Planänderung

Schock für die Lloyd-Werft

Es ist bitter: Der Lloyd-Eigner will seine großen Kreuzfahrtschiffe nicht etwa in Bremerhaven ausbauen, sondern in Mecklenburg-Vorpommern.
07.07.2016, 20:10
Lesedauer: 3 Min
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Schock für die Lloyd-Werft
Von Philipp Jaklin
Schock für die Lloyd-Werft

Blick auf die Lloyd-Werft in Bremerhaven. Hoffnungen, hier Flusskreuzfahrtschiffe zu bauen, haben sich zerschlagen.

INGO WAGNER, dpa

Es ist bitter: Der Lloyd-Eigner will seine großen Kreuzfahrtschiffe nicht etwa in Bremerhaven ausbauen, sondern in Mecklenburg-Vorpommern.

Noch vor wenigen Wochen waren sie alle in Feierlaune gewesen: Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner, Staatssekretär Uwe Beckmeyer, Oberbürgermeister Melf Grantz, die drei SPD-Politiker aus Bremerhaven, und auch Rüdiger Pallentin, Vorstand der Lloyd-Werft in der Seestadt. Anfang Mai war das in Wismar, wo der neue Lloyd-Eigner Genting aus Malaysia bei strahlendem Sonnenschein Verträge für insgesamt zehn Neubauten unterzeichnete, große Kreuzfahrtschiffe und Flusskreuzfahrtschiffe - ein Milliardenauftrag. Und den Bremerhavenern bei dieser Gelegenheit reichlich Hoffnung machte, davon einen ordentlichen Teil abzubekommen.

Seit Donnerstag herrscht bei ihnen nun Fassungslosigkeit, Wut, Verunsicherung. Lange Zeit war unklar, wie der Genting-Konzern die mehr als ehrgeizigen Neubaupläne zwischen seinem Standort an der Wesermündung und den drei ehemaligen Werften von Nordic Yards in Wismar, Rostock und Stralsund, die er dazukaufte, verteilen will. Nun haben Eigner und Geschäftsleitung entschieden, und für den Nordwesten ist es eine bittere Nachricht: Der Neubau der Kreuzfahrtschiffe soll ausschließlich in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden.

Eine neue Schiffbaugruppe namens „MV Werften“ mit Sitz in Wismar und den weiteren Standorten Rostock und Stralsund werde sich „auf bereits vorhandene und kommende Neubauprojekte spezialisieren“, teilte das Unternehmen mit. Die Lloyd-Werft in Bremerhaven dagegen werde sich „weiterhin auf ihr Kerngeschäft Reparatur und Umbau sowie den Bau von Megajachten“ konzentrieren. Die einzigen von Genting bislang geplanten Jachtneubauten - 180 Meter lange Polar-Expeditionschiffe der „Crystal Endeavor“-Klasse - sollen indes ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.

"Katastrophe für Bremerhaven"

„Das ist eine Katastrophe für Bremerhaven“, sagte Daniel Müller, Betriebsratschef der Lloyd-Werft in Bremerhaven. „Wir dachten, dass wir durch die Aufträge Sicherheit und Konstanz für unseren Standort erhalten.“ Rund 430 Mitarbeiter hat das Unternehmen derzeit in der Seestadt, zuletzt waren 50 Beschäftige dazugekommen. Im Mai war auch Genting-Chef Tan Sri Lim Kok Thay nach Bremerhaven gereist, die Rede war von einem neuen Design-Center für mehr als hundert Schiffbauingenieure, ein Festakt wurde anberaumt. Doch nun bangt der Betriebsrat um die Jobs. „Wir reden nun nicht mehr von Beschäftigungsaufbau, sondern nur noch von Beschäftigungssicherung“, sagte Müller.

Welche Rolle genau die Lloyd-Werft künftig noch spielen soll, blieb unklar. An den Ostsee-Standorten wurden die Mitarbeiter in Betriebsversammlungen über die neue Holding „MV Werften“ informiert. Für den heutigen Freitag ist dies auch für Bremerhaven anberaumt worden.

Allerdings sei den Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern bereits mitgeteilt worden, dass auch der ursprünglich für Bremerhaven vorgesehene Zusammenbau der Flusskreuzfahrtschiffe und die Ausrüstung der Polarexpedition-Jachten bei den „MV Werften“ angesiedelt sein soll. „Diese Arbeiten wären für uns mehr als auskömmlich gewesen“, sagte Betriebsratschef Müller. „Man hat uns viele Hoffnungen und Versprechungen gemacht, die jetzt nicht eingehalten werden.“

Günthner kündigt Konsequenzen an

Mit der Entscheidung steht auch die Bremer Politik düpiert da. Sie stoße bei ihm auf „völliges Unverständnis“, sagte Wirtschaftssenator Günthner, der vorab nicht von dem malaysischen Investor informiert worden war. „Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, dass sich die Pläne, die ja als Grund für die Übernahme der Werften genannt worden waren, innerhalb eines so kurzen Zeitraums so entscheidend verändern.“

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Im Mai habe der Investor noch angekündigt, dass auch in Bremerhaven ein erhebliches Auftragsvolumen landen werde. Günthner kündigte unmittelbare Konsequenzen an: Bereits fortgeschrittene Pläne zur Sanierung des Kaiserhafens 3 - ein 30-Millionen-Euro-Projekt - sollen nun erst einmal ruhen.

Immerhin halte Genting dem Anschein nach an der Lloyd-Werft fest, so Betriebsratschef Müller. „Das ist eine wertvolle Aussage“. Allerdings versehen die Beschäftigten auch dies mit einem Fragezeichen - zumal mit der Standortentscheidung das Vertrauen der Mitarbeiter in den neuen Eigner fürs Erste verloren sein dürfte.

Beweggründe zunächst unklar

Auch die Beweggründe des Unternehmens blieben zunächst im Dunkeln. Klar war gewesen, dass in den Ostseewerften die von Genting geplanten Großbauten - Schiffe der „Crystal Exclusive Class“ und der „Global Class“ mit einer Länge von mehr als 300 Metern entstehen sollen. In Bremerhaven fehlen hierzu ausreichend große Docks. Der Bau der Flusskreuzfahrtschiffe hingegen war mit dem sogenannten Brennstart an der Weser begonnen worden; allerdings nicht bei der Lloyd-Werft.

„Ich weiß nicht, was vorgefallen ist“, sagte Karsten Behrenwald von der IG Metall. „Die Eigentümer müssen von heute auf morgen das Vertrauen verloren haben.“ Nach Informationen der Gewerkschaft werde auch die Schiffskonstruktion künftig „hauptsächlich in Wismar“ stattfinden. „Wir fordern Genting zu Verlässlichkeit in Bremerhaven auf.“

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