Handelskammer-Präses zu Besuch Gröpelinger Unternehmer schauen nach vorne

Janina Marahrens-Hashagen, Präses der Bremer Handelskammer, hört sich bei Unternehmern in Bremer Stadtteilen um, wie es ihnen in der Krise ergeht. Ihr Eindruck in Gröpelingen: Ziemlich positiv.
15.06.2020, 23:46
Lesedauer: 4 Min
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Gröpelinger Unternehmer schauen nach vorne
Von Anne Gerling

„Ich kann die Sorgen der Menschen nur mitnehmen, wenn ich mit ihnen rede“, sagt die Präses der Handelskammer Bremen, Janina Marahrens-Hashagen. Gemeinsam mit Karsten Nowak, Leiter des Geschäftsbereichs Einzelhandel, war sie vorige Woche in Gröpelingen unterwegs, um zu erfahren, wie es den Unternehmern dort aktuell geht.

Seit knapp zwei Wochen ist der Weinladen Camvino an der Lindenhofstraße wieder geöffnet. Dank der treuen Stammkundschaft und der Initiative „Gröpelingen bringt’s“ – ein vom Gröpelingen Marketing und Kultur vor Ort initiierter kostenfreier Lieferservice, der Gröpelingens Unternehmer stärken soll – sei das kleine Geschäft ganz gut durch die Krise gekommen, so Geschäftsführerin Meike Hempe: „Hier unterstützt jeder den anderen.“

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Camvino steht für „Vino vom Camino“ – „Wein vom Wanderweg“. Verkauft werden hier nämlich Weine aus den Bodegas entlang des Jacobswegs in Nordspanien und Portugal. Unternehmensgründer Ansgar Möller organisiert seit zehn Jahren begleitete Pilgerreisen auf dem Jakobsweg. Da immer wieder Kunden nach Weinen aus der Region fragten, wurden irgendwann einige Kisten im Büro eingelagert. Seit März 2019 gibt es das eigene Ladengeschäft. „Normalerweise finden hier Konzerte und Weinproben statt und es trifft sich ein Stammtisch“, so Hempe.

Ihr zufolge hat sich dieses Jahr ein Großteil der geschäftlichen Aktivitäten im Internet abgespielt. Was sich außerdem mit Corona gut verträgt: Das Unternehmen bietet mittlerweile auch Wandertouren entlang der Mosel, durch Schleswig-Holstein und am Münchener Jakobsweg an.

Soforthilfe endlich eingetroffen

Die Telekommunikationsprofis Sedat und Yeliz Serin konnten ihr Geschäft „Handy World“ nach etwas mehr als einem Monat am 20. April wieder öffnen – kurz danach sei auch endlich die von ihnen schon März beantragte Soforthilfe eingetroffen, erzählen sie. Die Serins haben das 1998 von einem Verwandten an der Gröpelinger Heerstraße eröffnete Geschäft 2004 übernommen und es um eine Lotto-Annahmestelle erweitert. „Haben Sie von Corona viel gemerkt?“ möchte Marahrens-Hashagen von den beiden wissen.

Zu Beginn der Pandemie habe er sich die Angebote der Konkurrenz im Netz angesehen, erzählt Sedat Serin: „Das war schon ein bisschen komisch.“ Mittlerweile habe sich die Lage wieder ein wenig entspannt. Er sei aber noch unsicher, was die aktuellen Regelungen betreffe: „Wir haben keine genauen Informationen dazu bekommen. Ich lasse jetzt immer nur zwei Kunden gleichzeitig rein. So ist es auch für uns ganz angenehm.“

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Mit der Lage ihres Geschäfts sind die Serins sehr zufrieden – obwohl gerade hier, rund um die zentrale Kreuzung im Stadtteil, auch immer wieder Müll und Drogenhandel Thema sind. „Wir arbeiten seit etwa sechs Jahren daran, den Standort attraktiver zu machen“, sagt dazu Stadtteilmanager Lars Gerhardt vom Gröpelingen Marketing, der mit Blick auf das Lindenhof-Center, die Waterfront, Oslebscity und das nun vis-à-vis von Handy World entstehende Ohlenhof-Carrée überzeugt ist: „Gröpelingen ist ein guter Standort, um Geschäfte zu machen. Wir müssen nur die Rahmenbedingungen verbessern. Und da geht es viel um Sicherheit und Sauberkeit.“ Klar sei aber auch: „Durch Armut und die Lebenssituation der Menschen kriegt man bestimmte Dinge nicht aufgelöst.“

Es geht weiter zum Gröpelinger Fährweg. Oliver Brock, seit zwei Jahren Betreiber des Pier 2, testet hier mit seinem Team gerade etwas komplett Neues: Mit Vorhängen ist eine Halle in der Halle abgetrennt worden, in der Veranstaltungen mit 500 Leuten möglich wären. „Diese Größe fehlt im Moment in Bremen“, so Brock, der sich erhofft, mit dieser zusätzlichen Variante langfristig eine größere Auslastung erzielen zu können.

Wirtschaftssenatorin weiß um Probleme

Normalerweise haben in dem größten privat geführten Veranstaltungszentrum Norddeutschlands bei Konzerten 2800 Besucher Platz, mit Bestuhlung 1480. Unter den aktuellen Bedingungen seien 248 Besucher erlaubt, so Brock: „Das ist schwierig. Wir sind aber in guten Gesprächen, es gab ein Experten-Hearing und Treffen mit der Wirtschaftssenatorin. Sie weiß um unsere Probleme, das ist ein Vorteil für uns. Wir sind gerade dabei, Konzepte zu schreiben und zu gucken, ob wir ein paar Sachen ausprobieren können.“

Kurzarbeit hat Brock nicht angemeldet: „Ich versuche, mein Team rumwerkeln zu lassen. Bei einer Halle in dieser Größe gibt es immer was zu tun.“ So werde augenblicklich auch viel Liegengebliebenes aufgearbeitet. Von einer Öffnung mit Sitzplatzpflicht, Tanzverbot und Hintergrundmusik hält Brock nichts: „Die Clubs selber haben auch eine Verantwortung. Wir wollen nicht öffnen, weil wir nicht als ‚Spreader‘ verschrien sein wollen.“

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Andererseits hingen auch Security, Bühnenhelfer, Technik, Licht oder Campingfirmen von Veranstaltungen ab: „Bei Konzerten sind hier 60 bis 80 Personen im Einsatz.“

Chancen für zukünftige Veranstaltungen sieht Brock am ehesten im Freien, wo voriges Jahr schon eine Elektro-Tanzveranstaltung stattfand: „Das kam sehr gut an, und die Sonnenuntergänge hier sind sehr schön.“ Eine gute Idee, findet Marahrens-Hashagen: „Vielleicht gibt es da pragmatische Lösungen, bei denen auch das Ordnungsamt mitmacht.“ Nach dem Rundgang freute sich die Handelskammer-Präses über den Optimismus, den sie in Gröpelingen wahrgenommen hat: „Es ist enorm, wie die Betriebe zusammengerückt sind und sich digitalisiert haben. Und was hier auch wieder deutlich wurde: Jede Krise fördert kreative Ideen und den Zusammenhalt.“

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