Farradschnellstraße startet in Hemelingen

Warten auf den Brückenschlag über die Weser

Für die Sanierung von Radwegen steht in Hemelingen mehr Geld zur Verfügung. Die Fahrradbrücke über die Weser steht dagegen noch ganz am Anfang der Planungsphase.
07.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Warten auf den Brückenschlag über die Weser
Von Christian Hasemann
Warten auf den Brückenschlag über die Weser

Eine geplante Premiumroute für Radfahrer, wie diese im Grünzug Neustädter Bahnhof, soll ab 2023 von Bremen-Nord bis nach Mahndorf reichen.

Walter Gerbracht

Für Sebastian Manni ist es der erste Auftritt im Beirat Hemelingen gewesen. Er ist seit Juni Leiter des Amtes für Straßen und Verkehr (ASV) und damit verantwortlich für Erhalt, Bau und Betrieb des Bremer Straßen- und Verkehrsnetzes. Der Beirat wollte von ihm wissen, wie der Radverkehr im Stadtteil gestärkt werden kann. Zur Sprache ist dabei auch die geplante Fahrradbrücke über die Weser gekommen.

Manni stellte das grundsätzliche Ziel der Premiumrouten, also besonders gut ausgebaute Radwege, in Bremen voran. „Wir wollen eine Infrastruktur bereitstellen, sodass das Rad eine wirkliche Alternative zum Auto und dem öffentlichen Personennahverkehr ist.“

Eine besonders bedeutende Radpremiumroute sei die D 15. Diese würde, wenn sie fertiggestellt ist, von Bremen-Nord bis nach Mahndorf reichen. Einmal durch die ganze Stadt solle die Strecke „mit der höchsten Priorität“ verlaufen, so Manni und gab auch gleich einen zeitliche Rahmen vor: „Unser Ziel ist, die Route bis 2023 fertigzustellen.“ Er schränkte ein, dass es sich um ein großes Projekt handele, das nur in mehreren Teilschritten umgesetzt werden könne. Tatsächlich ist ein erster Abschnitt schon im Ortwisch angelegt worden.

Allerdings: noch sind grundsätzliche Fragen zur Gestaltung offen. „Wir haben noch nicht die endgültige Markierung und schauen derzeit, wie wir die gesamte Route richtig deutlich machen können“, so Manni. Ob es eine durchgehende rote oder blaue Markierung werden wird, diese Entscheidung ist noch nicht gefallen. Unklar ist ferner, ob es physische Barrieren zum Schutz der Radfahrer vor Auto- und Lastverkehr geben wird. Gegen geschützte Fahrradspuren spreche die Barrierewirkung. „Es ist die Frage, ob es sinnvoll ist, auf der einen Seite Barrieren abzubauen, um an anderer Stelle neue aufzubauen“, beschrieb Manni das Dilemma.

Dennoch geht die Umsetzung offenbar voran. „Bei uns sind jetzt weitere Abschnitte als Aufträge eingegangen“, sagte Manni. Das ASV ist in diesem Zusammenhang die ausführende Behörde, den Auftrag erteilt das übergeordnete Bau- und Verkehrsressort. Nötig für den Ausbau werde auch eine Umstrukturierung im ASV, sagte Manni. „Das sind Millioneninvestitionen, die ohne Fördermittel nicht zu finanzieren sind.“ Gelder, die zum Beispiel beim Bund eingeworben werden müssen. „Relativ weit“ seien hingegen die Planungen für die Radbrücke über die kleine Weser. Für die geplante Überwegung zwischen Habenhausen und Hemelingen hingegen seien die Pläne noch nicht so weit fortgeschritten. „Es geht in Richtung einer Lösung nahe der A 1.“ Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie war dieser Standort schon im Beirat vorgestellt worden. „Weitere Planungsschritte können nach Abstimmung mit der Senatorin für Mobilität und Stadtentwicklung ausgelöst werden“, so Manni. Nach seinen Angaben hat Bremen eine Million Euro für die Planungskosten bereitgestellt.

Ralf Bohr (Grüne) wollte wissen, wie es um den Erhalt der vorhandenen Wege steht. „Wir haben ja nicht nur Radpremiumrouten, sondern auch Radwege, die nicht immer in guten Zustand sind.“ Ein anderes Problem seien fahrradfreundliche Ampelschaltungen. Als Beispiel nannte er den Hemelinger Tunnel, der für Fußgänger und Radfahrer nur umständlich zu queren sei.

„Wir haben die Signalsteuerung schon an 60 Standorten umgestellt“, lautete die Antwort Mannis. Auch am Hemelinger Tunnel sei dies geschehen. „Das haben wir 2016 von einem Ingenieurbüro untersuchen lassen und fahrradfreundlich gemacht.“ Albrecht Genzel vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub fand die Lösung nicht überzeugend. „Es ist nicht alles gelungen, einiges verschlimmbessert.“ Wenn es Kritik gebe, bitte er darum, dem ASV Bescheid zu geben, erwiderte Sebastian Manni. „Wenn wir 2016 umprogrammieren und 2020 erfahren, dass es nicht so gut ist, dann ist das etwas lang.“

Für die kommenden Jahre stehen dem ASV sieben Millionen Euro – und damit um einiges mehr als in der Vergangenheit – für die Sanierung von Radwegen zur Verfügung. Allerdings führt dies offenbar zu einer Art Luxusproblem. „Es ist schon eine Herausforderung, dass Mehr an Geld auch auszuschreiben.“ Sprich: deutlich mehr Aufträge müssen gesetzeskonform formuliert und veröffentlicht werden – ein hoher Arbeitsaufwand.

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