Schlichtwohnungen in Oslebshausen

Stadt sichert sich Vorkaufsrecht

Seit Jahren herrscht Stillstand in Sachen Reihersiedlung: Die 52 Schlichtwohnungen verfallen zusehends. Nun hat sich die Stadt ein Vorkaufsrecht gesichert, um dort Wohnraum mit einfachem Standard zu schaffen.
18.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Stadt sichert sich Vorkaufsrecht
Von Anne Gerling
Stadt sichert sich Vorkaufsrecht

Reihersiedlung: Die Schlichtbauten in Oslebshausen sind seit vielen Jahren nicht mehr saniert worden.

Roland Scheitz

Oslebshausen. Einst gab es in der Wohnanlage an der Reihersiedlung Wettbewerbe um den schönsten Vorgarten – seit vielen Jahren aber sind die 52 Schlichtbauten ein Sanierungsfall. Zwar verhandelt die Vonovia als Eigentümerin der Häuschen schon seit längerer Zeit mit verschiedenen Interessenten, die die eingeschossigen Schlichtbauten neu herrichten oder auch komplett abreißen wollen – bislang jedoch ohne ein Ergebnis.

Nun hat sich die Stadt in die Angelegenheit eingeschaltet: Nachdem die Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung am Donnerstag, 11. März, den Entwurf eines Vorkaufsortsgesetzes für die Bremer Reihersiedlung beschlossen hat, hat der Senat am Dienstag, 16. März, zugestimmt. Wie der Senatsvorlage zu entnehmen ist beabsichtigt die Stadtgemeinde „für dieses Gebiet eine städtebauliche Entwicklung zu initiieren, um die heute vorhandenen städtebaulichen Missstände zu beseitigen, zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen, der auch Wohnraum für Menschen mit besonderen Wohnbedürfnissen umfasst und diesen Menschen eine langfristige Perspektive bietet.“

Mit dem neuen Gesetz gibt es nun also eine Grundlage, auf der eine städtische Wohnungsgesellschaft von Bremens Vorkaufsrecht Gebrauch machen und das etwas mehr als einen Hektar große Areal Reihersiedlung modernisieren und umbauen könnte. Ralf Schumann, baupolitischer Sprecher der Linksfraktion in der Bürgerschaft, begrüßt diesen Schritt: „Vier Jahre, nachdem die Bewohnerinnen und Bewohner der Holsteiner Straße in der Deputation gegen den Abriss ihrer Wohnungen demonstriert haben, zeigt sich: Der Protest hat etwas bewegt. Das neue Vorkaufsgesetz für die Reihersiedlung legt fest, dass dort auch zukünftig ein ‚Kontingent an Wohnungen oder Kleinsthäusern‘ existieren soll, das sich an Menschen mit besonderen Wohnbedürfnissen richtet.“ Dabei gehe es ausdrücklich nicht nur darum, die Bewohner der noch bewohnten sieben Wohnungen in der Reiherstraße „irgendwo unterzubringen, sondern weiterhin eine Anzahl von einfachen, günstigen Wohnungen in entsprechender Bauweise zur Verfügung zu stellen. Die Zahl der Wohnungen sollte dann möglichst der bisherigen Zahl von 52 Wohnungen entsprechen.“

Schumann fordert, dass etwaige neue Gebäude an die Bedürfnisse der Bewohner der Reihersiedlung angepasst werden müssen: „Die Schlichtsiedlungen waren und sind ein Ort, wo Menschen Wohnraum finden, die nur über ein geringes Einkommen verfügen und trotzdem ohne Transferleistungen auskommen wollen oder die selbstständig leben wollen, aber im Geschosswohnungsbau nicht gut klarkommen. Das verdient Respekt und Unterstützung, nicht Verdrängung. Mit dem neuen Vorkaufsgesetz wird zum ersten Mal neuer Wohnraum für diese Zielgruppe geplant. Jetzt sind auch die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften gefordert, zu zeigen, dass sie solchen Wohnraum schaffen können: einfach, aber ordentlich, mit zeitgemäßer Heizung und Ausstattung, aber dennoch mit einem Mietpreis unterhalb der Sozialwohnungsgrenze. Sanierung kann dafür der bessere Weg sein als Abriss und Neubau. Für einen sozial gerechten Wohnungsmarkt ist der Beschluss des Vorkaufsgesetzes Reihersiedlung ein guter Tag.“

Info

Zur Sache

Schlichtwohnungen in Bremen

Mit der Übernahme der Vitus-Gruppe wurde die Vonovia 2014 Eigentümerin der drei Schlichtbausiedelungen Reihersiedlung, Holsteiner Straße und Am Sacksdamm, die ursprünglich der Bremischen Gesellschaft für Stadterneuerung und Wohnungsbau (Bremische) gehört hatten. Während die Vonovia die Schlichtbauten in Walle 2018 abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt hat und mittlerweile auch die Schlichtwohnungen in Sebaldsbrück komplett abgerissen worden sind, will sie die sanierungsbedürftige und größtenteils leer stehende Wohnanlage in Oslebshausen schon seit mehreren Jahren verkaufen. 2017 wollte die Wohnungshilfe die 40 Quadratmeter großen Häuschen übernehmen und neu herrichten, was Nachbarn und Beirat damals allerdings ablehnten. Ein menschenwürdiges Leben in den Schlichtbauten sei nicht möglich, begründeten sie dies.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+