Ältestes Bürgerhaus Ein offenes Haus für alle

Im Mai 1952 wurde das Nachbarschaftshaus Ohlenhof eröffnet. Heute heißt es Nachbarschaftshaus Helene Kaisen und ist eines von neun Bürgerhäusern in der Stadt.
30.05.2022, 08:00
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Ein offenes Haus für alle
Von Anne Gerling

Der Nachholbedarf nach den Corona-Zwangspausen ist weiterhin groß: Viele wollen sich wieder treffen und schnacken. Zum Beispiel im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen (Na‘), wo es in diesen Tagen Grund zum Feiern gibt. Am 26. Mai ist Bremens ältestes Bürgerhaus 70 Jahre alt geworden (wir berichteten). Wie dieses Ereignis gewürdigt werden soll, das konnte coronabedingt erst spät entschieden werden. Nun steht der Plan: Den Auftakt der Geburtstagsfeierlichkeiten macht eine 70er-Jahre-Party mit Jürgen Ferber am Freitag, 8. Juli, ab 19 Uhr. Passend zum 70. Geburtstag werden außerdem bei einer Aktion diejenigen Radio-Musiktitel aus den vergangenen 70 Jahren gesucht, mit denen die Hörerinnen und Hörer die schönsten Erlebnisse ihres Lebens verbinden.

Für den Spätsommer ist dann eine Gesprächsreihe mit dem Titel „na‘chgehakt“ geplant, in der Politikern und Personen des öffentlichen Lebens auf den Zahn gefühlt werden soll. Neben aktuellen Themen solle es auch um Persönliches gehen, sagt Peter Sakuth, SPD-Innensenator a.D. und Vorsitzender des Trägervereins Nachbarschaftshaus Bremen: „Zum ersten potenziellen Ehrengast wurde bereits Kontakt aufgenommen.“

Eine Woche lang wird gefeiert

Der Höhepunkt der Geburtstagsaktivitäten ist für Ende September geplant. In der Woche von Mittwoch, 28. September, bis Sonntag, 2. Oktober, lädt die Einrichtung zu verschiedenen Konzerten, einem Fachtag zur Zukunft von Bürgerhäusern und Quartiersarbeit, einem Aktionstag mit Nachbarschaftsfest und einem Frühschoppen ein.

Dass 1952 in Gröpelingen das Nachbarschaftshaus mit mehreren Zimmern für Kinder, Lesezimmer, Feierabendzimmer, Werkräumen und einem großen Vortrags- und Versammlungsraum eröffnet werden konnte, war einer freundschaftlichen Verbindung zu verdanken: Kurz nach Kriegsende hatte die Arbeiterwohlfahrt Deutschland Kontakte zum Sozialwerk des amerikanischen "Unitarian Service Committee" (USC) geknüpft. Das freireligiöse Sozialwerk hatte von sich aus die Idee entwickelt, in Anlehnung an amerikanische Modelle in Deutschland ein Nachbarschaftshaus aufzubauen und so einen Beitrag zur demokratischen Erneuerung des Landes zu leisten. Das Haus wurde später zur Vorlage für weitere Einrichtungen dieser Art: 1976 folgte das Bürgerhaus Weserterrassen in der östlichen Vorstadt und 1977 die Bürgerhäuser Obervieland, Oslebshausen und Neue Vahr.

100.000 Besucher pro Jahr

Bis heute verstehe sich das Na‘ als „Ort, der Menschen zusammenführt – egal, wo sie herkommen“, sagt Sabine Kruse, die das Haus gemeinsam mit Guido Hanslik leitet. Unterstützt von bis zu 100 Ehrenamtlichen pro Jahr sorgen fünf hauptamtliche Kräfte dafür, dass es im Na‘ läuft. 100.000 Besucher wurden vor Corona pro Jahr gezählt. Zum Nachbarschaftshaus gehören das Begegnungszentrum Gröpelingen und die Kindertageseinrichtung Na’kita, die nun ebenfalls 70 wurden. Ständige Gäste im Haus sind die Aufsuchende Altenarbeit, die Geschichtswerkstatt Gröpelingen, Radio „na´ sowas“ und mehrere Einrichtungen, die Bürger mit ausländischen Wurzeln unterstützen. Ein Wunsch zum runden Geburtstag? Sakuth: "Dass man uns hilft, diese wichtige Arbeit im Stadtteil weiterhin zu unserer und zur Zufriedenheit der Besucher fortsetzen zu können." 

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