Sommerplan: erste Ausfälle

Ryanair streicht Flüge ab Bremen

Zu 49 Zielen starten Flugzeuge regelmäßig vom Bremer Flughafen aus. Das sieht der aktuelle Flugplan vor – allerdings mussten seit seiner offiziellen Vorstellung schon einige Ziele gestrichen werden.
17.05.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Dammann Stefan Lakeband

Zu 49 Zielen starten Flugzeuge regelmäßig vom Bremer Flughafen aus. Das sieht der aktuelle Flugplan vor – allerdings mussten seit seiner offiziellen Vorstellung schon einige Ziele gestrichen werden.

Und jetzt machen sich offenbar auch erste Konsequenzen daraus bemerkbar, dass Ryanair einen von drei in Bremen stationierten Fliegern abzieht. 15 Flugverbindungen verschwinden voraussichtlich.

Offiziell ist von der irischen Fluggesellschaft bisher keine Stellungnahme zu bekommen. Doch bereits im Februar hatte Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely gegenüber dem WESER-KURIER angekündigt, dass sich etwa 20 Piloten und das dazugehörigen Kabinenpersonal eine neue Basis für ihre Arbeit suchen müssten. Ryanair wolle sich stärker auf den neuen Standort Hamburg konzentrieren.

Was das für Bremen bedeuten würden, war lange Zeit unklar. Der Bremer Flughafen mutmaßte gar, das müsse gar keine Auswirkungen haben. Eine Sprecherin sagte damals: „Die Anzahl der hier stationierten Maschinen spiegelt nicht das Angebot von Ryanair in Bremen wider.“ Nun ist aber klar: Im neuen Winterflugplan von Ryanair sind beliebte Ziele ab Bremen auf einmal nicht mehr buchbar - ohne öffentliche Ankündigung. Während sich Mallorca, London oder Vilnius weiterhin buchen lassen, gibt es für Manchester, Girona, Madrid, Lissabon und Dublin keine Möglichkeiten mehr. Ende Oktober ist Schluss. Wie sollte es auch gehen mit einem Flugzeug weniger.

Bremen soll weiter Basis für Ryanair bleiben

Auch wenn bereits in der Vergangenheit die Zahl der in Bremen stationierten Flugzeuge geschwankt habe, glaubt der Flughafen nicht, dass Bremen weiter in Gefahr sei: „Mit Ryanair ist abgesprochen, dass die Hansestadt auch weiterhin ihre Basis bleibe.“ Ob von den nun nicht mehr buchbaren Zielen noch einige zu späterer Zeit im Plan nachgeliefert würden, sei völlig offen.

Während also diese Flüge nicht mehr zu buchen sind, haben andere Gäste Ärger mit Verbindungen, die sie nicht nur gebucht, sondern auch bezahlt haben. Diese Erfahrung musste Peter M. machen. Im Juni wollte er mit der Fluggesellschaft Express Airways von Bremen aus nach Jerez in Spanien fliegen – eine Strecke, die diesen Sommer neu hinzugekommen war. Anfang April hatte er den Flug gebucht, zwei Tickets für insgesamt 160 Euro. Die Buchung lief nicht direkt über die Airline, sondern über das Reisebüro Ibero Tours in Düsseldorf. „Die Mitarbeiter waren am Telefon äußert freundlich und haben die Buchung noch einmal bestätigt“, sagt M. Wenige Tage später habe er aber Post von Ibero Tours bekommen. Darin waren nicht etwa die Tickets, sondern eine Absage. Der Flug von M. nach Jerez wurde gestrichen.

Damit ist der Bremer nicht alleine. Mittlerweile sind alle Flüge von Express Airways ab dem City Airport annulliert, neben Jerez de la Frontera waren das die Ziele Mallorca sowie Pula und Split in Kroatien. Auch Nachfrage bei Ibero Tours heißt es dazu: „Die Auslastung war zu gering.“

Letztlich abhängig von der Fluggesellschaft

Die Flüge von Express Airways sind aber nicht die einzigen, die vom Sommerflugplan verschwunden sind. Auch die Verbindung der niederländischen Fluggesellschaft AIS nach Zürich wurde nach etwa zwei Jahren eingestellt, ebenso die Strecke Bremen-Nürnberg der französischen Gesellschaft Twin Jet. Sie wurde schon nach wenigen Monaten wieder vom Flugplan genommen.

Lesen Sie auch

Für Flughäfen wie den Bremer Airport ist das ärgerlich: Sie werben zwar mit jeder neuen Verbindung, sind letztendlich aber abhängig von der Fluggesellschaft. „Wir stellen nur die Infrastruktur bereit“, sagt Andrea Hartmann, Sprecherin des Flughafens. „Ob die Airline tatsächlich fliegt, ist ihre Entscheidung.“ Auch Isabelle Polders vom Flughafenverband ADV bestätigt, dass Airports in solchen Fällen wenig machen können. „Flughäfen können keinen Einspruch einlegen“, sagt sie. Änderungen am Flugplan seien daher nichts Ungewöhnliches.

Dennoch ist der Flughafen mit dem aktuellen Sommerflugplan zufrieden. Mit 49 Zielen sind mehr Strecken im Angebot als noch ein Jahr zuvor. Allein Mallorca wird laut Flughafen derzeit bis zu 20 Mal pro Woche angeflogen – von den Airlines Ryanair und Germania. Auch sonst ist Spanien beliebt: Insgesamt werden dort zehn Flughäfen angesteuert.

„Zudem haben wir unser stärkstes Türkei-Programm“, sagt Hartmann. Bis zu 13 Mal in der Woche gehen Flüge nach Antalya, andere Ziele sind Istanbul, Izmir, Ankara, Adana und Alanya. Einen wichtigen Anteil daran hat die Fluggesellschaft Turkish Airlines, die ihr Angebot stetig ausgebaut hat. „In Bremen etwa haben sie klein begonnen mit vier Mal in der Woche. Dann täglich und dann auf unseren Rat hin nicht gleich verdoppelt, sondern einen Zwischenschritt eingelegt und zunächst zehn Mal die Woche Flüge angeboten“, sagte Flughafen-Chef Jürgen Bula dieser Zeitung im März. Seit Ostern fliegt die Airline täglich nun zwei Mal ans Drehkreuz nach Istanbul.

Zudem sprach Bula damals davon, dass noch weitere Fluggesellschaften und Verbindungen nach Bremen kommen sollen. Vor Kurzem ist etwa bekannt geworden, dass die Fluggesellschaft British Airways über den dänischen Franchisepartner Sun-Air of Scandinavia ihr Comeback in Bremen feiert. Nach 13 Jahren sollen dann wieder Flugzeuge mit dem rot-blauen Logo der Airline in der Hansestadt landen und abheben. Wohin, ist noch nicht bekannt. Die Ziele sollen im September veröffentlicht werden, sagt Hartmann. Zudem sei man mit weiteren Anbietern in Gespräch, mit denen man auf eine lange Zusammenarbeit hofft. Auch finanziell läuft es beim Flughafen Bremen derzeit. Zwar haben 2015 weniger Passagiere den Airport genutzt – mit einem Umsatz von fast 42 Millionen Euro lag der Gewinn aber immer noch bei einer Million Euro.

Peter M. wird in zwei Wochen auch noch in den Urlaub fahren. Nach der Absage seines Fluges hat er das Geld von Ibero Tours zurückbekommen. Er wird nun mit einer anderen Gesellschaft nach Spanien fliegen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+