Die Perspektiven für die nächsten Wochen

Weitere Lockerungen in Bremen sind in Sicht

Sinkende Infektionszahlen und immer mehr Geimpfte: Die Entwicklung der letzten Tage wirft die Frage auf, wie es in Bremen weitergeht mit der Corona-Politik. Ein umfassender Überblick.
18.05.2021, 19:27
Lesedauer: 7 Min
Zur Merkliste
Von Sabine Doll Timo Thalmann
Weitere Lockerungen in Bremen sind in Sicht

Schon bald wieder Teil des Stadtbildes: Am Freitag darf die Außengastronomie in Bremen öffnen.

Christina Kuhaupt

Die Infektionszahlen sinken, die Zahl der Geimpften steigt: Sichtlich erfreut zeigt sich Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), als er am Dienstag weitere Öffnungsschritte verkünden konnte, die ab Freitag gelten. Zugleich wirft die Entwicklung Fragen nach den weiteren Perspektiven auf, sowohl hinsichtlich künftiger Lockerungen bei weiter fallenden Inzidenzwerten wie auch zum Fortgang der Impfungen. Ein umfassender Überblick:

Öffnung der Außengastronomie

So lange die Inzidenz der Neuinfektionen über 50 liegt, ist ein Besuch nur mit einem negativen Coronatest möglich. "Ich habe aber angesichts der Entwicklung des Infektionsgeschehens in den vergangenen Tagen die konkrete Hoffnung, dass diese Hürde am Freitag schon nicht mehr existiert", sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Liegt die Inzidenz unter 50, sind keine Tests mehr nötig. Die Inzidenz in der Stadt Bremen ist in der vergangenen Woche von knapp 100 auf aktuell unter 60 gefallen.

Events und Hotels

Auch Veranstaltungen im Außenbereich, die ab Freitag mit bis zu 100 Besuchern wieder möglich sind, werden mit einer Testpflicht verbunden. Diese entfällt, sobald die Inzidenz niedriger als 50 ist. Es gelten die offiziellen Zahlen des Robert Koch-Instituts. Anders als für den Wegfall der Bundes-Notbremse am Montag, für den die Inzidenz an fünf Werktagen hintereinander unter 100 liegen musste, gilt die Testpflicht oder der Verzicht darauf unmittelbar nach Veröffentlichung der Inzidenzen. Damit kann sie sich täglich ändern. Unabhängig von Inzidenzen hat der Senat die Möglichkeiten für touristische Übernachtungen ab diesem Freitag generell mit Testpflichten für die Gäste verbunden.

Lesen Sie auch

Krankenhäuser und Pflegeheime

Das Besuchsverbot in Krankenhäusern gilt längstens bis zum 31. Mai. Anschließend müssen auf Grundlage von Besuchskonzepten Ausnahmen erlaubt werden. Dazu erarbeiten die Kliniken derzeit zusammen mit dem Gesundheitsressort die Konzepte. Auch bei den Pflegeeinrichtungen wird es Erleichterungen für Besuchsregeln geben. Die vom Bund gewährten Freiheiten für Geimpfte gelten zudem unmittelbar für alle Bewohner, aber es gibt Ausnahmen: Im Falle eines Kontaktes zu einem Infizierten müssen geimpfte Pflegeheimbewohner weiterhin in Quarantäne. Bereits vollständig geimpfte Angehörige brauchen vor einem Besuch keinen Schnelltest mehr, wenn die Impfquote der Bewohner über 90 Prozent beträgt. Diese Regelung gilt aber nicht automatisch, sondern muss von jeder einzelnen Einrichtung beantragt und vom Gesundheitsamt genehmigt werden.

Weitere Lockerungen

Mehr Möglichkeiten gelten ab Freitag auch auf anderen Feldern. So kann sich ein Haushalt mit zwei weiteren Personen eines anderen Haushalts treffen. Schon seit Montag dürfen Museen, Kunsthallen, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten mit vorheriger Terminbuchung öffnen. An diesem Mittwoch macht davon die Bremer Kunsthalle Gebrauch. Das Überseemuseum und das Hafenmuseum in der Überseestadt öffnen am Freitag wieder ihre Türen.

Aussicht bei sinkender Inzidenz

Für den Fall, dass die Inzidenz stabil an fünf Werktagen in Folge unter 50 bleibt, stellt die neue Verordnung bereits weitere Öffnungen in Aussicht. So sind dann Veranstaltungen mit maximal 100 Teilnehmern in Innenräumen und bis zu 250 im Außenbereich denkbar, Terminbuchungen in Museen und beim Shopping könnten unnötig werden sowie die Gastronomie komplett öffnen. Auch die Freibäder sollen dann ihren Betrieb aufnehmen können. Bei einer Inzidenz unter 35 kommen auch Hallenbadbesuche infrage. Konkrete Beschlüsse sind das aber nicht, sondern Ermächtigungen, mit denen die zuständigen Behörden dann entsprechende Verfügungen erlassen können.

Bremen hält an Impf-Priorisierung fest

Bremen will an der Impfpriorisierung – zumindest in den Zentren – auch nach dem 7. Juni festhalten. Das bestätigt Lukas Fuhrmann, Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Die Gesundheitsministerkonferenz hatte am Montag einen Beschluss zur Freigabe für alle Personen ab 16 Jahren gefasst, darin heißt es aber auch: "Den Ländern ist es unbenommen, die Priorisierung im Rahmen der ihnen zugewiesenen Impfstoffdosen aufrechtzuerhalten." Laut Fuhrmann ist dies für Bremen alternativlos, weil es noch zu wenig Impfstoff gebe. "Bis zum 7. Juni werden die Impfungen der Priorisierungsgruppe 3 noch nicht abgeschlossen sein beziehungsweise noch nicht alle aus dieser Gruppe eine Erstimpfung erhalten haben", so der Sprecher. Die Behörde sei "nicht glücklich" über die Aufhebung. Kritik und die Forderung, die Priorisierung aufrechtzuerhalten, kommt auch von den Grünen. „Bundesgesundheitsminister Spahn verliert durch den Druck der Ungeduldigen offenbar die Prioritäten bei der Pandemie-Bekämpfung aus dem Blick", sagt die Gesundheitspolitikerin Ilona Osterkamp-Weber. Noch seien längst nicht alle chronisch kranken Menschen oder auch pflegende Angehörige geimpft. Sie appelliert auch an die Arztpraxen, die Impfreihenfolge weiter zu beachten und Risikopatientinnen und -patienten bei Hausbesuchen zu impfen. Ohne ausreichende Impfstoffmengen könne es in den bereits überlaufenden Praxen zu erheblicher Unzufriedenheit kommen.

Lesen Sie auch

Impfungen für bestimmte Berufe

Zahlreiche Berufsgruppen fallen in die Priorisierungsgruppe drei und sind nun bei den Impfungen an der Reihe. Dazu zählen etwa Mitarbeiter der sogenannten kritischen Infrastruktur. Das sind Beschäftigte bei Zoll und Polizei, in Apotheken und der Pharmawirtschaft, im Bestattungswesen, in der Ernährungswirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, in der Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen. Aber auch Tätigkeiten im Finanz- und Versicherungswesen, in Medien und Kultur sowie bei Sicherheitsdiensten und Tankstellen fallen darunter. Außerdem jeder Arbeitnehmer, bei dem aufgrund der Arbeitsumstände ein deutlich erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus besteht – etwa weil auf engem Raum ohne Frischluftzufuhr mit vielen Personen zusammen gearbeitet wird und Abstand halten schwierig oder unmöglich ist. Betroffene benötigen als Nachweis eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers, für die unter www.gesundheit.bremen.de ein Formular heruntergeladen werden kann. Die Impfung kann in der Hausarztpraxis erfolgen. Sollte das nicht möglich sein, können sich die Impfberechtigten unter www.impfzentrum.bremen.de auf einer Warteliste im Impfzentrum registrieren. Bis zu einem Impftermin kann es aber noch mehrere Wochen dauern.

Impfungen außerhalb der Priorisierung

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) stellt für die Zukunft zusätzliche Impf-Aktionen außerhalb der Priorisierung in Aussicht, immer abhängig von dafür verfügbaren Impfstoffen. Eine erste startet bereits an diesem Mittwoch, 19. Mai. Ab 10 Uhr besteht die Möglichkeit, sich unter www.impfzentrum.bremen.de auf eine Warteliste für rund 4000 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson sowie von Astra-Zeneca einzutragen. Das Angebot richtet sich ausschließlich an die Geburtsjahrgänge 1962 bis 1971 mit Wohnsitz in Bremen und Bremerhaven. Da es sich um ein zusätzliches Angebot handelt, kann vor Ort aus medizinischen Gründen kein Impfstoffwechsel vorgenommen werden. Sollten seltene medizinische Gründe gegen eine Impfung mit Johnson & Johnson oder Astra-Zeneca sprechen, kann keine Impfung erfolgen und kein Ersatzimpfstoff am gleichen Tag zur Verfügung gestellt werden.

Impfung von Kindern und Jugendlichen

Anfang Juni wird in Deutschland die Biontech-Zulassung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren erwartet, ab 16-Jährige können bereits mit dem Vakzin geimpft werden. "Wann eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission folgt, steht noch nicht fest. Ebenso, ob die Länder zusätzliche Impfdosen erhalten", sagt Behördensprecher Fuhrmann. Bei bundesweit etwa zehn Millionen Kindern und Jugendlichen in dieser Gruppe müsse statistisch von etwa 82.000 in Bremen ausgegangen werden; dafür seien 164.000 Biontech-Impfdosen erforderlich.

Die Behörde und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte besprechen in diesen Tagen die Organisation. "Wir würden uns sehr freuen, wenn die Praxen und die Impfzentren Anlaufstellen sind", sagt der Vorsitzende des Bremer Verbands, Stefan Trapp. "Gerade auch, wenn im Sommer mehr Impfstoff zur Verfügung steht, sind die Impfzentren eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, bei denen aufgrund von Vorerkrankungen kein besonderer Beratungsbedarf entsteht." Dies sei auch aus organisatorischen Gründen bei deutlich mehr Impfstoff-Kapazitäten von Vorteil: "Die Kinderarztpraxen können beispielsweise nicht einfach drei Wochen ausschließlich impfen. Die Zentren sind auf solche Größenordnungen ausgelegt. Daher ist es gut, wenn es beide Möglichkeiten gibt." Vorstellbar sei aus Sicht des Verbands, dass es auch für diese Altersgruppe in Stadtteilen mit besonderem Bedarf Modellprojekte wie in Gröpelingen gebe. In der politischen Debatte warnt der Arzt davor, den Präsenzunterricht in Schulen an Impfungen zu knüpfen. "Die Zulassung eines Impfstoffs darf nicht zu einer Einschränkung der Grundrechte von Kindern und Jugendlichen führen."

Lesen Sie auch

Kampagnen in Stadtteilen

Die Gesundheitsbehörde will Impfkampagnen in Stadtteilen mit besonders hohen Inzidenzen fortsetzen. "Wann das nächste Projekt startet, ist noch unklar, weil die Impfstoffmengen nach wie vor begrenzt sind", sagt Fuhrmann. In der vergangenen Woche hatte die Behörde 2000 Impfdosen für den Auftakt in Gröpelingen bereitgestellt. Die Zweitimpfungen erfolgen nach sechs Wochen, sie sollen ebenfalls im Lichthaus an der Waterfront stattfinden. Die Fraktion der Linken fordert, dieses mobile Impfzentrum schnellstmöglich auch in anderen benachteiligten Stadtteilen aufzubauen. „Der Senat sollte jetzt nicht erst bis Juni warten“, so Lucie Horn, Beirätin der Linken in Huchting. Nach den jüngsten Stadtteilzahlen der Gesundheitsbehörde vom 26. April bis 9. Mai (Kalenderwochen 17 und 18) waren die Sieben-Tage-Inzidenzen in Huchting und Gröpelingen besonders erhöht. Für die zwei Kalenderwochen davor zeigt die Statistik auch in Blumenthal, Vegesack, Osterholz und Obervieland höhere Infektionsraten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+