Erzieher-Ausbildung Eine große Chance

Das SZ Blumenthal bietet seit diesem Jahr die Erzieher-Ausbildung in Teilzeit an. Sie richtet sich an Bewerber, die aus familiären Gründen keine Vollzeitausbildung besuchen oder weiter berufstätig sein möchten.
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Eine große Chance
Von Julia Ladebeck

Eine Ausbildung in Vollzeit käme für Tamara Rolbiecky derzeit nicht infrage. Die 23-Jährige ist Mutter von eineinhalbjährigen Zwillingen, ihr Mann arbeitet in Vollzeit. Die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Erzieherin in Teilzeit zu machen, war für die junge Frau daher eine willkommene Lösung. „Dadurch habe ich die Möglichkeit, beides zu machen. Ich kann lernen und mich um die Kinder kümmern“, sagt sie. Tamara Rolbiecky ist eine von derzeit neun Schülerinnen und Schülern, die seit August die Erzieher-Ausbildung in Teilzeit an der Fachschule für Sozialpädagogik am Schulzentrum (SZ) Blumenthal absolvieren.

Der Job von Erziehern ist fordernd. Im Beruf stehen sie vor zahlreichen Herausforderungen, beschäftigen sich unter anderem mit Sprachförderung, Inklusion und Entwicklungsstörungen bei Kindern. Dementsprechend anspruchsvoll ist die Ausbildung. Da einerseits Fachkräfte fehlen und es andererseits vielen potenziellen Bewerbern nicht möglich ist, die Ausbildung in Vollzeit zu machen, ist in Bremen die Zahl der Teilzeitausbildungsplätze für Erzieher erhöht worden. In Bremen-Nord bietet das SZ Blumenthal die Ausbildung in Teilzeit seit diesem Jahr am Standort Lüder-Clüver-Straße an. 25 Plätze stehen dort pro Jahrgang zur Verfügung.

Die Gründe, warum sich die Schüler für eine Ausbildung in Teilzeit entscheiden, sind ganz unterschiedlich, weiß Daniela Thies, stellvertretende Schulleiterin am SZ Blumenthal. Einige können aus finanziellen Gründen nicht auf einen Job verzichten, bei anderen sind es familiäre Gründe, wieder andere möchten ihre Stelle nicht aufgeben, die sie schon seit vielen Jahren haben und auch nach der Ausbildung behalten wollen.

Dreifach-Belastung

„Bei der Erzieher-Ausbildung handelt es sich um eine Weiterbildung, ganz gleich, ob sie in Vollzeit oder in Teilzeit gemacht wird“, erläutert Daniela Thies. Die Zugangsvoraussetzungen sind in beiden Fällen gleich. Wer einen Realschulabschluss mit der Note befriedigend oder besser im Fach Deutsch hat, benötigt zusätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein Jahr Praxiserfahrung mit Kindern oder Jugendlichen oder muss eine dreijährige Berufstätigkeit in einem sozialpädagogischen Einsatzfeld nachweisen. Auch wer eine abgeschlossene Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten oder zum Kinderpfleger hat, erfüllt die Voraussetzung.

Bewerber mit einem Fachabitur oder Abitur müssen zusätzlich ein Jahr Praxis mit Kindern und Jugendlichen gemacht haben, beispielsweise in Form eines Praktikums, eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder des Bundesfreiwilligendienstes. Außerdem ist die Teilnahme an einem Beratungsgespräch Voraussetzung für die Aufnahme.

Marlene Griesbach hat bereits im Jahr 2006 eine Ausbildung zur Kinderpflegerin gemacht. Die 33-Jährige arbeitet in einer Krippengruppe im Lesumer Kindergarten Kefi, der von einem Elternverein betrieben wird. „Als Kinderpflegerin darf ich alleine keine Gruppe leiten und nur als Zweitkraft arbeiten“, erläutert sie den Grund für ihren Entschluss, zusätzlich eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. Ihr Arbeitgeber habe sie in dem Wunsch unterstützt, betont sie. „Wenn ich den Job ganz aufgeben müsste, würde uns mein Lohn komplett fehlen“, sagt Marlene Griesbach, die mit ihrem siebenjährigen Sohn, ihrem Mann und dessen zwölfjähriger Tochter in Ritterhude lebt. „So habe ich vorübergehend meine Stunden reduziert und so geht es finanziell.“

Leicht sei die Dreifachbelastung nicht, betont die angehende Erzieherin, die nun die Anforderungen ihres Jobs, die Ausbildung und die Familie koordinieren und bewältigen muss. „Zeit für Hobbys bleibt momentan jedenfalls nicht“, sagt sie lachend. Auch Magnus Tardu arbeitet neben der Teilzeitausbildung. Der 44-Jährige ist pädagogischer Mitarbeiter an der Grundschule Alt-Aumund. „Ich habe schon als Lehramtsstudent damit begonnen, an Grundschulen zu arbeiten und mache das inzwischen seit 16 Jahren.“ Er hat zwar bis zur Prüfung studiert, dieses dann aber nicht bestanden. „Dadurch haben sich dann Blockaden in meinem Kopf aufgebaut“, erzählt er.

Jahrelang hatte er nur befristete Stellen und arbeitete zusätzlich als Nachhilfelehrer. Inzwischen ist Magnus Tardu verheiratet, seine Frau hat zwei Kinder mit in die Ehe gebracht. Die finanzielle Verantwortung für den Familienvater ist gestiegen und so entschied er sich, die Ausbildung zum Erzieher in Teilzeit zu machen. „Wir brauchen mein regelmäßiges Einkommen und können darauf nicht verzichten“, sagt er. 20 Stunden arbeitet er neben der Ausbildung. „Das ist insgesamt ein hohes Pensum. Ich nehme die Schulsachen sogar mit ins Fitnessstudio aufs Laufband, wenn ich für eine Klausur lernen muss. Freizeit habe ich kaum noch.“ Dafür bietet ihm die Ausbildung zum Erzieher nach dem Abschluss die Aussicht auf eine unbefristete Stelle.

Eine wichtige Voraussetzung, um die Mehrfachbelastung bewältigen zu können, da sind sich die drei angehenden Erzieher einig, ist die Unterstützung und der Rückhalt durch die Familie oder Freunde. „Wenn ich meine Mutter und meine Schwester nicht hätte, würde ich es nicht schaffen“, betont Tamara Rolbiecky und erläutert: „Die Kinder werden nur bis 16 Uhr in der Kita betreut. Ich habe an zwei Tagen bis 17 Uhr Schule und mein Mann arbeitet lange. Jemand muss die Kinder abholen.“ Auch Marlene Griesbach wird bei der Betreuung ihres Sohnes von ihrer Mutter unterstützt. „Anders geht es nicht“, betont sie.

Aus der Schule gleich in die Praxis

Trotz des Stresses sei die Arbeit mit den Kindern in den Praxisanteilen der Ausbildung jedes Mal eine Belohnung, findet Magnus Tardu. „Ich kann das, was ich in der Ausbildung gelernt habe, außerdem oft gleich in meiner Arbeit in der Schule umsetzen.“ Hinzu kommen regelmäßige Projekte, die die Auszubildenden für Kinder unterschiedlicher Kitas vorbereiten. Jüngst haben sie Mädchen und Jungen der Kita Martin-Luther-Gemeinde zu einer Praxisstunde eingeladen, in der es um ein Märchen ging. „Wenn man sieht, wie die Kinder sich freuen, ist der Stress vergessen“, sagt Magnus Tardu.

Während die klassische Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher aus einer zweijährigen schulischen Ausbildung und einem daran anschließenden Anerkennungsjahr besteht, dauert die Teilzeitausbildung insgesamt vier Jahre. „Der schulische Teil verlängert sich um ein Jahr. Schüler, die nebenbei im sozialpädagogischen Bereich arbeiten, haben aber die Möglichkeit, das Anerkennungsjahr zu verkürzen“, erläutert Daniela Thies. „Die Ausbildungsinhalte entsprechen vollständig denen der Vollzeit-Ausbildung. Die Qualität in der Ausbildung ist uns sehr wichtig“, betont die stellvertretende Schulleiterin.

Den Unterschied macht das zeitliche Modell, denn in der Teilzeitausbildung finden sowohl der Theorieunterricht als auch die Praxisphasen wöchentlich an nur drei Tagen statt. „Die Montage und Dienstage sind volle Schultage mit insgesamt 18 Stunden und am Mittwoch haben die Schüler nachmittags vier Stunden Unterricht.“ Ziemlich straff ist der Zeitplan, finden die Schüler. „Wir haben in den zweieinhalb Tagen neun bis elf unterschiedliche Fächer“, erzählt Tamara Rolbiecky. Dennoch sieht sie die Teilzeitausbildung als große Chance. „Ich bin sehr glücklich, dass es diese Ausbildung in Teilzeit gibt, weil ich sie sonst nicht machen könnte.“

Info

Zur Sache

Erzieher-Ausbildung in Teilzeit

Bei dieser Ausbildung findet der Unterricht an drei Tagen in der Woche in der Schule statt. Sie richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber, die aus familiären Gründen keinen Vollzeitbildungsgang besuchen können oder neben der Ausbildung weiter berufstätig sein möchten. Die Ausbildung dauert vier Jahre (drei Jahre Fachschule plus ein Jahr Anerkennungspraktikum). Bewerbungsschluss ist jeweils der 1. März (jährlich).

Drei staatliche Fachschulen bieten im Land Bremen die Erzieher-Ausbildung in Teilzeit an: das Schulzentrum Blumenthal (25 Plätze), das Schulzentrum Neustadt (50 Plätze) und die Berufsbildenden Schulen Sophie Scholl in Bremerhaven (25 Plätze). Nähere Informationen zur Erzieher-Ausbildung (Vollzeit und Teilzeit) am SZ Blumenthal gibt es unter www.sz-blumenthal.de. Die Teilnahme an einem Beratungsgespräch ist Voraussetzung für die Aufnahme in den Bildungsgang. Beratungsgespräche werden an folgenden Terminen angeboten: 18. Januar, 25. Januar, 8. Februar, 15. Februar, 22. Februar und 1. März, jeweils freitags ab 14 Uhr oder nach Absprache. Eine Anmeldung zum Beratungsgespräch ist nicht erforderlich.

Weitere Informationen sind am Schulzentrum Blumenthal, Standort Lüder-Clüver-Straße 10, Telefonnummer 04 21 / 36 19 95 25 erhältlich.

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