Museumshafen in Bremerhaven

Sanierung der "Seute Deern" kostet 32 Millionen Euro

Der Dreimaster "Seute Deern" soll zehn Jahre lang in einem Trockendock repariert werden - dank Glaskonstruktion könnte er für Besucher zugänglich bleiben.
19.10.2017, 17:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Helmut Stapel

Der Dreimaster „Seute Deern“ im Bremerhavener Museumshafen ist sanierungsfähig. Zu diesem Schluss kommt der Arbeitskreis „Rettet die Seute Deern“. Die privat initiierte Gruppe hat gut zwei Jahre an einem Konzept für das 76 Meter lange Schiff gearbeitet. Der hölzerne Dreimaster ist an verschiedenen Stellen nicht mehr intakt und muss repariert werden. Eigentümer des Schiffes ist das Deutsche Schifffahrtmuseum (DSM). Jetzt wurde das Konzept vorgestellt.

Gut 32 Millionen Euro, schätzt der Arbeitskreis, kostet die Sanierung der „Seute Deern“. Als Grundlage für diese Kalkulation wurden verschiedene Gutachten von Experten angefertigt – vom Segeljacht-Konstrukteur bis zum Holzboots-Bauer. „Zur Auswahl standen zwei Möglichkeiten“, erläuterte Artur Beneken, ehemaliger Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Bremerhaven und Mitglied des siebenköpfigen Arbeitskreises. „Entweder eine Reparatur des Schiffes auf Schwimmpontons oder in einem Trockendock vor Ort im Alten Hafen. Wir sprechen uns aus Gründen der Machbarkeit für das Trockendock aus.“

Dafür müsste die Seute Deern von ihrem jetzigen Liegeplatz im Alten Hafen vor dem Schifffahrtsmuseum weggezogen werden. An dieser Stelle würden dann Stahlbohlen als stabile Wandkonstruktion und offenes „U“ in den Hafenboden gerammt werden. Anschließend soll der Dreimaster zurück an seinen alten Liegeplatz gezogen werden. Die Spundwand-Konstruktion wird am offenen Ende mit Stahlbohlen verschlossen. Ist das Wasser abgepumpt, hätte man auf diese Art ein Trockendock mit der „Seute Deern“ darin – wie auf einer Werft.

"In eine tatsächliche Werft kann man das Schiff nicht schleppen"

„In eine tatsächliche Werft kann man das Schiff nicht schleppen. Dafür ist der Gesamtzustand nicht geeignet“, so der Arbeitskreis. Bis zu 60 Prozent des Schiffes müssten nach und nach ersetzt werden. Das fast 100 Jahre alte Holz des Rumpfes sei teilweise von einem Pilz befallen. Es gäbe auch undichte Stellen am Rumpf. Pro Tag werden von mehreren Pumpen rund 150.000 Liter Wasser aus dem Bauch der „Seute Deern“ zurück ins Hafenbecken befördert. „Eine direkte Gefahr für das Schiff sehen wir aber nicht“, so der Arbeitskreis. „Aber wir sehen eindeutig den Handlungsbedarf, in absehbarer Zeit mit der Reparatur des Schiffes anzufangen. Je eher, desto besser. Die ,Seute Deern' ist ein wichtiger Teil Bremerhavens und seit Jahrzehnten das bundesweit bekannte Wahrzeichen der Seestadt.“

Während der Sanierungszeit könne das Schiff unter einer Dachkonstruktion als „gläserne Werft“ für Besucher des Deutschen Schifffahrtsmuseums zugänglich sein, so die Idee des Arbeitskreises. Damit würde der Schiffbau des 19. Jahrhunderts anschaulich dargestellt und man würde auch dem wissenschaftlichen Anspruch des Deutschen Schifffahrtsmuseums gerecht.

Die Reparaturzeit des Holzschiffes wird auf acht Jahre bis zehn Jahre geschätzt. Der Grund dafür ist laut Arbeitskreis, dass die Arbeiten nach und nach ausgeführt werden sollen. Zudem sei das notwendige Lärchenholz mit einem Durchmesser von 28 Zentimetern nicht zu jeder Zeit und in beliebigen Mengen verfügbar. Rund 23 Millionen Euro sollen die Holzarbeiten kosten. Weitere 9,4 Millionen Euro werden für den Bau des Trockendocks veranschlagt.

„Die ,Seute Deern' würde dann anschließend im Trockendock verbleiben und wäre für Besucher des DSM zugänglich“, erklärte Werner Lüken, ehemaliger Chef der Lloyd-Werft und Arbeitskreismitglied. Die Finanzierung des Vorhabens könnte nach Ansicht der Gruppe aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums, des Kulturministeriums, vonseiten des Landes und der Stadt Bremerhaven sowie über private Spenden sichergestellt werden.

Keine abschließende Aussage

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum begrüßt die Initiative der Arbeitsgruppe. „Wir können zu den Sanierungs-Möglichkeiten für die Seute Deern aber derzeit keine abschließende Aussage treffen. Wir sind dazu im Austausch mit unseren Zuwendungsgebern und dem Aufsichtsgremium“, sagte Direktorin Professor Sunhild Kleingärtner. „Der Stiftungsrat tagt Ende November. Danach können wir Näheres zu dem Thema sagen.“

Die „Seute Deern“ liegt seit 1966 im Alten Hafen von Bremerhaven. 1972 erwarb die Stadt Bremerhaven das Schiff und schenkte es dem Deutschen Schifffahrtsmuseum. Seit 2005 steht der Dreimaster als Bestandteil des Deutschen Schifffahrtsmuseums unter Denkmalschutz.

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