Rahmenkonzept für Schuljahr 2020/21

Bremen setzt auf regulären Schulbetrieb

Mit einem Rahmenkonzept setzt das Bildungsressort die Eckpunkte für den „Corona-Regelbetrieb“ im Schuljahr 2020/21. Das Kohortenprinzip soll das Abstandsgebot ersetzen.
25.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremen setzt auf regulären Schulbetrieb
Von Frank Hethey

Einen möglichst regulären Schulbetrieb strebt das Land Bremen im kommenden Schuljahr an. Das geht aus dem neuen Rahmenkonzept der Bildungsbehörde für das Schuljahr 2020/21 hervor. Den Präsenzunterricht in der Schule definiert das Konzept als Regelfall, den Distanzunterricht – das Lernen zu Hause, fälschlich auch „Homeschooling“ genannt – als Ausnahmefall. Allerdings gibt es im schulischen „Corona-Regelbetrieb“ eine Reihe von Modifizierungen. So sollen fest definierte Gruppen als sogenannte Kohorten das bisherige Abstandsgebot ersetzen. Die Bildungspläne bleiben dagegen ebenso wie die Prüfungsstandards unverändert bestehen.

Das Kohortenprinzip soll laut Rahmenkonzept den regulären Schulbetrieb sicherstellen. Durch fest zusammengesetzte Gruppen seien im Infektionsfall die Kontakte und Ansteckungswege nachvollziehbar, heißt es in dem 37-seitigen Papier. Das Ziel des Kohortenprinzips: Hat sich eine Schülerin, ein Schüler oder eine Lehrkraft mit dem Virus infiziert, beschränken sich die Quarantänebestimmungen auf die Kohorte und gelten nicht für die gesamte Schule. Grundsätzlich sollen Kohorten möglichst klein gehalten werden, nur in Ausnahmefällen dürfen einzelne Schüler das Kohortenprinzip durchbrechen.

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In Pausen oder beim Mittagessen sollen die Kohorten durch eine zeitliche Staffelung „möglichst voneinander getrennt“ werden. Für Lehrkräfte gilt das Kohortenprinzip grundsätzlich nicht, da sie zwangsläufig in mehreren Kohorten unterrichten. Daher bleibt es für Lehrkräfte beim Abstandsgebot untereinander und gegenüber den Schülerinnen und Schülern.

Sollte eine neue Infektionswelle den Präsenzunterricht einschränken oder unmöglich machen, wird der Unterricht nach Vorgabe des Rahmenkonzepts „umgehend planmäßig und strukturiert“ als Distanzunterricht fortgeführt. „Hierfür werden sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften sukzessive digitale Endgeräte zur Verfügung gestellt.“ Die über den Digitalpakt und den Bremen-Fonds angeschafften Tablets sollen „zeitnah“ verteilt werden.

Keine Konzessionen bei Prüfungen

Mit irgendwelchen Konzessionen bei den Prüfungen können die Lernenden nicht rechnen. Ein Abweichen von den zentralen Abschlussprüfungen am Ende der Jahrgangsstufe 10, im Abitur sowie in den Beruflichen Bildungsgängen ist dem Rahmenkonzept zufolge ausdrücklich „nicht vorgesehen“. Die Begründung: „So bleibt sichergestellt, dass die Voraussetzungen für die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse durch die Länder weiterhin erfüllt werden.“

Der erhobene Zeigefinger gilt auch den Lehrenden. „Nicht nur das Lernen, auch das Lehren ist verlässlich sicherzustellen.“ Konkret: Die Schüler werden „von den Lehrkräften angeleitet, sie erhalten regelmäßige Rückmeldungen und haben verlässliche Ansprechpartner“. Und weiter: „Lehrkräfte sollen erreichbar sein und in fixen, transparenten Zeiträumen arbeiten.“ Zudem sind die Lehrenden dazu angehalten, die Potenziale der Lern- und Lehrplattform „itslearning“ auszuschöpfen.

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Wer als Lehrkraft aufgrund von Vorerkrankungen oder einer Immunschwäche zu einer Risikogruppe gehört, muss sich die drohende Gefahr einer schweren Erkrankung ärztlich bescheinigen lassen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, wird die Lehrkraft aber nur vom Präsenzunterricht entbunden. Insgesamt gehören laut Ressortsprecherin Annette Kemp „knapp zehn Prozent“ der Lehrenden in Bremen einer Risikogruppe an. Ersatzweise finden sie im Distanzunterricht oder anderweitig Verwendung, etwa um schulübergreifend Unterrichtseinheiten zu erarbeiten. Grundschulpädagogen haben auch die Möglichkeit, Erklärvideos für den Fernunterricht zu erstellen.

In der Grundschule hat der Präsenzunterricht vom Start weg auch die Aufgabe, intensiv auf den Distanzunterricht vorzubereiten. Ein besonderes Augenmerk legt das Rahmenkonzept beim Distanzlernen auf den engen Kontakt zu den Eltern als Lernbegleiter der Kinder. Auch der Ganztagsbetrieb in der Grundschule soll dem Kohortenprinzip folgen. Allerdings gibt es für die Aufrechterhaltung des Ganztagsbetriebs keine Garantie, bei Lehrerknappheit kann er „notfalls verkürzt werden“.

In den Genuss von Präsenzunterricht kommen

Falls die Präsenzzeiten in der Sekundarstufe I eingeschränkt werden müssen, sollen bestimmte Jahrgänge oder Kohorten bevorzugt in den Genuss von Präsenzunterricht kommen: die fünfte Jahrgangsstufe als neuer Jahrgang, die zehnte Jahrgangsstufe der Oberschule als Prüfungs- und Übergangsjahrgang, die neunte Jahrgangsstufe des Gymnasiums als Übergangsjahrgang sowie Schülerinnen und Schüler „mit besonderen Bedarfen“.

Auch in der gymnasialen Oberstufe schreibt das Rahmenkonzept das Kohortenprinzip vor, dabei bilden jeweils die Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs eine Kohorte. Verhindert eine neue Infektionswelle die Abiturprüfungen 2021, greifen wie im Vorjahr die Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK) zur wechselseitigen Anerkennung des Abiturs.

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Bei den Berufsbildenden Schulen steht laut Bildungsressort zu befürchten, dass wegen der Coronakrise weniger Ausbildungsplätze in der dualen Ausbildung zur Verfügung stehen. Tritt dieser Fall ein, müssen Berufsbildende Schulen möglicherweise kurzfristig reagieren und statt dualer Klassen zusätzliche vollschulische Bildungsangebote machen.

Insgesamt blickt die Bildungsbehörde verhalten optimistisch in die Zukunft. Der aktuelle wissenschaftliche Stand und das bisherige Infektionsgeschehen machten Hoffnung auf einen Regelbetrieb in den Schulen. „Für Grundschulen ist dies mit großer Sicherheit anzunehmen, für weiterführende Schulen mit hoher Wahrscheinlichkeit.“

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Zur Sache

Regelbetrieb in niedersächsischen Kitas

Niedersachsen nimmt zum 1. August den Regelbetrieb in Kindergärten wieder auf. In den vergangenen vier Wochen mit einem eingeschränkten Regelbetrieb und großen Gruppen habe sich gezeigt, dass die Kitas nicht zu einem Hotspot von Corona-Infektionen geworden sind, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). „Wir nähern uns damit stark einem Kita-Alltag, wie wir ihn vor Corona kannten.“ Auch die Neuaufnahme von Kindern sei wieder möglich. Befristet dürfen die Kindergärten bis zu den Herbstferien weiterhin fachfremdes Personal einstellen, wenn Erzieherinnen oder Erzieher coronabedingt ausfallen.

Einige Einschränkungen werde es in den Kindergärten angesichts der Epidemie weiter geben, wie etwa den Rat an die Eltern, die Kitas möglichst nicht und ansonsten nur mit Maske zu betreten, sagte Tonne. Die Aufhebung der Pflicht von festen Gruppen ermögliche es den Kitas nun wieder, Früh- und Spätgruppen sowie eine Sprachförderung mit Kindern aus unterschiedlichen Gruppen anzubieten. Niedersachsen sei es gelungen, Sicherheit zu bieten.

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