Rennbahngelände in der Vahr

Zukunft des Galoppsports ungeklärt

Nach dem Volksentscheid könnte es auch wieder Rennen in der Vahr geben – doch wie realistisch ist das? Der Rennverein ist gesprächsbereit, doch wenn es dazu käme, stünde der Klub vor einer großen Herausforderung.
06.06.2019, 18:11
Lesedauer: 4 Min
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Zukunft des Galoppsports ungeklärt
Von Frank Büter

Bremen hat gewählt – und sich dabei am 26. Mai mit einer Mehrheit von 55,88 Prozent gegen eine Bebauung der Galopprennbahn in der Vahr ausgesprochen. Die Stadt Bremen hatte beabsichtigt, auf dem etwa 30 Hektar großen Areal im Bremer Osten bis zu 1200 Wohnungen entstehen zu lassen und dafür im Vorfeld die Verträge mit dem Rennverein sowie der in dem Oval ansässigen Golf-Range gekündigt. Diese Pläne waren auf Widerstand einer Bürgerinitiative gestoßen, die einen Volksentscheid organisierte und dabei vom Bremer Rennverein unterstützt wurde. Das Votum der Bürger sorgt nun einerseits für Klarheit, wirft aber mit Blick auf die Zukunft des Galoppsports in Bremen auch viele neue Fragen auf.

Was konkret besagt das Ergebnis des Volksentscheids?

„Das Ergebnis dieser Volksbefragung ist zunächst einmal sehr positiv“, sagt Frank Lenk, der Sprecher des Bremer Rennvereins. „Da hat die Bürgerinitiative um Andreas Sponbiel wirklich einen tollen Job gemacht.“ Was das Votum nun für die Rennbahn an sich bedeutet, vermag Lenk indes nicht einzuschätzen. Die Bürgerinitiative hatte vor der Wahl für den Erhalt des Areals geworben, aber nicht explizit für den Erhalt und den Weiterbetrieb der Rennbahn. „Das ist teilweise auch etwas untergegangen oder wurde vermischt“, betont Lenk. „Es gab bestimmt auch Menschen, die gedacht haben, der Erhalt des Geländes bedeutet auch den Erhalt der Rennbahn.“ Dem aber ist nicht so, denn inhaltlich haben die Bürger grundsätzlich nur dem Gesetzentwurf zugestimmt, der den Erhalt der Fläche als grüne Ausgleichsfläche und deren Weiterentwicklung für Erholung und Freizeit, Sport und Kultur vorsieht.

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Was passiert im Moment auf dem Rennbahngelände?

Ende 2015 war dem 1857 gegründeten Rennverein vonseiten der Stadt der Pachtvertrag gekündigt worden, zum Jahresende 2017 hatte der Verein das Areal geräumt und Karfreitag 2018 noch einen offiziellen Abschiedsrenntag mit rund 7500 Besuchern veranstaltet. Als Zwischennutzung bis zum angedachten Baubeginn wurde das Gelände seither an Landolf von Kürten verpachtet. Der Züchter lässt dort zurzeit seine Pferde trainieren und kümmert sich im Gegenzug um die Pflege der Anlage. Wie lange die Vereinbarung mit dem neuen Pächter läuft und ob der Vertrag gegebenenfalls auch kurzfristig beendet werden kann, ist unbekannt.

Hat der Galoppsportstandort Bremen doch wieder eine Zukunft?

Fakt ist, die Bagger rollen nicht, die Veranstaltungsstätte ist weiterhin vorhanden. Fakt ist aber auch, dass der Galoppsport bei den Gedankenspielen und Planungen in der jüngeren Vergangenheit allenfalls eine Nebenrolle gespielt hat. Nach dem Volksentscheid gilt es nun also zunächst von politischer Seite zu klären, wie die künftige Nutzung des Areals konkret aussehen soll. Der Rennverein selbst hat keine Handhabe – und aktuell auch keinen Ansprechpartner aufseiten der Politik, da nach der Wahl erst einmal die Zuständigkeiten sondiert und geklärt werden müssen. „Unsere Position ist aber bekannt“, sagt Vereinssprecher Lenk. „Wir haben immer betont, dass wir weitermachen wollen.“ Und daran habe sich auch nichts geändert. „Wir sind gesprächsbereit“, sagt Lenk.

Was müsste der Rennverein tun, um als Pächter auf die Bahn zurückzukehren?

„Das ist ein sehr sensibles Feld und eine komplexe Situation“, sagt Frank Lenk. „Wir können nichts fordern, sondern nur wünschen. Und wir müssen gucken, wo in der jetzigen Interessenlage unser Platz ist.“ Die Uhr zurückzudrehen und die Rennbahn wieder allein zu betreiben, hält er für nicht realistisch. Jetzt müsse man schauen, wie man in der Gemengelage mit allen anderen Interessen, Vorstellungen und Wünschen übereinkommt und eine Lösung findet. Lenk regt dafür einen Runden Tisch an – und wünscht sich, dort geladen zu sein und dann auch Gehör zu finden. „Man könnte auf uns zukommen, wenn man es denn wollte.“ Darauf zu warten, könnte indes müßig sein, denn ein Fortbetrieb der Rennbahn war politisch nicht gewollt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Rennverein noch mal eine Chance bekommt, schätzt auch Lenk selbst daher als eher gering ein.

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Wie ist die Situation beim Bremer Rennverein?

Der Rennverein ist nach wie vor aktiv, der Vorstand ist komplett. „Wir haben uns nicht aufgelöst und könnten uns schon vorstellen, wieder zwei, drei Rennen im Jahr auszurichten“, sagt Lenk. Nicht mehr in diesem Jahr, womöglich aber schon 2020. „Dafür müssten wir aber erst mal wieder in ein Mietverhältnis kommen mit der Stadt.“ Wenn es dazu käme, stünde der Klub um Präsidentin Tonya Rogge allerdings auch vor einer großen Herausforderung – logistisch und wirtschaftlich. Die Startmaschine hat der Verein zwischenzeitlich verkauft, die Sponsorensuche würde bei null beginnen. „Es sind viele Stellschrauben zu bewegen, es würde einen Moment dauern, um uns wieder aufzustellen und die Infrastruktur wieder hochzufahren“, sagt Lenk. Grundsätzlich aber, das betont der Vereinssprecher, sei man gewillt, die Tradition wieder aufleben zu lassen. Der Karfreitag war für die Galoppszene in Deutschland immer ein besonderer Tag. Da nämlich wurde stets auf dem Rennoval in der Vahr bundesweit die grüne Saison eröffnet. Diesen Karfreitag-Renntag wieder zu beleben, „das wäre ein starkes Signal“, sagt Frank Lenk.

Info

Zur Sache

Renntage in Rastede bleiben ein Thema

Der Bremer Rennverein kämpft weiter um seinen Traditionsstandort in der Vahr und würde dort in naher Zukunft auch gerne wieder als Ausrichter von Galopprenntagen auftreten. Das hat der Klub nach der Kündigung des Pachtvertrags durch die Stadt und dem Verlust seiner Heimstätte stets betont. Unabhängig davon haben sich die Verantwortlichen um Präsidentin Tonya Rogge zuletzt auch nach möglichen Veranstaltungsorten in der Umgebung umgeschaut. Ein heißer Kandidat war die idyllisch gelegene Anlage im Schlosspark zu Rastede – und ist es noch, wie Vereinssprecher Frank Lenk bestätigt. Bereits für das laufende Jahr hatte der Rennverein dort zwei Wochenendtermine angemeldet, mit der Umsetzung aber haperte es, weil die Gespräche mit den Partnern vor Ort ins Stocken geraten waren. „Anfang nächsten Jahres wird es wieder Gespräche geben“, sagt Lenk. „Rastede bleibt ein Thema.“

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