Deutsche Meisterschaften U23-Leichtathletik Ein ganzer Satz Medaillen

Bremer Leichtathleten erfolgreich bei U23-Meisterschaften, doch die EM-Qualifikation ist weiter ungewiss
17.06.2019, 09:46
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein ganzer Satz Medaillen
Von Mathias Sonnenberg

Andrei Fabrizius muss als Sportwart das große Ganze im Blick haben. Er verantwortet die Leichtathletik-Abteilung von Werder Bremen, da gibt es nicht immer nur gute Nachrichten, die er verkünden muss. An diesem Wochenende war das anders, Fabrizius war der Stolz über seine Athleten deutlich anzuhören, als er ein Fazit zog nach den deutschen Meisterschaften der U 23 in Wetzlar. „Ein ganzer Satz Medaillen, wer hätte das denn gedacht“, meinte er am Sonntag, nachdem die Siegerehrungen vorüber waren. Die Bilanz ist tatsächlich gut: Nach der völlig überraschenden Goldmedaille für Stabhochspringerin Stina Seidler am Sonnabend zogen einen Tag später Fabian Linne mit Silber über 200 Meter und Philip Kass mit Bronze im Stabhochsprung nach.

Beim Stabhochsprung war der Wettkampf in Wetzlar eigentlich die letzte Möglichkeit, um noch ein Ticket für die U 20-Europameisterschaften in Boras (Schweden) vom 18. bis 21. Juli zu lösen. Bei Kass liegt die Norm bei 5,40 Meter. In Wetzlar sprang der 20-Jährige zwar auf den dritten Platz, doch die Normhöhe verpasste er bei 5,20 Meter um 20 Zentimeter. „Der Wettkampf war unterm Strich in Ordnung“, sagte Vater und Trainer Leszek Kass. „Aber es passte noch nicht alles, Philips Sprünge waren noch zu unregelmäßig.“ Und trotzdem ist der Traum von der EM in Schweden nun doch noch nicht geplatzt. „Der Bundestrainer hat erst einen Springer nominiert“, erklärte Kass überraschend, „insgesamt dürfen aber drei Athleten dabei sein.“ Heißt für Philip Kass, dass er am kommenden Wochenende in Göttingen bei den Landesmeisterschaften eine letzte Chance bekommt, die 5,40 Meter zu packen.

Gleiches gilt für Stina Seidler, die bei ihrem Sieg über 4,20 Meter die EM-Norm nur um fünf Zentimeter verpasste. Nachdem am Sonnabend noch die Meldung die Runde gemacht hatte, dass damit der EM-Start dahin sei, konnte Werder-Sportwart Fabrizius 24 Stunden später eine gute Nachricht verkünden. „Der Bundestrainer hat es Stina ermöglicht, dass sie bei den Landesmeisterschaften die EM-Qualifikation noch mal angehen darf.“ Fabrizius glaubt, dass die 20-Jährige dann das Ticket für Schweden lösen kann. „Sie muss das positive Erlebnis von Wetzlar jetzt mit in die Woche nehmen.“ Auch Kass wird dann noch mal alles in die Waagschale werfen. Die Prüfung zur Sporthochschule in Köln hat er in der vergangenen Woche erfolgreich bestanden, der Trainingsrhythmus wird darunter in dieser Woche nicht leiden.

Fabian Linne ist schon einen Schritt weiter. Auch in Wetzlar lief er über 200 Meter die EM-Norm von 21,30 Sekunden und bewies erneut, dass er richtig gut in Form ist. Das sieht auch Fabrizius so. „Sein Auftritt im Finale war überragend“, sagt er. Dabei war die Pause zwischen Vorlauf um 10 Uhr und dem Endlauf gegen 14 Uhr eigentlich viel zu lang. „So eine Pause macht müde und mürbe“, meinte Fabrizius, „aber Fabian hat gezeigt, dass er gut damit umgehen kann.“

Auch sein Trainer Andriy Wornart fand viele lobende Worte für seinen Schützling. „Die Zeit ist gut, der Platz ist gut, dieses Wochenende hat er sich wirklich verdient.“ Über die 200 Meter war in Wetzlar nur Felix Straub (SC DHfK Leipzig) schneller, der im Finale auf 21,20 Sekunden kam. Am Sonnabend war Linne auch über 100 Meter an den Start gegangen, dort jedoch nicht über den Vorlauf hinausgekommen. „Aber er konnte so schon mal die Bahn, die Startblöcke und das ganze Drumherum testen“, meinte sein Trainer.

Doch auch Linne hat das Ticket für die U 20-EM noch nicht sicher, obwohl er die erforderliche Zeit jetzt schon zweimal gelaufen ist. Der Bundestrainer aber will erst noch den Norm-Wettkampf in gut zwei Wochen in Mannheim abwarten. „Dann erst werden die Läufer nominiert“, sagt Wornart. Die Konkurrenz auf den 100- und 200-Meter-Strecken sei derzeit extrem hoch. „Fabian hat bewiesen, dass er schnell laufen kann. Aber wir werden jetzt noch mal hart arbeiten, damit es auch wirklich mit der EM-Qualifikation klappt.“

Für dieses Ziel wird Wornart das Training umstellen. „Wir müssen bei Fabian in der kommenden Woche andere Muskulaturen in den Beinen aktivieren und werden die Einheiten verändern.“ Dafür gibt es dann ein freies Wochenende, bevor in den Tagen vor Mannheim wieder an Linnes Schwachpunkt gearbeitet wird: dem Start. „Immerhin haben wir noch einen Punkt, an dem wir arbeiten können“, sagt Wornart und lacht. Er weiß, wie er Linne locken kann.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+