Sportabzeichen-Tour macht Station in Arsten Reporter misst sich mit Senator

„Auf die Plätze, fertig, los“– Der 3000-Meter-Lauf für das Deutsche Sportabzeichen beginnt.
15.07.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Reporter misst sich mit Senator
Von Jörn Hüttmann

„Auf die Plätze, fertig, los“ – Egon Kattau knallt mit der Startklappe. Der 3000-Meter-Lauf für das Deutsche Sportabzeichen beginnt. Zusammen mit etwa 30 Athleten laufe ich auf der Tartanbahn im Stadion des TuS Komet Arsten los. Der Start ging schnell – für viele zu schnell. Dann ein Zwischenruf: „Hey, ihr nicht.“ Egon Kattau winkt die Sportler ab der zweiten Reihe zurück. „Wir können nur die Zeiten von vier Läufern auf einmal stoppen.“ Das Feld dreht ab. Ulrich Mäurer hört nicht drauf und zieht davon. Es ist sein letzter Tag als Sportsenator, da kann man ihm das durchgehen lassen.

„Wir sind nicht ganz freiwillig hier“, sagt Mika Hattenhauer mit einem Augenzwinkern. Er wird in den Stahlwerken zum Industriemechaniker ausgebildet. Aber die Sporteinlage sei eine willkommene Abwechslung. „Sonst säßen wir jetzt in der Berufsschule.“ Morgens um 9 Uhr stellen Hattenhauer und seine Kollegen noch die Mehrheit im Stadion. „Von uns sind alle da“, sagt er. Bei rund 60 Auszubildenden pro Jahr sind das etwa 180 Sportler.

„Früher war das Sportabzeichen eins zu eins mit den Bundesjugendspielen vergleichbar“, sagt Gabriele Vogel vom Landessportbund Bremen. Seit 2013 sind die Anforderungen den einzelnen Altersklassen angepasst. Die Teilnehmer absolvieren je eine Disziplin aus den Kategorien Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Wer die Mindestanforderungen erfüllt und Bronze holt, bekommt das Abzeichen. „Das kann fast jeder schaffen“, sagt Vogel. Im Vorjahr haben in Bremen rund 3800 Sportler ein Sportabzeichen erworben. Beim Stopp der Tour in Arsten haben allein am Dienstag schon 1500 Athleten ihre Fitness unter Beweis gestellt, sagt Vogel.

Schneller als Mäurer

Mäurer ist in der letzten Runde. Jetzt heißt es: Anmelden für das zweite Rennen. Aber das Prozedere ist undurchsichtig. Das Orga-Team hat kaum Platz im Gedränge unter den Schirmen. Die Ergebniszettel sind vom Regen durchweicht. Es fehlen immer noch Helfer, die die Zeit stoppen können. Unter den Sportlern werden derweil Tipps getauscht: „Die ersten vier Runden ruhig angehen und danach immer weiter aufdrehen“, rät mir Startnummer 1708. Es ist ein Kollege von Mika Hattenhauer. Die zwei haben es nicht in das Starterfeld von Rennen zwei geschafft. Leicht genervt ziehen sie in Richtung Wurfballstand ab.

Nächster Stopp: Weitsprung. Hier hat Annette Reinke alles im Blick. Ihr Tisch steht knapp unter dem Dach der Tribüne, etwas geschützt vor dem Regen. „Ich versuche mal, den zu trocknen“, sagt Reinecke, als sie den Ergebniszettel annimmt. Dann ein paar Tipps: „Du musst am Ende richtig schnell sein und nach oben springen, nicht nur nach vorn.“ Aber es mag nicht recht klappen: 4,22 Meter im ersten Versuch, 4,35 im zweiten. Gerade mal Bronze. Doch Günter Mättig hilft. Er ist seit 40 Jahren Leichtathletik-Kampfrichter, weiß, wovon er redet. „Die Füße nach vorn. Und nicht gleich weiterlaufen.“ Es wirkt: 4,82 Meter – zwei Zentimeter über der Gold-Marke.

Mäurer hat gleich nach dem 3000-Meter-Lauf aufgehört. „Ich habe mir gestern Abend noch Eis auf den Fuß legen müssen“, sagt er. Deshalb war schon vorher klar, dass er nur eine Disziplin absolviert.

Dann wieder Warten – auf den 100-Meter-Sprint. Diesmal im Nieselregen. Eine Laufbahn ist zu eng für verschiedene Wettbewerbe. Aber das Orga-Team bemüht sich, schiebt spontan einen Sprint zwischen zwei 3000er. Wieder ist Egon Kattau an der Startklappe. „Auf die Plätze, fertig, los.“ Aber ich komme nicht vom Fleck, der rechte Schuh findet keinen Halt. „So eine Tartanbahn kann schnell glitschig werden“, hatte der scheidende Sportsenator mich noch gewarnt. Es hilft nichts. Die Zeit ist nicht mehr aufzuholen. Zieldurchlauf nach 14,88 Sekunden – Silber.

Bleibt nur noch das Kugelstoßen. 7,26 Kilogramm wiegt das Eisen. „Sie muss direkt am Hals sitzen und dann hoch nach oben“, erklärt Ehrhardt Boyke aus Bremerhaven. „Ellbogen hoch und aus der Drehung.“ Zwei Seitwärtsschritte, ein Ruck und tatsächlich: Gold im zweiten Versuch – 8,28 Meter. Aber das reißt die Bilanz nicht mehr nach oben. Zweimal Gold, zweimal Silber – bleibt im Durchschnitt Silber. Ein Erfolg, keine Frage. Aber vorerst gehe ich leer aus. Die Urkunde kriegt nur, wer auch Schwimmkenntnisse nachweisen kann, aber dafür fehlt in Arsten das Becken.

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