Neugestaltung der Stadtstrecke Bremen

So soll das linke Weserufer aussehen

Die Entscheidung zur Neugestaltung der Stadtstrecke Bremen am linken Weserufer ist gefallen: Die Jury entschied sich für einen Berliner Entwurf.
10.02.2017, 18:05
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So soll das linke Weserufer aussehen
Von Pascal Faltermann

Die Entscheidung zur Neugestaltung der Stadtstrecke Bremen am linken Weserufer ist gefallen: Die Jury entschied sich für einen Berliner Entwurf.

„Es wird die größte Baumaßnahme, die Bremen in den letzten 50 Jahren gesehen hat“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Bausenators. Und es dürfte auch in den kommenden 50 Jahren der wohl größte stadtbildverändernde Eingriff in Bremen sein. Gemeint ist die Neugestaltung des Weserdeichs in der Neustadt, der sogenannten Bremer Stadtstrecke. Sie ist wegen der geplanten Fällung von 136 alten Platanen stark umstritten. Am Freitag stellten Staatsrätin Gabriele Friderich und Senatsbaudirektorin Iris Reuther den Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs vor. Die Fachjury unter Leitung von Reuther hat sich für den Entwurf des Berliner Planungsbüros Topotek entschieden. Die Planungsidee sieht unter anderem Spitzahorn statt der Platanen am linken Weserufer vor.

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Nach einer Präsentation und längerer Diskussion einigten sich die neun Jurymitglieder, unterstützt von Stellvertretern und Sachverständigen, auf den Entwurf des Planungsbüros Topotek. Die Planungsidee des Ateliers Loidl hatte damit das Nachsehen. Die Entwürfe der beiden Büros waren bereits im Oktober aus 14 Wettbewerbsbeiträgen ausgewählt worden, allerdings mussten die Büros ihre Ideen in Sachen Gestaltung und Hochwasserschutz anpassen, verbessern und weiterentwickeln. „Es sind zwei sehr gute Arbeiten mit exzellenten Landschaftsarchitekturentwürfen“, befand Staatsrätin Friderich. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehe das Thema Sicherheit für die kommenden Generationen durch den Hochwasserschutz, und zugleich gehe es um die Vorgaben für den Deichbau, sagte sie. Für den Gewinner gab es eine Prämie von rund 25 000 Euro.

Während für das Atelier Loidl die Hochwasserschutzwand als prägnantes Ingenieurbauwerk das tragende Element des Entwurfes darstelle, so Iris Reuther, stehen bei Topotek die Gesten zum Fluss und die Gestaltung der Freianlagen im Vordergrund. Dabei seien die notwendigen Funktionen des Hochwasserschutzes integriert.

Der Gewinner-Beitrag liefert nun die Grundlage für die Neugestaltung des gut 1,8 Kilometer langen Abschnitts an der linken Weserseite und der Kleinen Weser in der Neustadt. Die Strecke, für die Bauarbeiten geplant sind, verläuft zwischen der Eisenbahnbrücke und Stephanibrücke, vorbei an der Bürgermeister-Smidt- und Wilhelm-Kaisen-Brücke bis zur Piepe am Rotes Kreuz Krankenhaus.

Das Topotek-Planer sähen die Hochwasserschutzanlage an der Stadtstrecke als „großzügige Geste mit einem skulpturalen Charakter“, die die Besucher zum Bewegen und Verweilen einlade, erklärte die Jury. Für das Bauwerk sollen laut Senatsbaudirektorin in den horizontalen Elementen Beton verwendet werden sowie grauer Granit in den zum Teil besonders geneigten vertikalen Elementen. Das Zusammenfließen der verschiedenen Formen zeichne den natürlichen Flusslauf nach.

Promenade beziehungsweise Allee mit Ahornbäumen geplant

Durch lange Rampen und Wege sollen die Terrassen mit „Bewegungsräumen“, Sitz- und Liegeflächen verbunden werden. Auf der oberen Ebene soll dann eine Promenade beziehungsweise Allee mit Ahornbäumen entstehen. Wichtig sei an dieser Stelle die Entzerrung der Fußgänger- und Fahrradverkehre, da die Stadtstrecke als Bestandteil einer Fahrrad-Premiumroute geplant ist, ergänzte Staatsrätin Friderich. Weitere markante Punkte des Entwurfs seien großzügige Stufenanlagen am Beck’s-Ufer und an der Piepe, die zwischen der oberen Ebene, dem Stadtraum, und der unteren Ebene am Wasser vermitteln sollen.

Frühestens 2020, wenn das Planverfahren problemlos durchgeht, könne mit den Maßnahmen begonnen werden, hieß es. Mindestens sechs Jahre werden die Bauarbeiten in mehreren Abschnitten laufen. Dabei entstehen Gesamtkosten von rund 36 Millionen Euro, von denen laut Staatsrätin Friderich rund drei Viertel vom Bund getragen werden. Die Arbeiten werden notwendig, weil die Deiche in der Neustadt nach Einschätzung von Deichverband und Baubehörde nicht mehr den Schutzanforderungen entsprechen. Nach Vorgaben aus dem Generalplan Küstenschutz müssen sie langfristig erneuert werden. Dafür wurde der europa- und bundesweite Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben.

Kritik von der Bürgerinitiative „Platanen am Deich"

Die Bürgerinitiative "Platanen am Deich" kritisiert die geplante Fällung. Sie ist der Überzeugung, dass die 136 Bäume erhalten werden könnten. Die Gewinner-Idee sieht vor, acht Platanen an der Brautstraße zu erhalten. Diese Bäume seien jünger und stünden weiter vom Deich entfernt, sagte Behördensprecher Tittmann. Gefällt werden sollen die Bäume erst kurz vor dem Start der Bauarbeiten. Geplant sei, dass genau so viel Spitzahorn gepflanzt wird, wie jetzt Platanen am Deich stehen.

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