Mögliche Gefahren in Bremer Gewässern Senat weiß nichts über multiresistente Keime in Gewässern

Sind auch Bremer Gewässer mit multiresistenten Keimen belastet? Berichte über Laborbefunde aus Niedersachsen haben die Grünen veranlasst, beim Senat nachzufragen. Doch dort tappt man im Dunkeln.
31.03.2018, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Senat weiß nichts über multiresistente Keime in Gewässern
Von Jürgen Theiner

Multiresistente Keime in Seen und Flüssen: Mit einer Recherche zu diesem Thema sorgte der Norddeutsche Rundfunk Anfang Februar für Aufsehen. In mehreren niedersächsischen Gewässern hatten Mitarbeiter des Senders solche gefährlichen Mikroorganismen nachgewiesen. Ob auch Bremer Badestellen belastet sind, darüber hat der Senat keine Erkenntnisse.

Entsprechende Untersuchungen seien gesetzlich nicht vorgeschrieben, auch gebe es derzeit "weder ein genormtes Verfahren für die Analyse noch eine ausreichende Wissensbasis für die Bewertung der Ergebnisse", heißt es in einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, mit der sich die Landesregierung voraussichtlich am Dienstag befassen wird.

Die Grünen beziehen sich auf die Rechercheergebnisse des NDR. Bei multiresistenten Keimen handelt es sich um Krankheitserreger, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Multiresistenz von Bakterien stellt in der Medizin ein wachendes Problem dar, insbesondere für geschwächte Patienten sind sie ein enormes Risiko.

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Die Situation in Bremen, so heißt es in dem Senatspapier, sei mit den im Auftrag des NDR untersuchten Gewässern nicht direkt vergleichbar. Die Entnahmestellen in Niedersachsen lagen demnach zum Teil im Einzugsgebiet von Massentierhaltungen oder an kleinen Flüssen, deren Wasserfracht mögliche keimbelastete Einleitungen wesentlich geringer verdünnt als die Weser.

Gleichwohl gelte für Bremen wie für andere Bundesländer, dass es zurzeit noch keine Vorschriften für den behördlichen Umgang mit dem Problem der Gewässerbelastung durch multiresistente Keime gebe. In den zuständigen Bund-Länder-Arbeitskreisen "beginnt die Diskussion gerade", schreiben die Fachleute der Umweltbehörde in ihrem Entwurf für die Senatsantwort.

Die Qualität von zehn Seen und der Weser auf Höhe "Café Sand" werde bisher während der Badesaison in vierwöchigen Intervallen beprobt, aber eben nicht auf die resistenten Erreger. Über das künftige Vorgehen werde sich Bremen mit niedersächsischen Behörden abstimmen.

An den Ursachen ansetzen

Von Bedeutung ist das Problem der multiresistenten Keime auch für das Unternehmen Hansewasser, das in städtischem Auftrag die Bremer Kläranlagen und das Kanalnetz betreibt. "Kläranlagen sind nicht die Quelle antibiotikaresistenter Bakterien, sondern stehen am Ende einer Kette aus vielen Entwicklungs- und Verbreitungspfaden", sagt Sprecher Oliver Ladeur.

Entsprechende Einleitungen könnten zum Beispiel durch Krankenhäuser in die Kanalisation gelangen. Bei der Lösung des Problems müsse daher "an den Ursachen angesetzt werden: dem Einsatz von Antibiotika", etwa in der in der Human- und Tiermedizin sowie in der Agrarindustrie, so Ladeur. Der Hansewasser-Sprecher ist überzeugt: "Angesichts der vielfältigen Wege von Antibiotika und Mikroorganismen aus den Großställen in die Umwelt wäre allein eine Nachrüstung von Kläranlagen, etwa mit Anlagen zur UV-Bestrahlung oder einer Behandlung mit Ozon, bei Weitem nicht ausreichend, um das Problem zu lösen."

"Lebensgefährlich und eine tickende Zeitbombe"

Im Rahmen einer ganzheitlichen Strategie sei "weitere Forschung sowohl im Bereich der Entwicklung umweltverträglicher Antibiotika als auch im Bereich der Verfahrenstechnik zur Elimination dieser Stoffe dringend erforderlich". Auch die Grünen plädieren dafür, sich am Verursacherprinzip zu orientieren. Multiresistente Erreger seien "lebensgefährlich und eine tickende Zeitbombe, wenn sie in die Umwelt gelangen", warnt Umweltpolitikerin Maike Schaefer.

Eine der Hauptursachen sei "die übertriebene und verantwortungslose Vergabe riesiger Mengen Antibiotika in der Massentierhaltung". Aber auch Ärzte und Patienten müssten darauf bedacht sein, dass Antibiotika nur eingenommen werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Schaefer spricht sich zugleich dafür aus, Kläranlagen zukünftig mit Technologien auszustatten, die gefährliche Keime abtöten.

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