Berufsschule für Groß- und Außenhandel

Senat ebnet Weg für Neubau in Überseestadt

Weil sich eine Sanierung nicht mehr lohnt, zieht die Berufsschule für den Großhandel, Außenhandel und Verkehr (GAV) um. Der Senat hat nun den Weg für einen Neubau in der Überseestadt frei gemacht.
04.07.2017, 12:13
Lesedauer: 4 Min
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Senat ebnet Weg für Neubau in Überseestadt
Von Maren Beneke
Senat ebnet Weg für Neubau in Überseestadt

Das bisherige Gebäude der Berufsschule für den Großhandel, Außenhandel und Verkehr an der Ellmerstraße ist marode, eine Sanierung wirtschaftlich unsinnig.

Frank Thomas Koch

Nach Jahren zähen Ringens nimmt der Umzug der Berufsschule für den Großhandel, Außenhandel und Verkehr (BS GAV) nun konkretere Formen an. Am Dienstag hat sich der Senat darauf geeinigt, einem Neubau in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) zuzustimmen. Das bedeutet: Die Schule wird in Zusammenarbeit zwischen Stadt und Privatwirtschaft entstehen.

Bildungsstaatsrat Frank Pietrzok sprach von einem „Durchbruch“: „Mit dem Senatsbeschluss wurde nicht nur der Neubau beschlossen, sondern auch die Möglichkeit, die Schule möglichst schnell zu errichten.“

Betrieb ab 2020

Der Zeitplan des Bildungsressorts sieht vor, dass die neue Schule im Herbst 2020 in Betrieb geht. Die Kosten für den Neubau beziffert die Stadt auf 18,4 Millionen Euro. Für die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft kommen, das geht aus einer Mitteilung der Behörde hervor, nun zwei Modelle infrage: das Inhabermodell und das Erwerbermodell.

Beim Inhabermodell würde der private Auftragnehmer Planung und Bau auf einem städtischen Gelände sowie möglicherweise auch die Finanzierung und den Betrieb des Schulgebäudes übernehmen; beim Erwerbermodell würde dagegen auf einem Grundstück gebaut, das dem Auftragnehmer gehört. Die Stadt bevorzugt Letzteres.

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Auf eine ähnliche Zusammenarbeit hatte sich Bremen zuletzt im Bereich Kindertagesstätten geeinigt. Der Unternehmer Klaus Hübotter hatte den Zuschlag für den Bau von Kitas bekommen, betrieben werden die Einrichtungen später von unterschiedlichen Trägern. Eine öffentlich-private Partnerschaft im Bereich Schule hatte es zuletzt 2006 bei der Oberschule Rockwinkel gegeben. Damals gehörte das Grundstück der Stadt.

Wie genau die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Auftragnehmer bei der BS GAV aussehen wird, steht noch nicht fest. Zunächst einmal wird es nach Angaben des Bildungsressorts ein Ausschreibungsverfahren geben, mit dem ein Investor im Besitz eines geeigneten Grundstücks in der Überseestadt gefunden werden soll. Geht es nach der Behörde, würde der Investor die Schule auf diesem Gelände bauen und je nach Angebot und Vertrag an Bremen übertragen.

Alte Probleme

Dass es Probleme am bisherigen Standort in der Ellmersstraße in Utbremen gib, ist nicht neu. Zuletzt hatte der Verein Bremer Spediteure, der die Interessen von gut 200 Bremer Firmen vertritt, berichtet, dass es erste Hinweise auf den desolaten Zustand schon vor zehn Jahren gegeben habe. 2007 wurde der reine Sanierungsbedarf den Angaben zufolge auf etwa 3,5 Millionen Euro geschätzt. Weil seitdem kaum etwas passiert ist, hat sich der Zustand weiter verschlechtert.

Derzeit werden mehr als 1700 Auszubildende von gut 700 Bremer Unternehmen an der GAV unterrichtet. Den mit Abstand größten Bereich machen die Schüler aus den Branchen Logistik und Verkehr aus. „Damit ist diese Berufsschule existenziell für den Erhalt und den Ausbau des kaufmännischen Know-hows am Hafen- und Logistikstandort Bremen“, teilte der Verein mit. Den Angaben zufolge werden in der Hansestadt nach Hamburg bundesweit die meisten Azubis aus diesem Bereich unterrichtet.

Nähe zur Weser

Die neue Schule soll, so wünschen es sich Bildungseinrichtung und Wirtschaftsvertreter, in der Überseestadt entstehen. „Mit einem Standort in der Überseestadt würde eine räumliche und atmosphärische Nähe zur Weser, dem Hafen, der Spedition und der Schifffahrt hergestellt“, hieß es seitens des Vereins Bremer Spediteure.

Die Schule soll nun ein neues Gebäude in der Überseestadt bekommen.

Die Schule soll nun ein neues Gebäude in der Überseestadt bekommen.

Foto: Frank Thomas Koch

Der Verband zeigte sich erleichtert über den Senatsbeschluss. „Er war seit Jahren überfällig“, sagte Oliver Oestreich, Vorsitzender des Vereins. Nun bestehe endlich eine konkrete Aussicht, dass in absehbarer Zeit eine zeitgemäße, funktionale und attraktive Schule gebaut werde. Die Hoffnung des Vereins: Die öffentlich-private Partnerschaft soll zu einer zügigen Umsetzung der Planungen beitragen. „Ein privater Investor kann wesentlich schneller bauen, als es die öffentliche Hand kann“, sagte Oestreich.

Erste Vorgespräche laufen

Erste Vorgespräche mit Investoren sind offenbar bereits geführt worden: Nach Angaben von Klaus Hübotter interessiert sich die Stadt für sein 4000 Quadratmeter großes Grundstück in der Nachbarschaft zum Speicher XI. Doch laut Hübotter ist die Stadt nicht der einzige Interessent: Auch eine Bildungseinrichtung für Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren mit Sitz in Offenbach habe sich nach dem Gelände erkundigt. „Wer zuerst konkret wird, bekommt den Zuschlag“, sagte Hübotter dem WESER-KURIER. Das Bildungsressort verweist auf seine öffentliche Ausschreibung und will sich vorab nicht zu möglichen Investoren äußern.

Finanzielle Unterstützung für die neue Schule, in der auch das Bremer Institut für Handel und Verkehr und die Deutsche Außenhandels- und Verkehrsakademie Platz finden sollen, haben bereits Bremer Unternehmen zugesagt. Wie der Verein Bremer Spediteure mitteilte, hätten sich die Kühne-Stiftung und mehrere Firmen bereit erklärt, in die Schule zu investieren. Wie genau diese Hilfe aussieht, ist noch unklar. Denkbar wäre, dass sich die Unternehmen an der Ausstattung beteiligen etwa an Möbeln, der Ausrüstung oder auch für eine Wlan-Leitung sorgen.

Öffentlich-private Partnerschaften

Eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) im Bereich Schule zwischen Kommunen und Unternehmen ist nicht ungewöhnlich. In Hamburg etwa war die Katharinenschule in der Hafencity der erste Schulneubau, der innerhalb einer ÖPP realisiert wurde. Eine Gesellschaft hat für die Stadt über eine Laufzeit von 25 Jahren Planung, Bau, Finanzierung und seit 2009 auch den Betrieb übernommen. Doch es gibt auch Kritik an solchen ÖPP: Finanzschwache Kommunen könnten diese verstärkt nutzen und damit Kompetenzen aus der Hand geben. So könnten die Investoren etwa entscheiden, Klassenräume weiterzuvermieten oder die Schulkantine gewinnorientiert zu betreiben. Zumindest was den Straßenbau angeht, hat ein Bericht des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages den ÖPP zuletzt 2014 kein gutes Zeugnis ausgestellt: Im Gegensatz zum Argument, solche Partnerschaften würden Kosten sparen und effizienter sein, seien ÖPP-Projekte im Straßenbau oft deutlich teurer, heißt es darin. (bem)

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