Saisonabbruch nun auch im Tischtennis

Meisterschaftswertung sorgt für Verärgerung in den Vereinen

Die deutschen Tischtennis-Verbände nehmen den Tabellenstand vom 13. März als Abschlusstabelle für die abgebrochene Saison 2019/20. Die Entscheidung vom Dienstagabend hat etliche Proteste ausgelöst.
02.04.2020, 19:48
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Meisterschaftswertung sorgt für Verärgerung in den Vereinen
Von Jörg Niemeyer

Den deutschen Landesverbänden im Tischtennis droht während der Corona-Krise Unruhe. Nicht wegen des Virus, sondern wegen der Unzufriedenheit einiger Mitglieder. „Es hat uns der Protest von einigen Vereinen schon erreicht“, sagt der Präsident des Fachverbands Tischtennis Bremen (FTTB), Tobias Genz, „und wir verstecken uns davor auch nicht.“ Am Dienstag hatten Vertreter des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) und der 18 Landesverbände in einer Telefonkonferenz beschlossen, dass der Mannschaftsspielbetrieb in ganz Deutschland von der untersten Kreisklasse bis zur Bundesliga der Damen inklusive der Pokal- und Relegationsspiele mit sofortiger Wirkung beendet ist.

Einzige Ausnahme ist noch die Bundesliga der Herren (TTBL). Ihre Verantwortlichen hoffen, die Saison bis zum 30. Juni mit einer sportlichen Entscheidung um die Meisterschaft beenden zu können. Chancen hat auch der SV Werder Bremen, der in der abgebrochenen TTBL-Hauptrunde Platz vier belegte und im Halbfinale auf den 1. FC Saarbrücken träfe, sofern gespielt werden kann. Geplant war, dass auch das TTBL-Endspiel am 6. Juni im Rahmen der Großveranstaltung „Die Finals Rhein-Ruhr 2020“ ausgetragen werden sollte. Die Veranstaltung ist inzwischen wegen der Corona-Krise abgesagt worden.

„Wahl zwischen Pest und Cholera“

In der Konferenz am Dienstagabend hatten die Verbände entschieden, die Tabellen vom 13. März 2020 als Abschlusstabelle der jeweiligen Spielklasse heranzuziehen. Das bedeutet: Der Verein, der nach dem letzten regulären Spieltag vor dem Saisonabbruch auf einem Abstiegsplatz rangiert, steigt ab – auch dann, wenn er theoretisch den Klassenerhalt noch hätte schaffen können. Wer auf einem Aufstiegsplatz steht, steigt auf. In anderen Sportarten hatten die Verantwortlichen in derartigen Fällen zu Gunsten der Betroffenen entschieden: also Nichtabstieg bei theoretisch möglicher Rettung oder Aufstieg, wenn eine zum Aufstieg berechtigende Platzierung theoretisch noch möglich gewesen wäre.

„Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt FTTB-Chef Tobias Genz. Als Alternative zur jetzt beschlossenen Variante habe es die Möglichkeit gegeben, die Tabelle nach der Hinrunde als Abschlusstabelle zu nehmen. Damit wären die anschließend ausgetragenen Partien aus der Wertung geflogen, was laut Wettspielordnung des DTTB nicht zulässig sei. Demzufolge hätte die Hinrundentabelle als Abschluss eigentlich nicht zur Diskussion stehen dürfen. Wie auch immer: Die Verbände entschieden sich letztlich für den Stand am 13. März als Endstand.

Härtefall-Regelungen sind möglich

Die Leiterin Öffentlichkeitsarbeit des DTTB, Simone Hinz, war am Donnerstag nach etlichen Protesten aus den Vereinen damit beschäftigt, die Gründe für die Entscheidung noch einmal auf der Verbandshomepage darzulegen (im Internet nachzulesen unter www.tischtennis.de). Unter anderem heißt es auf der Seite: „Sollte es in Einzelfällen zu Härten kommen, könnten diese auf den verschiedenen Ebenen wenn möglich aufgefangen werden.“ Das lässt die Möglichkeit zu, dass ein Landesverband im begründeten Einzelfall durchaus noch anders entscheiden könnte als die Abschlusstabelle es vorsieht.

Im Grundsatz gilt die jetzt getroffene Regelung bundesweit, was allen Verbänden gleichermaßen wichtig war, wie auch Tobias Genz betont. Allerdings obliegt den Landesverbänden nun trotzdem noch außer der Entscheidung in Härtefällen die Entscheidung, was mit den Mannschaften auf den Relegationsplätzen in den einzelnen Ligen passieren wird. Der DTTB hat für die oberen, in seinen Zuständigskeitsbereich fallenden Spielklassen bereits festgelegt, dass jedem Team, das auf einem Relegationsplatz steht, der Aufstieg beziehungsweise der Klassenerhalt angeboten werde – wohl zugleich ein klarer Fingerzeig für die Landesverbände. „Wir werden in dieser Frage vermutlich in der kommenden Woche die Entscheidung bekannt geben“, sagt Tobias Genz. Bevor die Planungen für die neue Saison beginnen, erwarten ihn und seine Mitarbeiter also noch einige Gespräche.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+