Außenhaut vollständig zerstört

„Seute Deern“ hat Totalschaden

Nach umfassender Untersuchung hat das Gutachterkonsortium seinen Abschlussbericht zu dem 100 Jahre alten Museumsschiff vorgelegt: Es sieht demnach nicht gut aus. Die Zukunft der Bark ist ungewiss.
18.10.2019, 16:56
Lesedauer: 2 Min
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„Seute Deern“ hat Totalschaden
Von Marcel Auermann
„Seute Deern“ hat Totalschaden

Die 100 Jahre alte Bark war Ende August nach einem Wassereinbruch auf den Grund des Hafenbeckens abgesackt.

Str/dpa

Die schwer beschädigte „Seute Deern“ hat einen Totalschaden. Das meldete das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven am Freitagnachmittag. Nach einer umfassenden Untersuchung des 100 Jahre alten Museumsschiffes hat das Gutachterkonsortium seinen 50-seitigen Abschlussbericht vorgelegt. Die Experten werteten zwischen dem 8. und 11. Oktober alle zugänglichen Bereiche der "Seute Deern" und alle zur Verfügung gestellten Unterlagen und Informationen aus. Sie kamen dabei laut Mitteilung zu dem Ergebnis, dass das Schiff als „konstruktiver Totalschaden“ anzusehen sei.

In dem Bericht wurden alle untersuchten Bereiche und deren Schaden beziffert. So seien zum Beispiel die Außenhaut, der Kiel und der Unterraum zu 100 Prozent zerstört. Spanten und Decksbalken zu 82,5 Prozent, Ruderraum und Betriebsgang zu 75 Prozent. Nach Auswertung aller untersuchten 13 Baugruppen müssten nach Angaben des Gutachterkonsortiums für eine Sanierung 75,48 Prozent der "reinen Schiffsmasse" ersetzt werden. Wörtlich heißt es: „Aufgrund der vorstehend aufgeführten prozentualen Angaben wäre das Ergebnis einer Instandsetzung/Sanierung dem eines Neubaus gleichzusetzen.“

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Das DSM, zu dessen Museumsflotte die "Seute Deern" gehört, hatte die Hafenmanagementgesellschaft Bremenports beauftragt, ein Gutachten zu veranlassen. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Ergebnisse hatte Bremenports auf Bitten des DSM, wie es nach eigenen Angaben heißt, eine weitere Untersuchung beauftragt, um zu klären, ob ein Verholen des Schiffs zu einem Schwimmdock im Kaiserhafen zu verantworten sei. Das empfehlen die Experten in ihrem Schreiben ausdrücklich nicht. Das Gutachten sei nun die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen, macht Sunhild Kleingärtner, die geschäftsführende Direktorin des DSM, deutlich. Über den weiteren Umgang mit der "Seute Deern" werde der Stiftungsrat, das Aufsichtsgremium des DSM, am 23. Oktober in einer Sondersitzung beraten.

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Der Dreimaster galt und gilt als Wahrzeichen von Bremerhaven. Er wurde als Restaurant genutzt und gehörte zu den wichtigsten Schaustücken des Deutschen Schifffahrtsmuseums. Doch zugleich war die "Seute Deern" bereits länger ein Sorgenkind. Schon vor dem Unfall Ende August, als das Schiff nach einem Wassereinbruch auf den Grund des Hafenbeckens gesackt war, wurde sie nur mit Pumpen flott gehalten. Dem Holzrumpf fehlte seit dem Stapellauf 1919 in den USA ein Metallbeschlag, der ihn dauerhaft wasserdicht gemacht hätte. Anfang 2019 geriet der Segler in Brand, der zusätzlich für Schäden sorgte.

Die Stadt schenkte das Schiff dem Deutschen Schifffahrtsmuseum zu seiner Gründung im Jahr 1971. 2005 wurde die Bark gemeinsam mit anderen Museumsschiffen und den Gebäuden des Schifffahrtsmuseums unter Denkmalschutz gestellt.

+++ Dieser Artikel wurde um 18:01 Uhr aktualisiert +++

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