Kinderbetreuung in Gröpelingen

Ausbaubedarf reißt nicht ab

Etliche Gröpelinger Eltern stehen ohne Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs da, wenn im August das neue Kitajahr beginnt. Die Behörde arbeitet dementsprechend weiterhin am Ausbau des Angebots.
13.07.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Ausbaubedarf reißt nicht ab
Von Anne Gerling
Ausbaubedarf reißt nicht ab

Dirk Bierfischer(v.l.), Andrea Hunold und Gerd Schweizer hoffen, den Bewegungskindergarten noch auf den Weg bringen zu können.

Roland Scheitz

Das Bildungsressort kommt derzeit mit dem Aus- und Neubau der Nachfrage nicht hinterher: Wie der WESER-KURIER kürzlich berichtete, fehlen zum 1. August für mehr als 1000 angemeldete Kinder Kitaplätze. Unter anderem in Gröpelingen – konkrete Zahlen dazu hat Wolfgang Bulling vom Referat Tagesbetreuung im Ressort Kinder und Bildung dem Bildungsausschuss des Gröpelinger Beirats präsentiert.

Mit Stand vom 31. April – dem Stichtag für den sogenannten Statusbericht II – gab es für die insgesamt 361 vorhandenen Plätze für Kinder unter drei Jahren 339 bestätigte Anmeldungen. Für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren wiederum, für die aktuell im Stadtteil 1189 Plätze zur Verfügung stehen, lagen 1185 bestätigte Anmeldungen vor.

Das klingt entspannt – seitdem hat sich die Situation allerdings verändert, wie Bulling sagt: „Wir haben im Moment 80 Anfragen von Eltern vorliegen, die noch einen Platz suchen.“ Konkret handele es sich um 33 Krippenplätze und 47 Plätze für Kinder über drei Jahren. Die „7-Punkte“-Kita-Leitungen, bei der Sitzung vertreten durch Karin Meyer vom Kinder- und Familienzentrum Halmerweg, haben errechnet, dass sogar 120 Plätze fehlen. Sie appellierten an das Ressort, sich zukünftig frühzeitig mit den Kita-Leitungen für eine gemeinsame Planung zusammenzusetzen, um Theorie und Praxis besser zu verzahnen und Druck aus der Angelegenheit zu nehmen. Bulling: „Das Angebot nehme ich gerne an.“

Die Zahlen ändern sich nahezu täglich. Eines zeichnet sich Bulling zufolge aber schon jetzt klar ab: „Die Versorgungsquote macht deutlich, dass auch in Gröpelingen noch ein erheblicher Ausbaubedarf besteht.“ Aktuell nämlich haben in Gröpelingen 37 Prozent der Unter-Dreijährigen und 77 Prozent der Über-Dreijährigen einen Betreuungsplatz. Bremen hatte aber bis zu diesem Jahr stadtweit eine Versorgungsquote von 50 Prozent für Kinder unter drei Jahren und von 98 Prozent für Drei- bis Sechsjährige erreichen wollen; im rot-grün-roten Koalitionsvertrag sind als neue Eckdaten sogar 60 beziehungsweise 100 Prozent bis zum Jahr 2025 benannt.

Um die Quote zu verbessern, war in den vergangenen Jahren einiges getan worden: 261 neue Plätze konnten im Kitajahr 2017/18 mit der Eröffnung der Kitas Ella-Ehlers-Haus und Oslebshauser Heerstraße, neuen Mobilbauten Am Pulverberg und am Schwarzen Weg sowie einer Erweiterung der Feuerteufelchen im Stiftungsdorf Gröpelingen geschaffen werden. Im Kitajahr 2018/19 kamen mit der Erweiterung der Kita Lindenhof und den neuen Einrichtungen Buntes Haus am Schwarzen Weg und Weserkinder an der Bersestraße weitere 95 Plätze hinzu.

Die Ausbauplanung der Behörde basiert auf den Bevölkerungsprognosen des Statistischen Landesamtes, die jeweils zum Ende des Kalenderjahres erhoben werden. Nachdem sich die Zahlen im Dezember im Vergleich zum Vorjahr erheblich nach oben verändert hatten, hinke sein Ressort mit der Planung naturgemäß weiterhin hinterher, so Bulling.

Ihm zufolge sieht die weitere Ausbauplanung folgendermaßen aus: Im kommenden Kitajahr 2020/21 soll das Kinder- und Familienzentrum Pastorenweg umgebaut und im ehemaligen Gemeindehaus an der Danziger Straße entsteht eine komplett neue Kita, die die PME Bremen gGmbH betreiben wird – das macht insgesamt 75 neue Plätze. Im Kitajahr 2021/22 könnten mit einem Jahr Verspätung die Drachenkinder am Schiffbauerweg eröffnen. Mit der Kita Im Weinberge käme ein weiteres Haus hinzu. Geplant ist außerdem, dass das Kinderhaus Quirli von der Ortstraße im Lindenhofquartier in einen Neubaukomplex der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ) an der Seewenjestraße umzieht. Kommen diese drei Vorhaben zustande, entstehen dabei 112 zusätzliche Betreuungsplätze.

Im Kitajahr 2022/23 müssen dann die Mobilbauten Pulverberg und Schwarzer Weg wieder abgebaut werden – aber die Hans-Wendt-Stiftung möchte an der Lindenhofstraße 45 eine neue Einrichtung eröffnen und auch die Kita Marienwerderstraße auf dem ehemaligen Spielplatzgelände – für die noch nach einem Träger gesucht wird – soll dann fertig sein. Eine weitere Einrichtung ist an der Basdahler Straße geplant und mit dem Neubau für die Kita Am Nonnenberg am Alten Heerweg könnten somit insgesamt 200 Plätze hinzukommen.

Für das Kitajahr 2023/24 ist im Kinderhaus Quirli eine Erweiterung um 20 Plätze geplant und im Kitajahr 2024/25 soll der Neubau für das Kinder- und Familienzentrum Halmerweg fertig sein, der zehn neue Plätze bringt. Ein weiteres Projekt, das laut Bullings Unterlagen dann bereits fertig sein könnte: Ein Bewegungskindergarten mit 60 Plätzen hinter dem Tura-Vereinszentrum am Bert-Trautmann-Platz.

WES Gröpelingen geplanter Neubau einer Kita neben der Sporthalle von TURA

Auf dem Plan von 2016 ist die neue Kita verzeichnet, aber an der Lissaer Straße ist bis heute nichts davon zu sehen.

Foto: Roland Scheitz

Als der Turn- und Rasensportverein (Tura) und Träger Na’kita 2014 dieses Gemeinschaftsprojekt als Antwort auf den Bewegungsmangel vieler Gröpelinger Kinder und Familien angekündigt hatten, hatte die Stadtteilpolitik das Vorhaben ausdrücklich begrüßt. Ende November 2017 war an der Langen Reihe in Walle die Mobilbau-Kita „Na’ am Park“ als Vorlauf für den neuen Bewegungskindergarten in Gröpelingen eröffnet worden. An der Lissaer Straße allerdings ist bis heute von der neuen Kita nichts zu sehen.

Zwei Haupthindernisse machen laut Tura-Sprecher Ekkehard Lentz und Tura-Vizepräsident Gerd Schweizer seit Mitte 2018 ein Vorankommen bei der Schaffung der Einrichtung unmöglich. Einerseits die Auflage, für den auf der für die Kita vorgesehenen Fläche mittlerweile entstandenen Wald einen Ausgleich in der doppelten Größe finanzieren zu müssen. „Diese Zusatzkosten schrecken natürlich jeden Investor ab“, so Lentz.

Zum anderen soll im Zusammenhang mit der Kita offenbar ein neuer Pachtvertrag mit Tura aufgesetzt werden, womit auch die Pachtkosten für das Vereinszentrum steigen könnten. Auf konkrete Zahlen dazu warte der Sportverein seit mehr als einem Jahr, so Schweizer, der sagt: „Wir stehen nun vor der Frage: Lohnt es sich, da als ehrenamtlich tätiger Vorstand weiterhin Kraft reinzustecken? Und werden unsere Nachfolger in zwei Jahren noch Lust haben, da weiterzumachen?“ Für Ende der vorigen Woche war hierzu ein Gespräch mit allen Beteiligten geplant, in das Beiratspolitiker Rolf Heide (SPD) zumindest für das Ausgleichsflächen-Problem eine pragmatische Lösung einbringen wollte.

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