleiter. „Das haben wir geschafft und nun hoffen wir, dass in Zukunft noch mehr Menschen geholfen werden kann.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+