Bremer Banken Bremer Kreditbank schluckt Neelmeyer

Die Bremer Kreditbank (BKB) übernimmt das Bankhaus Neelmeyer. Das gaben die beiden Institute am Dienstag bekannt. Zu den Kaufdetails haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.
15.03.2016, 19:15
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Bremer Kreditbank schluckt Neelmeyer
Von Maren Beneke

Die Bremer Kreditbank (BKB) übernimmt das Bankhaus Neelmeyer. Das gaben die beiden Institute am Dienstag bekannt. Zu den Kaufdetails haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Nicht länger als zwei Minuten dauert der Fußweg von der Bremer Kreditbank (BKB) an der Wachtstraße bis zum Bankhaus Neelmeyer am Markt. In Zukunft werden die beiden Institute noch näher zusammenrücken: Wie die Banken nun mitteilten, übernimmt die BKB das Bankhaus Neelmeyer. Zu den Kaufdetails haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Der Vorstandsvorsitzende der BKB-Bank Axel Bartsch spricht von einer „guten bremischen Lösung“. Keiner der Banken gehe es schlecht. „Beide agieren aus einer Position der Stärke heraus.“ Die Identität beider Institute soll laut Bartsch auch nach dem Zusammenschluss erhalten bleiben. Während das Bankhaus Neelmeyer vorrangig vermögende Privatkunden betreut, liegt der Schwerpunkt der BKB im Bereich mittelständischer Firmenkunden. „Mit diesem Schritt stärken wir unsere Zukunftssicherheit“, sagt Neelmeyer-Vorstandssprecher Frank Schlaberg.

Seit Wochen war die Übernahme Tuschelthema in der Stadt, verhandelt wurde – wie in der Branche üblich – hinter verschlossenen Türen. So sind die Informationen nach wie vor spärlich, offen ist etwa, ob es einen gemeinsamen Namen gibt oder wo der künftige Hauptsitz ist.

„Wir haben auf Augenhöhe miteinander gesprochen“, sagt Bartsch. Durch den Zusammenschluss, so hoffen beide Seiten, können die Institute besser auf gesetzliche Anforderungen reagieren und effizienter im Bereich Backoffice zusammenarbeiten. Dass dies mit einem Stellenabbau einhergeht, gilt als wahrscheinlich. Offizielle Angaben machten die Banken dazu bislang aber nicht. „Dass es für Banken aktuell nicht ganz einfach ist, Geschäfte zu machen, ist kein Geheimnis“, sagt Bartsch. Neben der Niedrigzinsphase machen die Regulatorik durch die Bankenaufsicht und die Konjunktur allen Instituten zu schaffen.

Mit BKB und Neelmeyer tun sich zwei Geldhäuser zusammen, die in Bremen auf eine lange, wechselhafte Historie zurückblicken können. Das Bankhaus Neelmeyer hat seine Ursprünge im Maklergeschäft von Peter Franz Neelmeyer. 1907 legte dieser den Grundstein für das Bankhaus, das Institut zog an den Markt. Nach den Aufbauarbeiten infolge des Zweiten Weltkriegs stieg der Gewinn von Neelmeyer sprunghaft an, gestoppt wurde dieser Trend erst mit der Pleite des Autobauers Borgward. Seit 1964 ist das Bankhaus Neelmeyer eine Aktiengesellschaft, zuletzt gehörte das Institut zur Münchner Unicredit Bank, die wiederum eine Tochter der italienischen Unicredit ist.

Die BKB ist sogar noch ein bisschen älter als das Bankhaus Neelmeyer: Sechs Bremer Kaufleute gründeten 1863 einen sogenannten Vorschussverein, der sechs Jahre später mehr als 350 Mitglieder und laut Eintrag im Handelsregister den Betrieb eines Bankgeschäfts zum Zweck hatte. Seit 1885 ist die heutige BKB eine Aktiengesellschaft. Bremer Gewerbebank, Bank für Handel und Gewerbe, Bankverein für Nordwestdeutschland – in den darauffolgenden Jahren firmierte das Geldhaus unter vielen verschiedenen Namen. Zunächst war das Institut in der Langenstraße beheimatet, 1977 zog die BKB schließlich in ihr heutiges Gebäude an der Wachtstraße. Auch die Bremer Kreditbank ist längst nicht mehr in bremischer Hand: 1982 wurde sie von der belgischen Kreditbank übernommen, später entstand die KBC-Allfinanzholding mit der Bremer Tochter KBC Bank Deutschland. Den letzten Eigentümerwechsel gab es vor zwei Jahren: Damals übernahmen drei Investorengruppen aus den USA und Großbritannien das Institut.

Kenner der Bremer Bankenszene betrachten diese Ausgangssituation für den Neelmeyer-Kauf mit Sorge. Denn Investmentfirmen interessiert meist nur eins: die Rendite. Der Margendruck auf die Mitarbeiter des neuen Geldhauses, so die Befürchtung, könnte weiter steigen.

"Druck wird sicherlich noch zunehmen"

„Der Druck im Markt ist schon da, aber er wird sicherlich noch zunehmen“, sagt Markus Westermann, bei der Gewerkschaft Verdi als Landesfachbereichsleiter für die Sparte Finanzdienstleistungen zuständig. Er kann der Übernahme aber auch etwas Gutes abgewinnen: „Natürlich hängt das Herz der Gesellschafter nicht am Standort Bremen“, sagt er. „Aber hier gehen zwei Institute mit jeweils guten Bilanzen zusammen – daraus wird eine solide Bank entstehen, die gute Chancen hat.“ Die unterschiedlichen Schwerpunkte – bei Neelmeyer auf vermögende Privatkunden mit Fokus auf Bremen und bei der internationaler aufgestellten Bremer Kreditbank auf das Firmenkundengeschäft – passten zusammen. Und würden die Ergebnisse weiter stimmen, würde das neue Institut von den Eigentümern wohl auch nicht infrage gestellt. Nach Verdi-Angaben sind bei Neelmeyer aktuell gut 260, bei der Bremer Kreditbank etwa 180 Menschen beschäftigt. „Wir gehen davon aus, dass alle Arbeitsplätze in Bremen erhalten bleiben“, sagt Westermann weiter.

Auch Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) steht dem Kauf zunächst positiv gegenüber: „Der erste Eindruck ist, dass sich die jeweiligen Stärken der beiden Bankhäuser ergänzen“, sagt er. Auf diese Weise könnten für die weitere geschäftliche Entwicklung und damit auch für den Bankenplatz Bremen gute Perspektiven entstehen. Noch ist die Übernahme nicht vollzogen: Die Bafin und die Europäische Zentralbank müssen dem Kauf noch zustimmen.

Privatbanken in Bremen

In den vergangenen Jahren hat sich die Bankenszene in Bremen stark gewandelt. Von den einst mehr als 30 Instituten ist nur noch ein Bruchteil übrig geblieben. Das gilt insbesondere für die Privatbanken: Allein in den vergangenen beiden Jahren haben sich die UBS und Credit Suisse aus der Hansestadt zurückgezogen. Mit der Bethmann Bank und dem Bankhaus Lampe gibt es zwei neue Spieler. Weiterhin am Markt sind die Berenberg Bank, das Bankhaus Plump, die OLB und die Nordfinanz Bank.

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