Gastkommentar über Extremwetter Mehr Klimaschutz für einen angenehmen Sommer

Die Hitzewelle hat Probleme mit Extremwetterlagen aufgezeigt. Wie damit umgehen? Raus aus Kohlekraftwerken, mehr Fassadenbegrünung, nachhaltige Regenwassernutzung fordert Gastautorin Maike Schaefer.
19.08.2018, 15:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Maike Schaefer

Die jüngste Hitzewelle mag ein Extremwetterereignis sein. Aber sie gibt uns einen Vorgeschmack auf das, was renommierte Forscher als Klimafolgen für Bremen und den Nordwesten prognostizieren: heiße trockene Sommer und nasse Winter. Der Klimawandel ist im vollen Gang. Diese unbequeme Wahrheit länger zu ignorieren, ist verantwortungslos. Klar finden die meisten von uns Bremern es toll, wenn oft die Sonne scheint und wir kein Schmuddelwetter haben.

Aber die extreme Hitze gerade in den Städten ist nicht nur wegen der gesundheitlichen Risiken für geschwächte Menschen und viele Tiere eine Qual, sie geht auch einher mit dem Absterben von Bäumen und Pflanzen in Gärten und Parks, mit akuter Brandgefahr und mit massiven Ernteausfällen in der Landwirtschaft. Wasserknappheit wird plötzlich ein Thema. Auf der anderen Seite müssen wir häufiger mit Starkregen bei Unwettern rechnen ‒ das ist für die Betroffenen schlecht und für den Logistikstandort bedrohlich.

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Die Uhr tickt, konsequenter Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Für Bremen heißt das: So schnell wie möglich raus aus der Kohleenergie. Statt die Klimakiller-Kohlekraftwerke in Bremen weiter zu betreiben, müssen wir den Ausbau der Fernwärme und die Nutzung von Abwärme aus der Industrie forcieren. Der Bund darf nicht länger den Ausbau der Erneuerbaren Energien drosseln. Wir brauchen den Ausbau der Offshore-Windenergie dringend.

Aber auch die Bremer Politik ist gefordert: Wir müssen Frischluftschneisen erhalten. Statt Grünflächen am Stadtrand zu versiegeln und Kleingärten zu betonieren, ist mehr Grün in der Stadt nötig: mehr Fassadenbegrünung zum Herunterkühlen, mehr und besser geschützte Bäume als Schattenspender. Für ein besseres Klima in der Stadt sorgen auch begrünte Dächer, die zugleich das Wasser bei Starkregen zurückhalten. Bremen braucht eine Gründachverordnung für Neubauten ‒ gerade auch für die großen Dachflächen in Gewerbegebieten. Und die Stadtplanung muss mehr Senken als Sammelflächen für Regen mitdenken, um Bremen gegen Starkregen zu wappnen. Ganz sicher werden wir auch Regenwasser besser nutzen müssen. Denn wenn es im Winter viel regnet, macht es Sinn, diese Ressource zu speichern, statt im Sommer kostbares Trinkwasser zu vergeuden. Ob Förderung von Zisternen oder Regenwassernutzung für Klospülungen: Jeder Tropfen hilft. Klimaschutz und Klimaanpassung müssen Hand in Hand gehen, um den Klimawandel und seine negativen Folgen zu bremsen ‒ damit wir auch künftig den Summer in the City unbeschwert genießen können.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin hat bis 2007 als Biologin am Zentrum für Umweltforschung an der Uni Bremen gearbeitet. Seit 2015 ist sie Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in der Bremer Bürgerschaft.

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