Befürchtungen bleiben bestehen Infopapier zur geplanten Bahnwerkstatt überzeugt Gegner nicht

Später als gedacht ist das vom Häfenressort am 13. Januar angekündigte Infopapier zu der in Oslebshausen geplanten Bahnwerkstatt verschickt worden. Es soll Vorbehalte aus dem Weg räumen.
17.02.2021, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Infopapier zur geplanten Bahnwerkstatt überzeugt Gegner nicht
Von Anne Gerling

„Geeignete Alternativen zu einem Werkstattstandort im Bereich Reitbrake / An der Finkenau in Bremen Oslebshausen sind in geeigneter Größe und Lage im Land Bremen nach Bewertung aller am Verfahren Beteiligten nicht vorhanden. Die Fläche in Oslebshausen ist geeignet, die von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) formulierten Anforderungen zu erfüllen“, lautet das Fazit eines Mitte Januar für die dritte Kalenderwoche vom Häfenressort angekündigten Infopapiers, das mit Beteiligung des Umweltressorts entstanden ist.

Die Verfasser hatten mit dem 16-seitigen Sachstandspapier die zahlreichen Fragen und Befürchtungen beantworten beziehungsweise ausräumen wollen, die in den vergangenen Wochen insbesondere von der Bürgerinitiative (BI) Oslebshausen und umzu im Zusammenhang mit dem Vorhaben artikuliert worden waren.

30 zusätzliche Zugfahrten pro Tag

Dabei geht es etwa um die genaue Anzahl der zu wartenden Züge, hierdurch verursachten zusätzlichen Verkehr und Engpässe im Schienennetz, die exakte Anzahl von neuen Arbeitsplätzen, mögliche Lärmbelastungen der angrenzenden Wohnquartiere und die Suche nach etwaigen Alternativstandorten.

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Schwarz auf weiß ist nun also zu lesen, was Wallern und Gröpelingern bereits in Fachausschüssen mitgeteilt wurde und auch im Häfenausschuss zu hören war: Dass im ersten Schritt 33 und später bis zu 13 weitere Züge die Bahnwerkstatt ansteuern sollen, was 20 beziehungsweise 30 zusätzliche Zugfahrten pro Tag auf der Strecke bedeutet. Eine in der Ausschreibung genannte Option auf weitere 60 Züge beziehe sich auf andere LNVG-Netze. Diese Züge würden andernorts gewartet.

Engpässe im Schienenverkehr soll es nicht geben

Dass es durch die Werkstatt zu Engpässen in Bremens Schienenverkehr komme könnte, wird in dem Papier mit folgender Begründung verneint: „Der für die Anbindung der Werkstatt maßgebliche Streckenabschnitt Bremen Hauptbahnhof – Bremen Oslebshausen, an den der Bahnhof Bremen Inlandshafen mit dem potenziellen Standort der Bahnwerkstatt anschließt, ist durchgehend viergleisig ausgebaut und liegt insofern außerhalb der für den Großraum Bremen durch eine Studie aus dem Jahr 2013 identifizierten Engpassbereiche.“ Eine Verdrängung des Güterzugverkehrs in die Abend- und Nachtstunden sei nicht zu erwarten,
und in der Nachbarschaft der Anlage würden auch keine „spürbaren Erschütterungen“
erwartet, ist außerdem in dem Papier zu lesen.

Tatsächlich seien alternative Standorte am Grauwallring in Bremerhaven und am DB-
Standort Bremerhaven Lehe betrachtet, jedoch aus verkehrstechnischen Gründen beziehungsweise aufgrund zu kleiner Flächen verworfen worden. Von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ins Spiel gebrachte alternative Flächen an der Oldenburger Kurve sollen dem Papier zufolge ebenso wie Flächen rund um den ehemaligen Güterbahnhof „langfristig und im Zusammenhang einer städtebaulichen Lösung zugeführt werden, die der innenstadtnahen Lage entspricht.“ Die Werkstatt an der Parkallee wiederum, in der bisher die im Expresskreuz Bremen / Niedersachsen eingesetzten Personenzüge gewartet werden, sei „nicht für die Unterhaltung von bis zu 160 Meter langen Elektrotriebzügen ausgerüstet.“

Bürgerinitiative: Die Zahlen passen nicht

Also alle Zweifel und Vorbehalte ausgeräumt? Mitnichten. Nach Recherchen der BI nämlich passen die vom Ressort genannten Zahlen – 70.000 Quadratmeter Fläche und 100 Arbeitsplätze auf der einen Seite und 46 zu wartende Züge auf der anderen – nicht zusammen. Die BI, die zur besseren Einschätzung andere Anlagen betrachtet hat, geht deshalb davon aus, dass eine deutlich umfangreichere strategische Entwicklung des Werkstattstandorts geplant ist, als bislang öffentlich gesagt wird.

Was den Bahnwerkstatt-Gegnern nämlich außerdem sauer aufstößt, ist die bislang mangelhafte Transparenz seitens der Behörde. So erinnern sich einige Akteure noch gut an ein Bebauungsplanverfahren unter anderem zum Areal Reitbrake, an dem im Oktober 2019 auch der Gröpelinger Beirat beteiligt war. Wie aus dem nun veröffentlichten Positionspapier hervorgeht, interessierten sich bereits damals Fahrzeughersteller für das etwa sieben Hektar große Areal Reitbrake / An der Finkenau – was seinerzeit von den beteiligten Behördenmitarbeitern gegenüber den Beiratspolitikern allerdings mit keiner Silbe erwähnt worden war.

Keinen Kontakt zur Deutschen Bahn aufgenommen

Bislang habe „die Verwaltung nicht einmal Kontakt zur Deutschen Bahn aufgenommen, um an einer in vielfacher Hinsicht besseren Alternative zu arbeiten“, kritisiert die Bürgerinitiative außerdem. Auch sei weiterhin nicht klar, wie viele neue Arbeitsplätze die neue Bahnwerkstatt unterm Strich tatsächlich bringen würde. Im Papier heißt es hierzu, dies hänge auch davon ab, was in der Bahn-Werkstatt an der Parkallee zukünftig geplant sei. Dazu die BI: „Es ist erschreckend, dass bislang kein Kontakt zur Deutschen Bahn aufgenommen wurde und
das Schicksal der Mitarbeiter weiterhin unklar ist.“

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