Klare Worte zum Millionen-Projekt Werder verschiebt den Neubau des Leistungszentrums

„Es gibt wichtigere Dinge derzeit“: Präsident Hess-Grunewald spricht Klartext zum Millionen-Projekt am Weserstadion.
08.05.2020, 07:02
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Werder verschiebt den Neubau des Leistungszentrums
Von Mathias Sonnenberg

Für die Spaziergänger rund um das Weserstadion und in der Pauliner Marsch ist es noch immer eine unbekannte Stille. Selten nur sind Rufe oder Anweisungen von den Trainingsplätzen des SV Werder zu hören, der Alltag für die meisten Fußballmannschaften beim Bundesligisten sieht seit Wochen unverändert aus: Es geht nichts. Beim Nachwuchsfußball tut sich nichts, auch in den Frauen-Mannschaften wird nicht auf den Plätzen trainiert. Eine Ruhe, die auch für das Projekt Leistungszentrum gilt. Denn nach jetzigem Kenntnisstand wird sich Werder zunächst von den Neubauplänen zurückziehen. Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald sagte dem WESER-KURIER: „Es ist schwierig, in der jetzt finanziell schwierigen Situation für den Verein noch den Bau eines Leistungszentrums obendraufzusatteln.“

Erstmals in der Vereinsgeschichte muss der Verein einen Kredit aufnehmen, um die finanzielle Lücke im Zuge der Corona-Krise füllen zu können. Für strukturelle Investitionen ist derzeit kein Geld vorhanden. Für Werder mehr als ärgerlich, denn seit das Projekt erstmals im November 2018 öffentlich vorgestellt wurde, hatte der Verein den Druck mehrfach erhöht. Das Ziel war klar: Das Leistungszentrum müsse zeitnah errichtet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Zwischenzeitlich kam es sogar zu einem Krach zwischen Hess-Grunewald und Joachim Lohse (Grüne), bis August 2019 Bremer Bausenator. Der hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er kein Fan eines Neubaus in der Pauliner Marsch samt Überschwemmungsgebiet ist. Zuletzt hatte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) zudem erklärt, dass die Politik sich wohl nicht an einer Finanzierung beteiligen werde. „Grundsätzlich sehen wir den Verein hier in der Pflicht, ein Leistungszentrum zu finanzieren“, hatte sie gesagt.

Dabei war der Verein in den letzten Monaten mithilfe eines Moderators verstärkt in die Gespräche mit den Anwohnern eingestiegen, von denen viele große Bedenken gegen das Projekt hegen. „Die Ergebnisse der Gespräche werden uns jetzt in Kürze mitgeteilt“, sagt Hess-Grunewald. Natürlich sei der Zeitplan mit den Workshops mit den Anwohnern oder einer Anwohnerversammlung angesichts der Versammlungsverbote ein Stück weit nach hinten geschoben. „Da müssen wir schauen, wann wir wieder in den normalen Kontakt eintreten können.“ Oder besser: Ob überhaupt wieder eine Kontaktaufnahme in nächster Zeit erforderlich ist.

Denn der gesamte Neubau mit Umkleidetrakt und Stadion, der ersten Kalkulationen zufolge über 30 Millionen Euro kosten sollte, steht jetzt auf der Kippe. „Das Planungs- und Genehmigungsverfahren wollen wir nach Möglichkeit auf jeden Fall fortführen“, sagt Hess-Grunewald. Aber der Verein müsse dann genau überlegen, wie und wann die Baupläne tatsächlich zu realisieren wären. Der Werder-Präsident weiß, um welche Fragen es geht. „Welche finanziellen Aufwendungen können wir beisteuern? Wo kommt womöglich noch ein Investor ins Spiel? Und welche Unterstützung bekämen wir von der Stadt?“ All das müsse man sich dann im Einzelnen anschauen. Es ist ein Spiel auf Zeit, das Werder jetzt droht – und der Ausgang ist völlig offen. Das bekennt auch Hess-Grunewald. „Das Leistungszentrum hat derzeit nicht die höchste Priorität bei uns und das gilt verständlicherweise auch für die Politik. Das ist für uns zwar ärgerlich, aber es gibt wichtigere Dinge derzeit, die geklärt werden müssen.“ Und es ist bei der derzeitigen Lage nicht absehbar, wann und ob Werder überhaupt einen Neuanfang für den Bau planen kann.

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