Straffällige junge Flüchtlinge

Übergangswohnheim entsteht in Bremen-Rekum

In Rekum werden ab nächster Woche vorübergehend auffällig gewordene jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Bis zu zwölf sollen in einem Privathaus in der Rekumer Straße 12 in drei Wohngruppen rund um die Uhr betreut werden.
17.10.2014, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke
Übergangswohnheim entsteht in Bremen-Rekum

Ortsamtsleiter Peter Nowack und der Beirat Blumenthal stehen voll dahinter, dass als Übergangslösung im Wohngebäude Rekumer Straße 12 auffällige minderjährige Flüchtlinge betreut werden. Eine spezielle Jugendhilfeeinrichtung übernimmt die Betreuung.

Christian Kosak

In Rekum werden ab nächster Woche vorübergehend auffällig gewordene jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Bis zu zwölf sollen in einem Privathaus in der Rekumer Straße 12 in drei Wohngruppen rund um die Uhr betreut werden. Dafür wurde eine Jugendhilfeeinrichtung engagiert, die seit Jahren mit schwierigen Jugendlichen arbeitet. Der Beirat Blumenthal stellt sich voll hinter das Projekt.

Ein Teil der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hat in Bremen in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht. Etwa 15 Jugendliche sind durch schwere Straftaten aufgefallen. Diese Personengruppe aus Algerien und Marokko verbreitete auch in den jeweiligen Unterkünften Angst und Schrecken. Der Einsatz von Sicherheitsdiensten und andere Maßnahmen waren nötig. Anfang Oktober einigten sich die Ressorts Soziales, Inneres und Justiz auf ein gemeinsames Vorgehen im Umgang mit auffälligen, unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Die Verantwortlichen waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Bremer Jugendhilfesystem dieses Problems nicht Herr werden kann.

Zum Konzept gehört – wie berichtet – „eine separate Unterbringung“ mit der Betreuung durch eine auf straffällige Jugendliche spezialisierte Jugendhilfeeinrichtung mit intensivpädagogischer Betreuung rund um die Uhr und einem Personalschlüssel von 1:1. Der Standort für die Betreuung steht nun fest: Rekumer Straße 12. Es handelt sich um ein privates Wohnhaus in einer dörflichen Umgebung.

„Der Beirat Blumenthal stellt sich voll hinter das Projekt“, gibt Ortsamtsleiter Peter Nowack das Ergebnis einer Sondersitzung des Beirates wieder, die innerhalb von 40 Stunden für Freitag einberufen worden war. „Der Beirat ist bereit, seinen Beitrag zu leisten, wenn es darum geht, jungen Flüchtlingen einen vernünftigen Rahmen zu bieten. Wir drücken uns nicht vor dem Problem“, sagt er. Seine persönliche Meinung: „Wenn jemand das schafft, dann sind wir das.“ Quer durch die Fraktionen sei man sich einig, dass auffällige jugendliche Flüchtlinge nicht gehätschelt werden dürften. Klare Ansagen seien nötig. Das Konzept der spezialisierten Jugendhilfeeinrichtung habe überzeugt, und damit sei die Unterbringung in Rekum verantwortbar. „Die Stadt hat die Besten geholt“, zieht Nowack den Hut. Anwohner sollen am 30. Oktober vor Ort die Möglichkeit erhalten, sich zu informieren. Zudem soll auch bis Ende November darüber im Beirat und bei einer Einwohnerversammlung geredet werden.

„Die Einrichtung wird aber kein geschlossenes Heim und auch keine Haftanstalt“ betont Staatsrat Horst Frehe. Er spricht von einer Übergangslösung in Rekum bis ein endgültiger Standort für die intensivpädagogische Arbeit mit diesen Jugendlichen gefunden sei. Als Träger der Maßnahme wurde der Jugendhilfeträger Makarenko Schiffahrt GmbH engagiert, der mit seinem Partner, der „Akademie Lothar Kannenberg“, seit den 1990-er Jahren intensivpädagogische Maßnahmen mit auffälligen Jugendlichen auf Schiffen anbietet. Das pädagogische Konzept, so heißt es in der Pressemitteilung aus dem Sozialressort, basiert auf Tagesstrukturen, Regeln, Sport und Beschäftigung der Jugendlichen in ihrem Umfeld. Den jungen Menschen solle Selbstachtung vermittelt und Wertschätzung entgegengebracht werden. Das Lernen der deutschen Sprache und Lerneinheiten zum Einüben von Sozialverhalten und Respekt gehören auch zum pädagogischen Konzept.

In Rekum sollen bis zu zwölf Jugendliche in drei Wohngruppen untergebracht werden. Rund um die Uhr, auch nachts, werden sie von Pädagogen betreut. Die Haupt-Bezugspersonen werden in der Einrichtung wohnen. Es ist vorgesehen, dass jeder Jugendliche einen Betreuer zur Seite hat. Staatsrat Frehe: „Die Einrichtung will sich der Nachbarschaft öffnen und eine enge Kooperation mit dem ansässigen Sportverein eingehen.“ Die Polizei Bremen, der örtliche Kontaktpolizist und das Polizeirevier Blumenthal werden eng mit dem Träger zusammenarbeiten, versichert er weiter. Ein ständiger Informationsaustausch zwischen Polizei, Träger und Bevölkerung sei gewährleistet.

Heftiger Protest gegen die Entscheidung kommt vom Landesverband der Bürger in Wut (BIW). Die Umsiedlung nach Rekum „lehnen wir entschieden ab“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Wir fordern für den harten Kern der Jugendlichen, die keine Autoritäten anerkennen, geschlossene Heime“, teilt BIW-Pressesprecher Oliver Meier auf Nachfrage mit. Er schlägt vor, die ehemalige Jugendvollzugsanstalt im Blockland wieder zu aktivieren und auffällige jugendliche Flüchtlinge dort unterzubringen. Zur Unterbringung in Bremen-Nord sagt er: „Aus der Vergangenheit kennen wir Bremen-Norder die Mentalität des Bremer Senats zur Genüge, Problemstellungen aus Bremen-Mitte in den nördlichsten Außenbezirk zu verschieben.“. Das Konzept sei zudem mit heißer Nadel gestrickt.

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