46 Millionen Euro vom Bund

So reagiert die Politik auf den Neubau der „Seute Deern“

Völlig überraschend investiert der Bund in einen Neubau der „Seute Deern“. Die Bremer Politik hat die Nachricht weitgehend positiv aufgenommen. Aber es gibt auch Kritik an der Entscheidung.
15.11.2019, 19:20
Lesedauer: 2 Min
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So reagiert die Politik auf den Neubau der „Seute Deern“
Von Lisa-Maria Röhling
So reagiert die Politik auf den Neubau der „Seute Deern“

Die Bremer Politik hat die Nachricht des Neubaus weitgehend positiv aufgenommen.

Monika Klemm

Die Nachricht, dass ein Nachbau der „Seute Deern“ aus Bundesmitteln finanziert wird, hat in der Bremer Politik weitestgehend positive Reaktionen ausgelöst. „Es ist eine große Chance für den Museumshafen, der das Herzstück Bremerhavens bildet“, erklärte Claudia Schilling (SPD), Senatorin für Wissenschaft und Häfen, die gleichzeitig Stiftungsratsvorsitzende des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) ist. Für die Seestadt ist der Beschluss aus Sicht aller Parteien wichtig – auch wenn die Linke kritisiert, dass das Geld an anderer Stelle ebenfalls viel hätte ausrichten können.

Für Senatorin Schilling ist entscheidend, dass die Kosten für die „Seute Deern“ und das Feuerschiff „Elbe III“, die beide zum Museumshafen gehören, komplett vom Bund getragen werden. Das begrüßte auch Martin Günthner, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. „Es sind hervorragende Nachrichten, die Bremerhaven aus Berlin erreicht haben.“ Weil die emotionale Bedeutung der Bark für die Bürger in Bremerhaven so groß ist, sei es entscheidend, dass das Symbol „Seute Deern“ mit einem Nachbau erhalten bleibe, erklärte Günthner. Auch für den Tourismus und den Museumshafen in der Seestadt sei die Millioneninvestition ein großer Erfolg.

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Der Bremerhavener CDU-Abgeordnete Thorsten Raschen zeigte sich ebenfalls erfreut über die Entscheidung: „Wir haben die Chance, unser Wahrzeichen zu erhalten.“ Durch die komplette Kostenübernahme durch den Bund habe sich die Situation für den Museumshafen komplett geändert. Noch vor wenigen Wochen hatte Raschen einen Vorschlag des Bremerhavener Oberbürgermeisters Melf Grantz (SPD), die „Seute Deern“ nachzubauen, entschieden zurückgewiesen. FDP-Chef Hauke Hilz begrüßte zwar die Entscheidung, nun müsse aber dafür gesorgt werden, dass ein Neubau entsprechend instand gehalten werde. „Man muss an die Folgekosten denken.“ Zudem mahnte Hilz, dass angesichts der Haushaltslage in Bremerhaven den Bürgern erklärt werden müsse, woher die Mittel für die „Seute Deern“ kommen.

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Darin sieht auch Nelson Janßen, Linken-Fraktionschef, ein Problem: „Hätte mich jemand gefragt, wo in Bremerhaven Geld nötig ist, dann hätte ich nicht die 'Seute Deern' genannt.“ Grundsätzlich lehne er die Bundesinvestition nicht ab, dennoch sei das Geld im Kita- und Schulausbau oder im Kampf gegen Altersarmut dringender nötig. Deswegen sei es auch wichtig, Folgefinanzierungen durch das Land Bremen zu verhindern. Das DSM müsse deshalb verhindern, dass auch der Neubau der „Seute Deern“ ähnlich wie ihre Vorgängerin verkomme.

Die Grünen-Abgeordnete Solveig Eschen ist ebenfalls skeptisch: Sicherlich sei der Nachbau für den Museumshafen ein Gewinn, umso dringender müsse nun aber ein Gesamtkonzept entworfen und umgesetzt werden. „Das ist nötig, damit sich der Nachbau auf lange Sicht nicht als teures Geschenk entpuppt.“ Dass der Bund hingegen derartige Haushaltsüberschüsse nicht in Projekte gegen Kinderarmut und Arbeitslosigkeit lenke, sei aus „sozialpolitischer Perspektive bitter.“

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