Prozess vor dem Bremer Amtsgericht

Sechs Werderfans wegen Körperverletzung verurteilt

Sie hatten einen Ordner im Bremer Weserstadion während eines Streits in der Halbzeitpause schwer an der Nase verletzt. Am Montag sind sechs Ultras zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden.
09.03.2020, 13:15
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Sechs Werderfans wegen Körperverletzung verurteilt
Von Nina Willborn
Sechs Werderfans wegen Körperverletzung verurteilt

Die Männer, die in den Streit mit den Ordnern gerieten, gehören zur Szene der Ultras in der Ostkurve.

nordphoto / Ewert

Sie hatten einen Ordner im Bremer Weserstadion beim Heimspiel gegen Bayern in der Hinrunde der Saison 2017/2018 während eines Streits in der Halbzeitpause schwer an der Nase verletzt. Am Montag hat das Amtsgericht sechs Ultras wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung schuldig gesprochen. Einer der sechs Männer wurde zu sieben Monaten und zwei Wochen Haft auf Bewährung verurteilt, die anderen fünf zu Geldstrafen zwischen 1800 Euro und 4800 Euro. Aufgrund der Strafhöhe und der Anzahl der Tagessätze (zweimal 90, 120 und 160 Euro), die der Richter anordnete, sind fünf der Männer zwischen 23 und 31 Jahren nun vorbestraft.

Auslöser des Ärgers war ein Kameramann des Senders Sky gewesen, der in der ersten Halbzeit für längere Zeit den Block der Ostkurve gefilmt hatte, in dem auch die sechs Männer gestanden hatten. Einer der Ultras, der wegen seines Fahnenpasses und interner Absprachen den Innenraum normalerweise betreten darf, hatte in der Halbzeitpause mit dem Kameramann reden wollen. Er war aber dann von zwei – zum ersten Mal im Weserstadion eingesetzten – Ordnern gestoppt und im Lauf eines Wortgefechts zu Boden gedrückt worden. Das hatte die anderen fünf offenbar so provoziert, dass sie sich in die Auseinandersetzung einmischten.

„Es war nicht von Anfang an der Plan, auf einen Ordner loszugehen“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Allerdings sei ihren Anweisungen Folge zu leisten, auch wenn sie neu und nicht die gewohnten Ansprechpartner der Fans gewesen sein mögen. „Die Ultraszene meint aber, sie hätte das Hausrecht“, sagte der Richter. Nach seinem erfolglosen Diskussionsversuch habe der erste Ultra nicht dazu beigetragen, die Lage zu deeskalieren, die anderen sich später – teils um den Kollegen zu verteidigen, teils aus Lust an einer Prügelei – eingemischt. Es gibt Videoaufnahmen der Prügelei, sie waren am ersten Verhandlungstag gemeinsam von den Prozessbeteiligten angesehen worden. Als schwerwiegend wertete der Richter, dass einer der Männer, der später hinzugekommen war, einen im Laufe der Prügelei zu Boden gegangenen Ordner mehrere Male ins Gesicht treten hatte. Der Mann war bereits vor der Tat unter anderem wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten.

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Strafmildernd hingegen wirke die Tatsache, dass sich alle Angeklagten reumütig gezeigt hatten und ernsthaft um Wiedergutmachung bestrebt gewesen waren. Sie hatten an zwei der Opfer Schmerzensgeld gezahlt, einem von ihnen nach einem persönlichen Gespräch 2000 Euro statt wie zuvor angeboten 700 Euro.

Der Richter blieb mit seinem Urteil unter den Forderungen der Staatsanwältin. Sie hatte Haftstrafen zwischen neun und sechs Monaten auf Bewährung sowie zusätzliche Geldstrafen gefordert. Die Anwälte der Angeklagten hatten in zwei Fällen auf Freispruch und in den anderen auf geringere Tagessätze plädiert. Bestraft worden waren die Ultras auch von Werder und der Polizei: Alle hatten direkt nach der Prügelei für bis zu zwei Jahre Stadion- beziehungsweise an Spieltagen Betretungsverbote des Gebiets rund ums Stadion erhalten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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