Fischtown Pinguins Die schönste Zeit fällt aus

Weil die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) alle Play-offs absagt, können die Fischtown Pinguins ihren historischen Erfolg nicht auskosten.
10.03.2020, 19:07
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Die schönste Zeit fällt aus
Von Olaf Dorow

Bremen. Nach dem Super-Erfolg der Super-GAU. Die Fischtown Pinguins hatten sich am Wochenende kaum retten können vor Glückwünschen. Sie hatten im vierten DEL-Jahr ihre beste Hauptrunde gespielt, Sie hatten sich erstmals direkt fürs Viertelfinale der Play-off-Runde qualifiziert. In gleich acht Kategorien hatten sie einen neuen Vereinsrekord aufgestellt, die gesamte Eishockey-Szene sprach voller Bewunderung von dem Team von der Nordseeküste. Die Schlagzeilen geizten nicht mit Superlativen, und am Montagabend lud man Pinguins-Trainer Thomas Popiesch ins TV-Studio von Radio Bremen ein. Er sprach dort über die „schönste Zeit des Jahres“: die Play-offs.

Die schönste Jahreszeit, die für die Pinguins am 17. März mit dem ersten Auswärtsspiel bei den Straubing Tigers beginnen sollte, wird es nicht geben. „Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) sieht sich gezwungen, die aktuelle Saison mit sofortiger Wirkung vorzeitig zu beenden. Die anstehenden Play-offs können nicht mehr durchgeführt werden. Grund dafür sind die Verbote diverser Bundesländer, Großveranstaltungen wie Spiele der DEL mit mehr als 1000 Zuschauern stattfinden zu lassen. Die DEL folgt damit auch den offiziellen Empfehlungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Gesundheitsminister Jens Spahn, die nun in den behördlichen Verboten umgesetzt wurden.“ So beginnt die Pressemitteilung, die am Dienstagabend aus der DEL-Zentrale verschickt wurde.

„Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Clubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid. Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus“, wird DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke in der Mitteilung zitiert. An diesem Mittwoch will er sich in Köln auf einer Pressekonferenz zu weiteren Fragen äußern.

Als Konsequenz aus dem vorzeitigen Ende der Saison wird es in diesem Jahr keinen Deutschen Meister geben. So teilte es die DEL am Dienstag mit. Die vier erstplatzierten Teams der Hauptrunde, der EHC Red Bull München, die Adler Mannheim, die Straubing Tigers und die Eisbären Berlin, werden die deutsche Liga in der kommenden Champions-League-Saison vertreten.

Dass nach derzeitigem Stand im Fußball Spiele vor leeren Rängen stattfinden sollen, im Eishockey dagegen aber gleich die gesamte restliche Saison abgesagt wird, könnte auch mit den möglicherweise sehr unterschiedlichen finanziellen Auswirkungen zu tun haben. Deutlich stärker als die mit üppigen TV-Einnahmen ausgestatteten Fußballklubs sind die Eishockeyklubs auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. „Ich kann mir nicht vorstellen“, hatte Pinguins-Manager Alfred Prey nach dem Erreichen des Viertelfinales gesagt, „dass wir in den Spielen gegen Straubing nicht ausverkauft sind.“

In die Bremerhavener Eisarena passen rund 4400 Besucher. Zwei Heimspiele hätte es gegen Straubing schon mal unter Garantie gegeben, eventuell wäre bei dem Modus „best of seven“ ein drittes hinzugekommen. In der Hauptrunde hatten die Pinguins zwei von vier Spielen gegen Straubing gewonnen.

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