Bremer Virologe befürchtet Risiken Schnelltests für Laien kommen

Corona-Schnelltests kommen möglicherweise Anfang März auf den Markt. Apotheker rechnen mit Kosten zwischen fünf und 15 Euro. Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer sieht Risiken bei der Laienanwendung.
15.02.2021, 21:06
Lesedauer: 3 Min
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Schnelltests für Laien kommen
Von Sabine Doll

Die ersten Corona-Schnelltests für den Hausgebrauch könnten im März zugelassen werden. Laut einem Schreiben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 9. Februar mit einer Auflistung von Herstellern und Produkten, das dem WESER-KURIER vorliegt, dauert die Prüfung für eine Sonderzulassung im Schnitt vier Wochen. „Die Bearbeitung dieser Verfahren ist bei uns in der höchsten Prioritätsstufe“, heißt es in dem Bericht an das Bundesgesundheitsministeriums. Ein Sprecher des Instituts hatte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt, dass Anträge für etwa 30 Produkte vorlägen.

Eine Apothekenpflicht ist nach der geänderten Medizinprodukte-Abgabeverordnung von Anfang Februar derzeit nicht geplant – die Tests werden aber kostenpflichtig sein. Der Sprecher der Bremer Apothekerkammer, Sebastian Köhler, geht von möglichen Kosten „zwischen fünf und 15 Euro“ pro Test aus. „Das wird von dem jeweiligen Produkt und Verfahren abhängen, ein Gurgel- oder Spucktest wird wahrscheinlich preiswerter sein als ein Abstrichtest“, sagt Köhler.

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An die Zulassung von Corona-Tests für Jedermann als Bestandteil einer künftig erweiterten Teststrategie sind große Hoffnungen geknüpft. „Der Vorteil ist, dass ansonsten unentdeckte Infektionen identifiziert und damit Infektionsketten schnell durchbrochen werden könnten“, sagt der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann. Ob die Laien-Schnelltests auch Geschäfts- oder Gastronomie-Öffnungen möglich machen können, sei jetzt noch kein Thema. Dies gelte auch für Überlegungen, wonach ein negativer Schnelltest als Eintrittskarte oder als eine Art „24-Stunden-Pass“ für bestimmte Bereiche fungieren könnte. „Da gibt es eine rechtliche Seite und die Frage, wie verlässlich die Ergebnisse überhaupt sein können“, so Fuhrmann. Gleichwohl könne ein sicheres Testverfahren eine gute Möglichkeit sein, um den Betrieb in Einrichtungen wie Kitas oder Schulen zusätzlich abzusichern.

Der konkrete Umgang mit positiven Laien-Testergebnissen ist bislang noch nicht geklärt. Fuhrmann: „Im Moment ist es so, dass nur ein Labortest zur Quarantäne führen kann, deshalb muss dies in einer Verordnung klar geregelt werden. Gut wäre es, wenn das bundeseinheitlich passiert.“ Eine wichtige Frage sei aus Sicht der Behörde auch, wie teuer und für wen die Tests damit verfügbar seien. „Es besteht das Risiko, dass man in eine ungleiche Verteilung rutscht, wenn sich der wohlhabende Teil der Bevölkerung die Selbsttests vorwiegend und regelmäßig leisten kann und andere nicht“, so der Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke).

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Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer hält Selbsttests für eine sinnvolle Ergänzung der Früherkennung, der Uni-Professor weist aber auch auf Risiken hin: „Ein Test ist immer eine Momentaufnahme. Und: Durch Fehler bei der Anwendung kann ein negatives Ergebnis angezeigt werden, obwohl man infiziert ist.“ Die bisherigen Abstrichtests, wobei Sekret aus dem tiefen Rachen und der Nase entnommen werden, dürften deshalb nur von geschultem Personal durchgeführt werden. „Wichtig ist, dass nur Produkte zugelassen werden, die für die Laienanwendung getestet und sicher sind“, fordert ­Dotzauer. Spuck- und Gurgeltests, für die Anträge auf eine Sonderzulassung beim BfArM gestellt wurden, sind laut dem Virologen einfacher zu handhaben. Sie seien insbesondere dafür geeignet, eine hohe Viruslast nachzuweisen. Problematisch könne es daher sein, dass Infizierte mit einer geringen Viruslast nicht entdeckt würden.

Auf eine sichere Handhabung verweist auch der Sprecher der Bremer Apothekerkammer. Es gebe Tests, bei denen die Abstriche nur aus dem Nasenflügel entnommen würden, das vereinfache die Anwendung. „Selbsttests sind sicher eine gute zusätzliche Möglichkeit, sie müssen aber in eine Teststrategie eingebettet werden. Es macht keinen Sinn, dass sie einfach auf den Markt kommen; es muss auch geklärt sein, was sie bedeuten, was bei einem positiven Test passiert und was daraus für die Kontaktnachverfolgung resultiert“, betont Köhler.

Seit Montag bietet die Stadt Osnabrück kostenlose Antigen-Schnelltests an. Das kostenlose Angebot soll es zunächst vier Wochen lang geben. Hintergrund sei, dass zwar schon Selbsttests existierten, diese aber noch nicht zum Verkauf stünden, so ein Sprecher. Zur Zielgruppe gehörten Menschen, die beruflich Kontakte zu vielen ­anderen hätten und damit einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt seien. Interessierte können sich einmal pro Woche testen lassen.

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