Woll-Kämmerei-Gelände

Badplaner reservieren sich Industriebau

Vereinsfunktionär Christian Gerken und sein Team wollen aus der sogenannten Fliegerhalle auf dem Kämmerei-Gelände eine Schwimmhalle machen. Jetzt haben sie sich den Industriebau reservieren lassen.
18.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Badplaner reservieren sich Industriebau
Von Christian Weth
Badplaner reservieren sich Industriebau

Die Fliegerhalle als Schwimmhalle: So stellen sich die Planer das Millionenprojekt auf dem Woll-Kämmerei-Gelände vor.

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Manche lassen sich Möbel zurücklegen oder ein Paar Schuhe – Christian Gerken reserviert sich dagegen ein Industriegebäude: Die Wirtschaftsförderung hat jetzt zugesagt, die sogenannte Fliegerhalle auf dem Woll-Kämmerei-Gelände für ihn und sein Vorhaben vorzumerken. Gerken will aus dem Bau ein Bad für Vereine machen. Es ist ein Projekt, das es so noch nicht gegeben hat. Nicht die Stadt will Becken und Bahnen bauen, sondern ein Verein. Mit Millionen, die er nicht hat.

Die Nachricht von der Wirtschaftsförderung kam zweimal: erst per E-Mail, dann per Post. Gerken sagt, dass für ihn das Schreiben ein wichtiges Signal ist. Die Stadt, meint der Chef der Schwimmsparte der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack, steht hinter der Idee. Zumindest ein Stück weit. Es ist das zweite Mal, dass die Wirtschaftsförderung als Vermarkterin von Gewerbegrundstücken eine Immobilie auf dem Woll-Kämmerei-Gelände für einen Verein reserviert hat.

Auch die Farger Turner und Tänzer planen ein Bauprojekt auf dem Industriegelände. Auch bei ihnen geht es um Millionen. Der Unterschied zwischen ihrer Mehrzweckturnhalle und Gerkens Schwimmbad ist allerdings, dass sie mit dem Bildungsressort einen Ankermieter haben – und der Spartenchef und sein Team ohne eine Behörde als Partnerin auskommen müssen und wollen. Das Geld für die Halle soll nicht von Banken kommen, sondern fast ausschließlich von Sponsoren.

Das ist auch der Grund, warum Gerken das Signal der Stadt so wichtig war. Geldgeber, meint er, lassen sich nun mal leichter überzeugen, wenn es jemanden wie die Wirtschaftsförderung gibt, der mit einer Reservierung deutlich macht, dass die Idee einer Schwimmhalle gut ist. Neun Millionen Euro wollen Gerken und seine Helfer für das Projekt zusammenbekommen. Der Industriebau ist für sie zunächst bis Ende August geblockt. Es gibt eine Option, die Frist um ein halbes Jahr zu verlängern.

Gerken sagt, sich bewusst zu sein, dass sein Vorhaben ein ehrgeiziges Vorhaben ist. Seinen Optimismus, dass es gelingt, begründet der Unternehmensberater mit seinen deutschlandweiten Kontakten zu Firmen. Mit seinem Projektteam, zu dem Banker, Techniker und Beamte gehören. Und damit, dass der Betrag, den sie allein in anderthalb Wochen zusammenbekommen haben, fünfstellig ist. Mehrmals in der Woche, sagt Gerken, gibt es mittlerweile Gespräche mit potenziellen Sponsoren.

Der Sportfunktionär geht davon aus, dass es jetzt, nachdem die Fliegerhalle für ein Vereinsbad vorgemerkt ist, mit den Zusagen von Geldgebern schneller geht. Und es noch schneller gehen würde, wenn er von der Stadt genannt bekäme, was er schon vor Wochen angefragt hat: eine Summe, wie viel Bremen für den leer stehenden Industriebau denn nun haben will. Und welche Ausmaße eigentlich die Flächen haben, die zum Gebäude dazugehören.

Dass Gerken das wissen will, kommt nicht von ungefähr. Er will sein Konzept für die Schwimmhalle verfeinern. Birgit Bergmann findet es schon jetzt so gut, dass sie den Spartenleiter und sein Team seit Monaten unterstützt. Die FDP-Bürgerschaftsabgeordnete kann nicht verstehen, dass die Stadt noch kein Gutachten in Auftrag gegeben hat, um den Verkehrswert der Fliegerhalle zu ermitteln. Wie, fragt sie, soll ein Projekt vorankommen, wenn nach wie vor grundlegende Angaben fehlen?

Das Konzept fürs Schwimmbad hat Gerken inzwischen Stadtteilpolitikern, Behörden und Senatoren vorgestellt. Es kommt auf 30 Seiten. Das Papier enthält einen Grundrissplan, wo was hinsoll. Eine Liste von Firmen, die aus der Flieger- eine Schwimmhalle machen wollen. Und Tabellen, bei denen es mal um die veranschlagten Kosten geht, mal um die prognostizierten Zeiten, wann welcher Verein, welche Eltern-Kind-Gruppe und welche Rehasportler die Becken und Bahnen nutzen.

Kristin Viezens weiß, dass die Badplaner viel zusammengetragen haben. Die Sprecherin von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) sagt aber, dass das Ressort noch mehr von den Projektentwicklern wissen muss als bisher bekannt ist, damit der Verkehrswert des Gebäudes ermittelt werden kann. Viezens spricht von Brandschutzauflagen, von Rettungswegen und von Notausgängen. Und davon, dass die Behörde die offenen Fragen mit Gerken und seinem Team demnächst klären will.

Den Spartenleiter würde das freuen. Nach seinem Zeitplan sollen nämlich noch in diesem Jahr die Bauarbeiten in der Fliegerhalle beginnen, damit im nächsten die Eröffnung gefeiert werden kann.

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