Flussquerung für Bremen

Radfahrer begrüßen Pläne für neue Brücke

Die Hälfte des Radverkehrs auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke soll künftig über eine neue Fluss-Querung zwischen Altenwall und Piepe fließen. Viele Radfahrer in der Stadt freuen sich auf die neue Brücke.
18.04.2017, 19:54
Lesedauer: 3 Min
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Radfahrer begrüßen Pläne für neue Brücke
Von Sara Sundermann

Die Hälfte des Radverkehrs auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke soll künftig über eine neue Fluss-Querung zwischen Altenwall und Piepe fließen. Viele Radfahrer in der Stadt freuen sich auf die neue Brücke.

Radfahrer und Wirtschaftsvertreter begrüßen die Pläne für eine neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer, die eingebettet sein soll in ein Netz von Premium-Radrouten. Im Bauressort verspricht man sich von der Flussquerung vor allem eine Entlastung der Wilhelm-Kaisen-Brücke. Der Behörde zufolge soll die neue Brücke künftig rund 50 Prozent des aktuellen Radverkehrs auf der Kaisen-Brücke aufnehmen.

Die Radfahrer-Vertretung setzt sich seit Jahren für eine solche Brücke ein. Beim Bremer ADFC begrüßt man, dass der Bausenator das Bauprojekt nun konkret vorantreiben will, das seit 2014 im Verkehrsentwicklungsplan verankert ist. „Wir finden das großartig“, sagt Albrecht Genzel vom ADFC. „Auf der Kaisen-Brücke ist es wirklich eng, das ist eine unfallanfällige Strecke, die viele sogar gezielt vermeiden, gerade ältere oder unsichere Radfahrer.“ Für die Anbindung nach Norden wünscht er sich einen legalen Radweg durch die Wallanlagen von der Kunsthalle zum Kennedy-Platz.

Eine Alternative zum Nadelöhr Domsheide

„Die neue Brücke ist ein tolles Projekt“, sagt auch Klaus-Peter Land, der über 20 Jahre Geschäftsführer des ADFC war und nun als begeisterter Liegeradfahrer für den Bremer Liegeradtreff spricht. „Es ist auch für mich als Radfahrer aus Schwachhausen interessant, wenn ich in die Neustadt fahre und mit der neuen Brücke eine Alternative zum Nadelöhr Domsheide habe.“

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Skeptisch sind einige Bremer allerdings, was die angesetzten Kosten von rund 10 Millionen Euro für die neue Brücke betrifft. Der Bau der Brücke könne zudem Folgekosten für neue Ampeln nach sich ziehen. Manche sind zudem überrascht von der Lage nah an der Kaisen-Brücke. Sebastian Burger, passionierter Radfahrer und Projektleiter der Mut-Tour, hätte sich mehr über eine Brücke näher an der Hal-Över-Fähre gefreut.

Der 37-jährige Bremer, der mit seinem Team Radtouren für Menschen mit und ohne Depressionserfahrung organisiert: „Ich finde den Radverkehr auf der Kaisen-Brücke für mich als relativ schmerzbefreiten Alltagsfahrer in Ordnung, aber ich sehe, dass dort ältere und ungeübtere Radfahrer zu Stoßzeiten überfordert sind.“ Wäre eine Brücke auf halber Strecke zwischen Kaisen- und Erdbeerbrücke sinnvoller? Die geplante Brücke sei ausgerichtet auf die Premiumrouten, perspektivisch seien Brücken auf Höhe des Café Sand und hinter dem Stadion ebenfalls denkbar, heißt es aus der Baubehörde.

Kaisen-Brücke ist überlastet

Radkurier Marcel Thielbar freut sich auf die neue Flussquerung: „Die Kaisen-Brücke ist überlastet, eine weitere Brücke ist sinnvoll.“ Zuletzt seien die Radwege vielerorts verbessert worden, urteilt der Mitinhaber vom Bremer Radkurier. „Meiner Meinung nach gehören Radfahrer auf die Straße, das hat Bremen zuletzt mehr ermöglicht.“

Bei der Handelskammer werden die Pläne für die neue Brücke und die Radrouten freundlich aufgenommen: „Wir begrüßen das durchaus als Ergänzung des Radwegenetzes“, sagt Jörg Albertzard, Verkehrsreferent bei der Kammer. Zugleich mahnt er kritisch an: „Es ist wichtig, dass dies nicht zulasten des normalen Verkehrshaushaltes geht und der Sanierungsstau für Straßen und Brücken dadurch nicht noch größer wird.“ Solange Brücke und Premiumrouten aus anderen Quellen finanziert würden, spreche grundsätzlich aber nichts dagegen.

In der Baubehörde hofft man, Bremen könne die neue Brücke zu einem Leuchtturmprojekt machen, mit dem man ähnlich wie Kopenhagen mit seiner geschwungenen roten Brücke Touristen für Bremen als Fahrradstadt einnehmen könne. Die Premiumrouten sollen Radfahrer schneller und komfortabler durch die Stadt führen, geprüft werden soll laut Behörde, ob Radfahrer dort grundsätzlich Vorfahrt erhalten und Ampelphasen für Radfahrer angepasst werden.

Pläne für die Fahrradstadt

Neun Fahrrad-Premiumrouten sind geplant, darüber hat sich das Bauressort mit Bürgern und Beiräten bereits ab 2012 im Zuge der Gespräche über den Verkehrsentwicklungsplan verständigt. Einige Teile der Route von Lilienthal nach Huchting sind mit Fahrradstraßen in Schwachhausen und dem Jan-Reiners-Weg der Behörde zufolge im Prinzip schon verwirklicht.

Als Erstes will das Bauressort nun die Premiumroute von Bremen-Nord nach Mahndorf umsetzen. Dafür ist eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen, die mehrere Streckenverläufe prüft und nun den Beiräten vorgestellt wird. Für die Umsetzung dieser ersten und längsten Route setzt die Baubehörde Kosten von rund 16 Millionen Euro an.

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