Ortsökonomen Ringbus, Plaza, Bringservice

Der Findorffer Wirtschaftsausschuss diskutiert über Zukunftsszenarien für den Findorffmarkt.
10.09.2021, 15:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten

Der Findorffmarkt ist beliebt, und so soll es auch bleiben. Was konkret geschehen muss, damit der Markteinkauf auch für künftige Generationen relevant bleibt: Mit dieser Frage beschäftigte sich der Wirtschaftsausschuss des Findorffer Stadtteilbeirats in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause.

Unter den Antworten waren einige neue Ideen, und manches, was schon seit Jahren in den Köpfen von Großmarkt und Stadtteilpolitik herumgeistert. Das Stichwort, das die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an diesem Abend am häufigsten hörten, war der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität für die Kundschaft. Mindestens genau so wichtig scheint es aber auch zu sein, dass dem Markt nicht die Menschen abhanden kommen, die im frühen Morgengrauen und zu jeder Jahreszeit ihre Stände aufbauen: die Markt-Beschicker.

Wer das Gelände zwischen Eickedorfer Straße und Neukirchstraße an einem sonnigen Sonnabend besucht, wird einen Markt erleben, der gesund und munter ist. „Der Findorffmarkt funktioniert sehr gut”, bestätigte Lars Jansen, der seit Mai als Bereichsleiter Großmarkt bei der Gesellschaft M 3 B für das Frischezentrum und die Bremer Wochenmärkte zuständig ist. An Sonnabenden sei zurzeit kein Standplatz mehr frei. Freie Flächen würden teilweise sogar an mehrere Anbieter vergeben, die sich regelmäßig abwechseln. Um neue Kundengruppen zu erreichen, sei man bereits in den sozialen Netzwerken unterwegs. Im Herbst dieses Jahres solle zudem die neue Homepage an den Start gehen. Diese solle nach und nach komfortable Zusatzfunktionen wie einen Markt-Standortplan in Echtzeit erhalten.

Dass der Findorffmarkt besonders am Sonnabend fast zu beliebt ist für die begrenzte Fläche, gibt Anlass für Verbesserungswünsche. Anwohner Martin Kettel legte dem Ausschuss die Skizze eines Umgestaltungskonzepts vor, mit dem die Park- und Verkehrssituation rund um den Marktplatz entspannt und die Aufenthaltsqualität gesteigert werden könnten. Eines der Elemente ist die Sperrung des Kreuzungsbereichs Neukirch-/Magdeburger Straße an Markttagen, um den Bereich als „Plaza” mit Sitzgelegenheiten zu nutzen. Ein Ringbus, der Kundschaft von der Bürgerweide zum Markt und auf den Rückweg in die Findorffer Einkaufsstraßen führt, könne für Verkehrsentlastung sorgen und auswärtige Kundschaft zu den Findorffer Geschäften führen. Ein professionell geführter Lieferservice könnte weitere Kunden dazu motivieren, das Auto zuhause stehen zu lassen. Tatsächlich war der „Shuttle-Bus” eine Idee, für die vor Jahren auch M3B-Geschäftsleiter Hans Peter Schneider zu haben war, die aber nicht weiter verfolgt wurde. Der kostenlose Lastenfahrrad-Service von Klimazone Findorff und Großmarkt war nach zwei Jahren mangels Nachfrage eingestellt worden.

Sichtbar weniger zieht es die Marktleute dienstags und donnerstags nach Findorff. Auf lange Wartelisten kann der Großmarkt inzwischen nicht mehr zurückgreifen. „Inzwischen freuen wir uns über jede Anfrage”, gestand Torsten Haar, Leiter des Bereichs Geschäftsentwicklung. Die Zahl der Marktbetriebe nehme ab mit der Bereitschaft, sich für das „beschwerliche Gewerbe” und die „unchristlichen” Arbeitszeiten zu entscheiden. Im Großmarkt Bremen arbeite man daher intensiv daran, neue Betriebe zu werben und ein attraktives Umfeld für die bestehenden Beschicker zu gestalten.

Überlegungen, freie Flächen als Promotionsflächen für wechselnde Beschicker zu nutzen, wie von Ausschusssprecherin Beatrix Eißen vorgeschlagen, stehe man offen gegenüber, sofern sich ein Partner für die praktische Umsetzung finden lasse, so Jansen. Sie seien eine Chance für Unternehmen, ihre Produkte zu präsentieren, erklärte Eißen. Die „Überraschungsgäste” könnten gleichzeitig für Abwechslung und eine größere Sortimentsvielfalt sorgen. Ein Vorbild gibt es bereits: Der Verein der Waller Geschäftsleute hat kürzlich einen Pavillon für den Wartburgplatz angeschafft, der künftig unkompliziert von Waller Unternehmen bestückt werden darf.

Die Ideensammlung des Abends soll nun in den einzelnen Fraktionen diskutiert, die Umgestaltungsvorschläge dem Bauausschuss vorgelegt werden. Marktsprecherin Marie Pigors zog dennoch ein positives Fazit des Abends für den Findorffmarkt: „Es freut mich, dass alle so gut miteinander arbeiten”, so die Bio-Händlerin. „Das war nicht immer so.”

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht