Insolvenz abgeschlossen Hellweg-Centrum macht weiter

Im Juli hatte der Fachmarkt Insolvenz beantragt, bei dem Generationen von Gewerbetreibenden einkauften. Am Freitag wurde bekannt, dass der Betrieb eine Zukunft hat. Wie es weitergehen soll in Bremen-Hastedt.
27.09.2019, 16:12
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Hellweg-Centrum macht weiter
Von Florian Schwiegershausen

Aufatmen in der Belegschaft des Hellweg-Centrums und auch bei vielen Stammkunden: Der Fachmarkt für Branchen aller Art in Hastedt in der Stresemannstraße hat sich aus der Insolvenz befreit, und der alte Geschäftsführer Johannes von der Linde ist auch der neue Geschäftsführer. Er lässt die alte Hellweg-Centrum Bremen GmbH & Co KG zurück und wird ab 1. Oktober mit der Hellweg-Centrum Bremen GmbH das Unternehmen weiterführen. Zu diesem Datum wäre ansonsten das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Von der Linde will den Weg fortsetzen, den er vor einem guten Jahr eingeschlagen hatte, als er den Betrieb übernommen hatte: „Wir werden den Online-Handel noch stärker ausbauen und in den Social-Media-Kanälen im Internet präsenter werden.“ Er sagt, dass er mit dem Einstieg in den Fachmarkt bereits schon einige Dinge angeschoben habe, aber am Ende hätte die Zeit wohl nicht gereicht. Seit April ist der bisherige Großhändler auch ein Einzelhändler. Seitdem können nicht nur Gewerbetreibende dort einkaufen sondern jeder Verbraucher. Auch diese Neuerung habe sich anscheinend noch nicht gut genug herumgesprochen. Das will Johannes von der Linde nun ändern und auch dafür verstärkt Werbung machen. Womit er punkten will: „Bei uns bekommt jeder Verbraucher die Marken und Produkte, die speziell für Fachbetriebe sind und so in gewöhnlichen Märkten nicht erhältlich sind.“ Als Beispiel nennt er spezielle Malerfarbe, die mehr Pigmente und dadurch eine höhere Abdeckung hat als so manches Produkt aus dem Super-Sonderangebot.

Mitarbeiter standen hinter der Geschäftsführung

Mit dem 1. Oktober soll auch das Warenangebot wieder größer werden, wie Insolvenzverwalter Berend Böhme von der Kanzlei B + O Böhme Olbermann sagte: „Während der Insolvenz stand im Regal von einem Produkt oft nur ein Artikel da. Das lag daran, dass wir die Ware immer gegen Geld kaufen mussten und nicht in Kommission erhalten hatten.“ Das Unternehmen lebe außerdem von dem Fachwissen und der Beratung der Mitarbeiter, so Böhme: „Wie die 47 Mitarbeiter hinter der Geschäftsführung gestanden haben, das hat mich tief beeindruckt. Woanders passiert es in solchen Fälle, dass sich die Mitarbeiter schnell einen anderen Job suchen.“ Die Betriebsrätin Angelika Maluvius sagte: „Wir sind wie eine große Familie.“ So sind einige der 47 Mitarbeiter mehr als 40 Jahre im Unternehmen. Wie sehr die Mitarbeiter mitgezogen haben, erläutert Böhme an einem anderen Beispiel: „Nach Beantragung der Insolvenz haben sie ohne Murren eine Inventur gemacht - und das bei 50.000 Artikeln.“

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In Zukunft ist es also möglich, Artikel im Internet zu bestellen, und diese dann im Hellweg-Centrum abzuholen. Dort können sie sich von den Mitarbeitern noch Tipps abholen. Um den Weg in die richtige Richtung zu gehen, setzt Geschäftsführer Johannes von der Linde auch auf die Unterstützung einer Unternehmensberatung, die sich auf Restrukturierungen spezialisiert hat.

Pächter für Kantine gesucht

Verzichten müssen die Stammkunden in Zukunft aber auf die Bratwurstbude auf dem Parkplatz. „Die Dame hat den Betrieb zum Juni abgegeben“, erläutert von der Linde. Einen Nachfolger gab es nicht, so dass das Häuschen abgerissen wurde. Momentan sucht der Hellweg-Geschäftsführer noch nach einem Pächter für die Kantine in der dritten Etage. Und eines liegt Burkhard von der Linde, der zuvor in der Bünting-Gruppe (Combi und Famila) seine Arbeitserfahrungen gemacht hatte, auch noch am Herzen: „Im kommenden Jahr möchte ich auch wieder Ausbildungsplätze anbieten.“ Schließlich wird die Belegschaft nicht jünger, und so können sie ihr Fachwissen an die nächste Generation weitergeben.

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